Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Medien  »  Altpapier
DruckenVersenden
 

Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Donnerstag

31. Jul 2008 10:06, ergänzt 11:04
Wer bestimmt, was über Satellit kommt?
Bild vergrößern
Folter in Gaza? Chinesische Zensur auch im globalen Satellitengeschäft? Außerdem: Sat.1 verhängt die «Höchststrafe» über seine eigene Serie, Verona Pooth könnte Margarethe Schreinemakers folgen.

«Das Internet ist ja viel größer als die Medien, die darin stattfinden.»

Den Satz des Tages sagt Frank Syré im 'taz'-Interview. Der «zoomer.de»-Chefredakteur äußert sich dort auch über die tradierte Ressortaufteilung (stammt aus der Papierzeitungswelt, sei im Internet «hinfällig»), worüber man gut streiten kann. Und er nennt «zoomer.de» ein «360°-Nachrichtenportal», was erst recht erstaunt. Zumindest was die Größe des Internets angeht, hat er unbestritten recht.

Die Medien-Ressorts in den Medien, die u.a. im Internet stattfinden, sind aber auch sehr groß. Viele geradezu konträre Themen passen hinein.

Zum Beispiel steht mitten auf der heute wieder prallvollen «FAZ»-Medienseite der Artikel «Am Rande der Verzweiflung», der «gekonntes Spannungsfernsehen im Geiste Hitchcocks» empfiehlt: eine neue US-Serie auf Sat.1 (s.u.). Daneben, am Rande der Medienseite, steht der kleinere Artikel «Die Hamas foltert/ ARD bangt um Kameramann». Hier geht's um die 'große Sorge' der ARD um ihren im Gaza-Streifen verhafteten Mitarbeiter (wozu online auch ein instruktives Reuters-Video vorliegt), dort wird zum Entertainment gebangt, und beides gehört auf die Medienseite.

Inzwischen ist der ARD-Kameramann Sawah Abu Saif zum Glück wieder frei ('faz.net).

Auch unter Aspekten der Medienfreiheit ein noch größerer Krisenherd als der kleine Gazastreifen ist, kurz vor Olympia, das große China. Fällt das Interview, das die «Zeit» (S. 4, hier verkürzt) mit Vincent Brossel von «Reporter ohne Grenzen» (ROG) führt, recht moderat aus, so erzählt die 'Rundschau' eine von den internationalen ROG geschilderte mutmaßliche Skandalstory um das europäische Unternehmen Eutelsat.

Der Satellitenbetreiber soll «die Ausstrahlung eines regierungskritischen chinesisch-sprachigen Senders», des aus New York sendenden New Tang Dynasty Television, «gestoppt haben, um an Aufträge aus China zu kommen», so lautet der Vorwurf.
Dazu ist ein 61-seitiges, chinesisch-englisches PDF-Transkript («Hello, is this Eutelsat Beijing Office?» - «Yes. Who's calling?» - «This is the Central Propaganda Department... ...») abrufbar.

Zurück zum Spannungsfernsehen. Die neue Sat.1-Serie, die Harald Keller in der «FAZ» bespricht, heißt 'Kidnapped'. Dazu lässt sich nicht nur Lobendes über die Machart schreiben, sondern auch Aufschlussreiches zur Programmpolitik. Zur so genannten besten Sendezeit um 20.15 Uhr wird lediglich der Pilotfilm heute ausgestrahlt, dann folgen die weiteren Folgen «donnerstags ab 23.15 Uhr. Und das auch noch im Sommerprogramm. Beim Fußball spricht man von Höchststrafe, wenn ein Spieler ein- und wieder ausgewechselt wird. Eine Erstausstrahlung kurz vor Mitternacht im Sommer ist so etwas wie die Höchststrafe im Fernsehen», ärgert sich Björn Wirth («Berliner Zeitung»).

Manchmal ist das Fernsehen eben hart. Manchmal aber auch fair und/ oder gerecht. «Mit Margarethe Schreinemakers kann eine Fernsehkarriere in einem gewaltigen Auf und Ab besichtigt werden», kommentiert der 'Tagesspiegel' das Neun Live-Aus für die Moderatorin, das einer Neun-Live-Sprecherin zufolge «ziemlich relaxed abgelaufen» ('SZ') sei. Des Scheiterns Ursache läge in den 90ern. Schon damals nahm «das Fernsehvolk ... ihr, der Bestverdienenden, die Rolle des angeblichen Steueropfers übel», glaubt Joachim Huber.

«Schreinemakers ist jetzt 50. Für Fernsehfrauen in Deutschland ein ganz schwieriges Alter. Über diese Demarkationslinie hat es noch keine geschafft, Schreinemakers konnte es gar nicht schaffen. Fernseh-Deutschland hatte längst beschlossen, sie nicht mehr sehen zu wollen. Verona Pooth, 40, ist als nächste dran



Altpapierkorb

Große Jubiläen großer Medien müssen begangen werden. Die 'taz' begibt sich anlässlich des morgigen 60-Jährigen des «Sterns» auf Sinnsuche zwischen Covern wie '2500 Jahre Kaiser, Krieger, Konkubinen' und 'Kicken, Kiffen, Käse'. «Nicht schlecht, nur schlecht gemacht», lautet die Überschrift durchaus doppeldeutig, schließlich sagt «stern.de»-Chefredakteur Frank Thomsen: «In den letzten zehn Jahren ist der 'Stern' niemals so schlecht gewesen, wie er manchmal gemacht wird, insbesondere in den Medien, von Journalisten». +++ «Der Tagesspiegel» indes wird «bald 20.000 Ausgaben» alt. Auf seiner Seite 3 blickt daher Ex-SFB-Chefredakteur Jürgen Engert auf die bewegte Frühzeit zurück: «1945: Berlin startet seine Karriere als Krisenherd» (äh, und was war Berlin vorher?). Aber «schließlich zählt, was hinten rauskommt. Und das ist ein Produkt, unverwechselbar. Eine Art Berliner Siegessäule.» +++ «Kein Anschluss unter dieser Nummer» bei «Joost» (siehe Netzeitung) und auch per E-Mail keine Antwort: Zwar wollen alle Fernsehsender ins Internet, aber alle wollen es «auf eigene Faust», weshalb bei «Joost» «eher Programme mit sich selbst erklärenden Titeln wie 'Sexy Clips'» funktionieren. Henning Hoff beleuchtet die Lage in der 'FAZ' . +++ Ferner kritisiert dieselbe die neue Suchmaschine Cuil, weil sie noch kaum auf deutsch funktioniert. +++ Durch übermäßigen TV-Konsum gehen «Energie und Konzentrationsvermögen» verloren, entnimmt die «SZ» (S. 15) der US-Studie «Television and the Quality of Life». +++ So genannte Lohas, also «großstädtische Neo-Ökos, die viel Geld haben, dieses auch gerne ausgeben und sich für die Umwelt und für Nachhaltigkeit engagieren wollen» besitzen womöglich Energie und Konzentrationsvermögen, als Zielgruppe aber doch keinen Reiz für Hubert Burda. Das Zeitschriften- und Onlineprojekt wurde «Ivy»/ 'ivyworld.de' eingestellt («SZ»). +++ Hans Leyendecker freut sich, dass die ZDF-Doku «Mission Gold: Wie sauber sind die Spiele?» den Deutschen Olympische Sport-Bund ob der Olympia-Nominierung des Leichtathletik-Trainers Werner Goldmann «blamiert» hat. +++ Rauchverbotsaufhebungs-TV in der ARD: Die 'taz' sah zu. +++ Auch vor Gericht geht die Auseinandersetzung zwischen dem MDR und seinem ehemaligen Sportchef Wilfried Mohren ('Welt'). +++ «Eine so hohe Strafe musste die Rundfunkanstalt noch nie bezahlen»: 'Berliner' über das wegen Quizshows über die BBC verhängte Bußgeld. +++ «Die Medienberater im US-Wahlkampf müssen bei der Inszenierung immer doppelt denken. Erstens: Welche Bilder nützen meinem Kandidaten. Zweitens: Welche Bilder könnten vom Gegner für Negativwerbung missbraucht werden?», berichtet der 'Tagesspiegel' aus Washington. +++ Und führt, daheim in Berlin, die kleine Fehde mit der «Bild»-Zeitung weiter: «'Bild'-Sprecher Fröhlich findet an der Recherchemethode 'nichts auszusetzen', auch wenn sich Judith Bonesky nicht als Reporterin vorgestellt habe. 'Sie hat nur beobachtet und über ihre Beobachtung einen Bericht geschrieben. Das ist auf jeden Fall sauberer als die falsche Behauptung des 'Tagesspiegels' ein paar Tage später, 'Bild' hätte den Schweißgeruch von Obama beschrieben.' In den USA gilt es dagegen als gravierender Regelverstoß, wenn ein Rechercheur sich nicht als Journalist zu erkennen gibt. ...» +++ «Winkende, meist gekrönte Staatsoberhäupter waren auch um 1900 ein populäres Filmsujet», zieht Klaus Kreimeier Parallelen zwischen heutigen Youtube-Filmchen und der Zeit der Brüder Lumière und Georges Méliès'. +++ Kann und sollte altes Fernsehen archiviert werden? Hans Müncheberg, am Aufbau eines solchen Fernseharchivs beteiligt («Es steht vorerst bei ihm zu Hause») denkt darüber im 'Freitag' nach.


Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.