Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Medien  »  Altpapier
DruckenVersenden
 

Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Dienstag

22. Jul 2008 10:01, ergänzt 10:54
Barack Obama, ein Mann, den die Medien lieben - zumindest in den USA.
Bild vergrößern
USA, ihr habt es besser: politisch relevante Blogger, verliebte Medien und Obama! Hier dagegen ist Götz George verwirrt über das moderne Fernsehen. Und in Frankreich sucht man bereits im World Wide Web Zuflucht.

Dass deutsche Blogger irgendwie nicht so wichtig sind wie ihre amerikanischen Kollegen, ahnte man ja schon bevor der «Spiegel» es gestern erneut auf den Herd nahm, bei mittlerer Hitze aufwärmte und ein wenig köcheln ließ (mittlerweile steht der Text sogar online ). Man könnte dieses Thema auch konsequenter angehen, indem man eben weniger über die redet, über die angeblich eh nie jemand redet. Wie Oskar Piesga zum Beispiel, der sich um die Hiesigen gar nicht erst kümmert. Für «Zeit Online» hat er das Bloggertreffen Netroots Nation in Austin besucht .

Der Szenetreff für Nerds hat sich in kürzester Zeit zu einem Pflichttermin für alle entwickelt, die bei den Demokraten etwas bewegen wollen. Im vergangenen Jahr legten hier die wichtigsten Präsidentschaftsanwärter der Partei einen Zwischenstopp ein.

Dass Barack Obama in diesem Jahr nur per Videoeinspielung anwesend sein konnte, liegt natürlich an seiner aktuell recht ausgedehnten Reisetätigkeit. Und da lässt sich schon wieder feststellen: Mensch, in den USA ist echt alles anders! Verständnis-Nachhilfe kann laut 'FR' , «FAZ» (S. 38) und 'Tagesspiegel' angeblich die «Daily Show» von Jon Stewart leisten, die ab heute auf Comedy Central zu sehen ist. Der 'Tagesspiegel' wagt an anderer Stelle allerdings noch mehr als einen Fernsehtipp:

Stellen wir uns vor, die SPD legt sich fest, wer ihr Kanzlerkandidat wird. Der bricht sechs Wochen später zu einer längeren Auslandsreise auf – und die Moderatoren der wichtigsten deutschen Fernsehnachrichtenformate von Tom Buhrow (ARD) über Claus Kleber (ZDF) bis zu Peter Kloeppel (RTL) wetteifern, wer mit dem Herausforderer reisen und ihn in Washington oder Peking interviewen darf? Wohl eher unwahrscheinlich.

Wer weiß? Denn hier läuft ohnehin gerade einiges verkehrt: Die «taz» räumt heute ihr Titelblatt für Obamas republikanischen Gegner, derweil 'stern.de' den «paternalistischen Ton» tadelt, den deutsche Leitmedien anschlagen, wenn es um Obama geht. Doch das nur – wie der Amerikaner vielleicht sagen würde – by the way. Folgen wir lieber weiter dem berückenden Gedankenspiel mit negativem Ausgang, das den Beginn eines Raisonnements über die deutliche Liebe, die US-Medien für Obama hegen, darstellt.

Nach einer Untersuchung des Fachdienstes «Tyndall Report» hatten die großen drei Sender seit Juni zusammengenommen 114 Minuten über Obama im Programm – und 48 Minuten über McCain. Auch Hillary Clinton hatte sich im Vorwahlkampf beschwert, dass Obama mehr Aufmerksamkeit genieße. Die meisten US-Journalisten sehen darin keine Parteilichkeit. Sie sagen: Ein Neuer ist immer interessanter als die Altbekannten.

Ein weiterer Grund – und damit noch einmal zurück zu «Zeit Online» – könnte sein: Die Konservativen haben´s nicht so mit den sog. neuen Medien. Und zwar weder deren Kandidat John McCain noch die zugehörigen Wähler. Auf dem Programm der «Netroots Nation»-Gegenveranstaltung 'Right Online' «standen deshalb niedrigschwellige Veranstaltungen mit Titeln wie 'Das kleine Einmaleins des Bloggens'.»

Wäre das vielleicht auch was für Götz George? Wohl kaum, denn um ihn auf die modernen Zeiten zu trimmen, muss man offensichtlich grundlegender beginnen. Schon in der deutschen Film- und Fernsehszene kenne er sich nicht mehr aus, gesteht er im Interview mit der «FR»:

Deswegen bin ich ja auch auf keinem Event. Ich würde da ganz viele treffen, die ich nicht kenne … Da kommen dann vielleicht Köche oder Moderatoren oder was weiß ich. Ich weiß heutzutage nicht mehr, wer mir da eigentlich gegenüber steht.

Höchstens ökonomische Seminare übers Online-Publizieren benötigen dagegen laut 'Süddeutscher Zeitung' die französischen Journalisten, die den Medieninitiativen von Nicolas Sarkozy bzw. den Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen sind. Sie sind längst ins World Wide Web abgewandert mit Gründungen wie 'Mediapart' , 'Rue89' oder 'Bakchich.info' . Edwy Plenel, einer der Initiatoren von «Mediapart», der zuvor 25 Jahre für 'Le Monde' arbeitete, sagt:

Es handelt sich auch um eine professionelle Krise. Die Journalisten wissen heute nicht mehr, was ihre eigentliche Aufgabe ist. Und deswegen ist das Entstehen der Online-Zeitungen vor allem ein Zeichen für die Krise der Demokratie in Frankreich.


Altpapierkorb

Was außerdem nicht aufhört, durch den Blätterdschungel zu trommeln: der Streit um die Vermarktung der Fußballbundesliga-Rechte. Die 'taz' enttarnt die Propagandastrategien – DFB und DFL jedenfalls malen vor dem heutigen Treffen Hand in Hand den Teufel an die Wand: kein freier Wettbewerb in der TV-Vermarktung, keine Weltklassespieler mehr in der Liga. So zieht man die Fans auf seine Seite, die ansonsten eher auf der Kartellamtslinie liegen –, die «FAZ» (S. 38) vermeldet die Rede des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) von der «massiven Einengung des Spielfelds für den privaten Rundfunk» und der «Lobbyanfälligkeit» des Kartellamts. Und im 'Tagesspiegel' steht: Insider rechnen damit, dass sich die Gespräche noch über Wochen hinziehen. Auch eine alleinige Rechte-Vermarktung der DFL, ohne Zwischenhändler Sirius, wird in Erwägung gezogen. +++ Dank schlauer Mathefüchse hat Verena Kulenkampff, die seit einem Jahr als Fernsehdirektorin des WDR fungiert, keine Angst vor alten und/oder altmodischen Mediennutzern: Man hat ausgerechnet, dass RTL mit seinem Mainstream-Programm spätestens 2010 aus seiner eigenen Zielgruppe herausfällt – ganz so einfach ist es nicht, unter 50 zu bleiben. Wir haben damit kein Problem, uns sind alle Zuschauer recht. ( Interview im «Kölner Stadtanzeiger») +++Der Holtzbrinck-Verlag will in Zukunft offenbar weniger verlegen und dafür mehr im Netz verdienen. Deswegen versucht er sein tschechisches Wirtschaftsblatt «Hospodárské Noviny» loszuwerden und scheut dabei auch nicht vor dubiosen Käufern zurück. Die 'FAZ' lobt das Blatt und fragt sich deshalb: «Droht nun auch der Tschechischen Republik eine 'Ukrainisierung' der Presselandschaft?» Stefan von Holtzbrincks Interesse am Onlinegeschäft wiederum belegt unzweifelhaft der Kauf des Hamburger Onlinevermarkters «Quarter Media» ( 'FTD' ). Sowie sein Engagement für StudiVZ, das nun laut «SZ» (S.17) in einer Feststellungsklage gegen Facebook gipfelt (siehe auch Altpapierkorb von gestern ). +++ Aktuell sind es 43,6 Prozent («SZ», S.17), Ziel sind «rund 47 Prozent» (siehe 'Handelsblatt' ): «EM Sport Media» stockt seine Beteiligung an der Schweizer Firma «Highlight» auf. Gekauft hat sie die Anteile von Bernhard Burgener, von dem man bald mehr hören wird, wie die «SZ» ganz richtig ahnt. Denn Burgener wird im September Vorstandsvorsitzender bei «EM Sport Media», zum Jahresende übernimmt er außerdem Fred Kogels Job bei der «Constantin». +++ Bei «Endemol» könnte sich auch bald was ändern: Laut 'kress' wird Geschäftsführer Borris Brandt dort bald den Hut nehmen. +++ An sozialen Netzwerken ist nicht alles schlecht – auch wenn es manchmal gar nicht einfach ist, sie zu verlassen ( 'SpOn' ). Ganz gut zum Beispiel – sagt wenigstens die 'taz' : dass der Kinofilm 'Preußisch Gangstar' jetzt in Form einer Webserie auf MySpace läuft. +++ Straffreiheit für Hape Kerkeling und seine Currywurst! ( 'Abendblatt' , Netzeitung ) +++ Und für CBS und Nipplegate! ( 'SZ' , 'FTD' , Netzeitung ) +++ Sie wollen´s lieber etwas entspannter? Dann schauen Sie doch «Memelland» – empfiehlt die 'Berliner Zeitung' .

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10 Uhr.


 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.