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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Montag

21. Jul 2008 10:12
Das Original müssen Sie sich blau vorstellen: Facebook klagt gegen seinen deutschen Nachahmer StudiVZ
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Was soll nur werden: aus dem Fußballempfang, den deutschen Blogs, Facebook als StudiVZ und der Selbstbezüglichkeit.


Morgen wird der Tag sein, an dem sich die nähere Zukunft der Fußballrechte im Fernsehen womöglich entscheidet.

Nicht von ungefähr sind am Dienstag Gespräche mit der Bonner-Kartell-Behörde terminiert, auf denen es aus Sicht der DFL vor allem um Nachbesserungen geht.

Kündigt etwa der 'KStA' an (dazu auch: 'SZ' vom Samstag). Nicht ohne Ironie, denn Nachbesserungen hat ja zuerst das Kartellamt gefordert, dass den Zuschauer als Nicht-Abonnent berücksichtigt wissen möchte.

In der 'FTD' beklagt das Privatfernsehen, das Kartellamt mache sich zum Wasserträger der ARD. In der «SZ» (Seite 13) von heute sieht DFB-Präsident Theo Zwanziger kurz vor dem Showdown den Breitensport in Gefahr: Wie hinlänglich bekannt werden von den 500 Millionen Euro ja vor allem Bolzplätze gebaut und nicht hochdotierte Spieler finanziert. Warten wir's ab.

Worauf wir ebenfalls warten: eine Neuauflage der Diskussion zwischen so genannter Blogosphäre und so genanntem Qualitätsjournalismus. Der «Spiegel» (Seite 94) gießt mal wieder Öl ins Feuer, reflektierter zwar, aber Öl bleibt Öl.

Blogs bleiben ein Nischenprodukt. Mal lustig, mal interessant. Sehr oft mit nichts als sich selbst beschäftigt. Aber insgesamt ohne große Bedeutung.

Dass das in Amerika anders ist, hängt – abgesehen davon, dass Amerika fern ist – naturgemäß mit einer anderen Ausformung der publizistischen Landschaft zusammen.

In den USA, so eine gängige Erklärung, seien Blogs auch deshalb derart einflussreich, weil die alten Massenmedien, allen voran das Fernsehen, in der Berichterstattung über den Irak-Krieg zunächst versagt haben.

Etwas ölig wird der Text hingegen da, wo er ausgerechnet die Schmähungen von Henryk M. Broder gegenüber Stefan Niggemeier zum Beweis der verlotterten Sitten in Blogs nimmt. Im Impressum wird Herr Broder als Reporter im Ressort «Deutsche Politik» geführt.

Und was sagen die Blogs? Dazu erstmal nichts. Besagter Stefan Niggemeier beschäftigte sich zuletzt mit seinen eigenen Beiträgen, die es bei dem beliebten Branchendienst Turi2.de zum meistgeklickten Artikel des Tages geschafft haben, um dann entsetzt feststellen, dass das in Zahlen 43 bedeutet.

Selbst bei «Don Alphonso», der doch für etwas deutlichere Worte eigentlich immer zu haben ist, findet der «Spiegel»-Artikel keinen Nachhall. Dafür gibt es auf Alphonsos blogbar.de einen etwas älteren Beitrag, der behauptet, dass Blogs in den drei Bereichen «literarische Texte, Kochen und inzwischen auch Wirtschaft» sich Meriten verdienen können.

Aber Medien? Da gibt es mehr als eine Marktsättigung, da sind wir längst in der Konsolidierung angekommen.

Ja, äh, was sollen wir jetzt, äh, sagen? Bleibt vielleicht noch kurz Zeit, sich mit etwas anderem zu beschäftigen. Sich selbst.

«Die Netzeitung bleibt erhalten», wusste die 'taz' Ende letzter Woche. Und in der 'FAZ' schreibt der Schriftsteller Siegfried Lenz zu 50 Jahren Deutschland des «FAZ»-Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki.



Altpapierkorb

Warum erst jetzt? Facebook macht StudiVZ Plagiatsvorwürfe, «aus Rot wurde Blau», titelt die 'taz' bündig. Die «FAS» (Seite 37) legt einen Zusammenhang mit den schwachen Resultaten des Originals seit der Eröffnung einer deutschsprachigen Variante vor vier Monaten nahe. +++ Spiegel-Online macht sich keine Illusionen über den Ausgang der Klage («Der Klon gewinnt immer») und sieht die Fehler ebenfalls bei Facebook: Die Amerikaner haben nach ihrem US-Marktstart 2004 geschlagene vier Jahre gewartet, bis sie sich um die Auslandsmärkte kümmerten - im Internet eine Ewigkeit. In Abwandlung der Klageschrift könnte man sagen: «Ein großer Teil des Erfolgs - wenn nicht der gesamte Erfolg - von StudiVZ ist dem Schneckentempo von Facebook geschuldet.» +++ In der «FAZ» vom Sonntag fällt eine kleine Meldung auf: Die «Berliner Zeitung» scheint also ihre Medienseite abschaffen zu wollen. Und der Medienredakteur der «Frankfurter Rundschau», ..., erklärt seinen Lesern die Bedeutung dieser Art von Seite so: «Die Kritik einer Fernseh-Sendung ist ein Service für die Leser.(...) Die Berliner Zeitung (...) wird in Zukunft auf diesen Service verzichten.» Das ist sehr unwahrscheinlich, denn dieser Service lässt sich an jeder Ecke billig einkaufen. +++ Und nicht verzichtet wird auf ihn heute in allen Zeitungen (inklusive «FR» und «Berliner»), die Hajo Seppelts und Jo Golls ARD-Dokumentation (21 Uhr) über Doping und China vorstellen ( 'SZ' , 'Berliner' , 'FR' , 'taz' , «FAZ», Seite 36). +++ Der «Tagesspiegel» (noch nicht online, Seite 23) hat mit den beiden Fernsehjournalisten gesprochen. +++ Die «FAZ» (Seite 36) orientiert über Veränderungen bei der Münchner «Abendzeitung» im 60. Jahr des Bestehens und mit neuem Chefredakteur Arno Makowsky. +++ Kritik der Auslandskorrespondenten an den Öffentlich-Rechtlichen übermittelt die 'Berliner' . +++ Bei der «L.A. Times» geht wieder mal jemand ( 'FR' ). +++

Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.

 
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