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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

18. Jul 2008 10:15, ergänzt 11:00
Ein Einzelfall aus dem letzten Jahr: Team Astana packt die Koffer. Dieses Jahr übernimmt Saunier-Duval diese Rolle
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Olle Kamellen: Tour de France abschalten? Lex Sportschau schaffen? Gratiszeitung auf den Markt bringen?



Alles schon mal dagewesen.

Bei der Tour de France ist der «dritte 'Einzelfall'» (wie die «FAZ» süffisant titelt) eines gedopten Fahrers publik geworden. Umgehend stellt sich die Frage, ob ARD und ZDF weiter berichten sollten.

Die Argumente sind derart bekannt, dass Jürgen Schmieder in der 'SZ' aus einem Text von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender aus dem Jahr 2007 zitieren kann, ohne das einem das auffallen würde. Brender will darin den «einsetzenden Selbstreinigungsprozess» unterstützen.

Und der setzt ein und setzt ein und setzt ein. ARD und ZDF bleiben dabei:

«Dass es ein, zwei, drei Fälle geben kann, war uns immer klar. Für uns war wichtig, dass es kein systematisches Doping gibt und der Veranstalter der Tour an seiner harten Haltung gegenüber Dopingsündern festhält.»

Das hat der ARD-Sprecher Rolf-Dieter Ganz dem 'Tagesspiegel' erklärt. Die 'FAZ' hat den Chef de Mission der Öffentlich-Rechtlichen gesprochen: Roman Bonnaire.

Es mag vielleicht paradox klingen, aber wenn der eine oder andere Fahrer erwischt wird, tut das sogar ganz gut. Gäbe es nach drei Wochen Tour de France keinen einzigen Dopingfall, ginge die Glaubwürdigkeit der Kontrollen doch gegen Null.

Da spricht die Einzelfall-Fraktion, die in jedem positiv getesteten Fahrer allein das funktionierende System der Kontrollen erkennen will. Spannend bleibt die Frage, wie viele Einzelfälle die Glaubwürdigkeit braucht resp. aushält.

Derweil sinniert die 'SZ' :

Aber warum wird darüber diskutiert, ob ARD und ZDF ihre Berichterstattung einstellen sollen? ... Der Zuschauer kann selbst entscheiden, ob er dieser Show beiwohnen möchte. Oder einfach abschaltet. Wenn keiner zusieht, wird bald auch keiner mehr berichten.

Was der Zuschauer nicht entscheiden kann: Wo, wie und wann er 2009 Bundesligafußball sehen wird. Für ihn hängt sich das Kartellamt rein:

Das Bundeskartellamt fordert frühere Sendezeiten für Berichte von der Fußball-Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen.

Meldet die 'FR' , in der auch steht, dass die Behörde von der DFL «Nachbesserungen» an ihrem mit Leo Kirchs Firma Sirius ausgehandelten Vermarktungsmodell verlangt.

Ob das überhaupt möglich ist, ohne die gesamte Transaktion zu gefährden, gilt als fraglich.

Unkt die 'SZ' . Die in der kartellamtlichen Forderung, vor 20 Uhr Berichte von den Samstagsspielen im Free-TV zu übertragen eine «Lex Sportschau» erkennt. Denn für einen Pay-TV-Anbieter wie Premiere gewinnen die Fußballbilder ja nur dann an Wert, wenn sie nicht eine Stunde nach Abpfiff auch ohne Abo zu sehen sind.

Ohne Kirch scheint andererseits eine Steigerung der Einnahmen aus den Übertragungsrechten nicht mehr möglich.

Scheitert der Deal, würde die DFL die Fernsehrechte wieder selbst ausschreiben. ... Es wird befürchtet, dass die DFL bei einem Vertragsrücktritt von Sirius mindestens 100 Millionen Euro weniger erlöst.

Das würde die treffen, um die es eigentlich geht:

Größter Verlierer wären aber möglicherweise die Profiklubs und unter diesen die der zweiten Bundesliga.



Altpapierkorb

Wer wäre der Verlierer einer deutschen Gratiszeitung? Auch wenn sich die Branche bislang einig war, dass jeder Tag ohne Gratiszeitung ein guter Tag ist, lässt die Post von ihrem Projekt aus den Tagen der Konkurrenz mit dem ehemaligen Postdienstleister-Besitzer Springer nicht ab, wie die 'FTD' weiß. Diesmal allerdings mit Unterstützung von Verlagshäusern: Selbst der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) will inzwischen nicht mehr ausschließen, dass einzelne Verlage aus der Abwehrlinie gegen das Gratisblatt der Post «ausscheren» könnten. Der Grund: Bislang kompensieren die Online-Werbeerlöse die Rückgänge im Print nicht. Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen drängt sich damit das Thema «Gratispublikation» wieder auf - sei es mit der Post oder eben im Alleingang. +++ Relativ geschlossen haben gestern einige Verlagshäuser eine so genannte Münchner Erklärung herausgegeben über ihre Vorstellungen der Internetaktivitäten von ARD, ZDF und DLF. Heute melden sich die Zeitungen zu Wort, die zu Häusern gehören, die nicht unterschrieben haben. 'FR' und 'KStA' (beide DuMont) fassen zusammen, die 'taz' (sich selbst) mault: Irgendwie hatte man gehofft, die leidige Diskussion über expansionsversessene ARD- und ZDF-Sender, die der tapferen deutschen Presse per Internet das Lebenslicht ausblasen wollen, hätte sich einigermaßen versachlicht. +++ Die Öffentlich-Rechtlichen nehmen's bekanntlich gelassen: Sie sei «schon heute ein Papier von gestern» und verkenne die Realitäten im globalen Medienmarkt, so ZDF-Intendant Markus Schächter («taz»). Das prekäre Verhältnis zu gestern und heute und morgen verbindet die Münchner Erklärung mit der deutschen Ausgabe von «Elle», die 20 wird. Die 'Berliner' gratuliert: Und über die seismographischen Talente der Redaktion ist im Burda-Factsheet zu lesen: «Was morgen längst von gestern ist - all das steht heute schon in Elle.» Was soll dieser toll klingende Satz bedeuten? +++ 25 Jahre tot ist Erik Ode, Darsteller des «Kommissar», der gerade wieder am Sonntagabend auf 3sat wiederholt wird. Der 'KStA' und – über den Umweg ihrer 'Fundstücke'-Serie – die «FAZ» (Seite 40) würdigen. +++ Ehe wir auf die Frühbesprechung des GNT-Aufgusses «Simply the Best» auf 'Welt-Online' verweisen, doch rasch wieder zurück zu den hard facts. Die 'NZZ' hat mit Paul E. Steiger, dem Chef des privat finanzierten Recherchebüros Pro Publica gesprochen, das unlängst mit seinem ersten Beitrag für Furore sorgte. +++ Eine Posse spielt sich beim BR ab, Auslöser sind interne und juristische Streitigkeiten ob eines Beitrags über den mutmaßlichen Kinderschänder und Guru «Shanti». Die «SZ» (Seite 17) berichtet. +++ Google wächst langsamer ( 'FTD' ). +++

Der Altpapierkorb füllt sich Montag wieder gegen 10 Uhr.

 
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