Unsere Medienkolumne: Altpapier vom Mittwoch02. Jul 2008 10:06, ergänzt 11:09  |  Leider überhaupt nicht an der Deutschen Zeitungsholding beteiligt: Prinzessin Caroline von Hannover | Foto: dpa |
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Prominente in wichtigen Gerichtsprozessen: Prinzessin Caroline, Sabine Christiansen, Josef Depenbrock. Außerdem: «Verleger gesucht. Kaufen Sie uns!»
«2000 gegründet, mehrfach verkauft, immer noch da: Netzeitung.de»
«taz.de»-Bildunterschrift zum
Artikel
über das frisch ausgerufene «Online last!»-Prinzip der BV Deutsche Zeitungsholding, zu der u.a. die «Berliner Zeitung» und eben die Netzeitung gehören. Der Bericht geht der Frage nach, was nun aus der Netzeitung wird.Heute teilt sich die Medienseitenaufmerksamkeit zwischen dem Geschäftsführer der BV Deutsche Zeitungsholding, Josef Depenbrock, der Prinzessin Caroline von Monaco/ Hannover sowie der Talklady Sabine Christiansen. Gemeinsam haben diese drei ihre Beteiligung an Gerichtsprozessen, deren Ausgang für die Medienbranche aufschlussreich ist.
Die Prinzessin hat vorm Bundesgerichtshof verloren. Dass das Adelsmagazin
«7 Tage» (online leider nur
unscharf)
im März 2002 Aufnahmen von ihr veröffentlicht hatte, war rechtens. Der BGH fand, der Bericht mit den Überschriften «In Prinzessin Carolines Bett schlafen - kein unerfüllbarer Wunsch! - Caroline und Ernst August vermieten ihre Traum-Villa» befasse sich mit dem «gewandelten Konsumverhalten der 'Reichen und Schönen'. ... Weil dies zu einer 'Debatte von öffentlichem Interesse' führen könne, sei die Illustration mit einem Urlaubsfoto erlaubt.» («SZ», S. 17,
'sueddeutsche.de'
ähnlich).
Die Talklady indes hat vorm BGH gewonnen. Ein in «Bild der Frau» abgedrucktes Foto, das Christiansen «ungeschminkt, zusammen mit ihrer Putzfrau beim Einkaufen»
('sueddeutsche.de')
zeigte, zeige sie «in einer völlig belanglosen Situation, fand der BGH» («SZ», S. 17, anderer Artikel). «Der Nachrichtenwert dieser Berichterstattung trage nichts zu einer 'die Allgemeinheit interessierenden Sachdebatte' bei».
Der Prozess, in dem Josef Depenbrock eine Rolle spielt, beginnt erst heute, in diesen Minuten in Saal 334 des Berliner Arbeitsgerichts. Einen schönen Schnappschuss Depenbrocks verbreitet online übrigens die cash.medien AG
(Foto rechts, ganz links.
Vermutlich entstand es am Rande einer Aufsichtsratssitzung des Unternehmens).
Ironie am Rande: Die cash.medien AG, an der Depenbrock «gut 25 Prozent» hält
('WamS'),
ist «die Muttergesellschaft der Unternehmen der CASH-Gruppe. Die Gruppe
befasst sich
als Medienhaus crossmedial mit allen Bereichen der langfristigen Kapitalanlage...»Also praktisch mit dem Gegenteil dessen, womit sich die britische Mecom Group und die BV Deutsche Zeitungsholding befassen.
Über die 20 Prozent-Rendite, die Mecom-Chef David Montgomery fordert, berichtet die
'Rundschau':
«Wie diese Marge zu erreichen sei, darüber rätselt nicht nur die Redaktion der 'Berliner Zeitung'. Sie aber soll offenbar die Hauptlast bei den Einsparungen tragen, die Montgomery zum Erreichen der Rendite als notwendig anzusehen scheint. Dabei wurde dem Berliner Verlag die Tilgung der Kredite aufgebürdet, die Mecom für den Kauf aufnehmen musste: Ein Modell, das bei Finanzinvestoren üblich scheint.»
Das führt auf der Medienseite der «taz», die auf dem
Titel (PDF)
mit «Fachkräfte verzweifelt gesucht»-Stellenmarkt aufmacht, zur Stellenanzeige «Verleger gesucht. Kaufen Sie uns!». Es sucht: die «hochmotivierte» Redaktion der «Berliner», die eine zwar «beträchtliche», aber nicht beliebig steigerbare Rendite bietet. Diese Anzeige ist online leider nicht verfügbar, bloß der
Artikel
zum heutigen Prozess: «Es geht am Beispiel der 'Berliner Zeitung', der ersten deutschen Zeitung, die von Investoren aus der Private-Equity-Branche übernommen worden war, um Grundsätzliches: Was ist journalistische Unabhängigkeit und wie ist Qualitätsjournalismus möglich, wenn ein Medienunternehmen behandelt wird, als wäre sie eine Brezelfabrik, ein Renditeprojekt?»
Im Prozess geht es eigentlich lediglich um die Zulässigkeit von Depenbrocks «Berliner Zeitung»-Doppelfunktion als Chefredakteur und Geschäftsführer. Damit, dass der Ausgang an der Lage im Verlag viel ändert, rechnet niemand. Jedoch hat die Verlagsseite sich gründlich vorbereitet, weiß der
'Tagesspiegel':
«Als Anwalt verpflichtete man den ehemaligen Personalchef von Gruner + Jahr, Martin Schuster. Der hat in einer schriftlichen Stellungnahme für das Gericht einen Schwung von Branchengrößen aufgeführt, darunter 'Focus'-Gründer Helmut Markwort und Angelika Jahr, die beide zugleich Chefredakteure wie Herausgeber und Geschäftsführer sind respektive waren...»
MEHR IM INTERNET: die artikel des tages |
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Altpapierkorb «Es gibt ja schon lange - auch durch Bildblog - den Versuch, eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen und auch innerhalb des Journalismus ein kritisches Bewusstsein für die Macht der Bild-Zeitung zu wecken. Aber das hat meinem Gefühl nach relativ wenig Effekt. ...»
('sueddeutsche.de'-Interview
mit Medienwissenschaftler Carsten Reinemann, der die «Bild»-Zeitung nur aus wissenschaftlichen Gründen liest). +++ «Der freie Journalist - ein armes Schwein?» Nein, eher ein Waschbär
('FR'
über die Initiative
'freischreiber.de')
. +++ Das Deutschlandradio plant einen weiteren, dritten Hörfunksender, und ist sich im Unklaren, wie das bezahlt werden soll
('Berliner').
+++ «Das nervöse Warten hat eine Ewigkeit gedauert...»: Jürg Altwegg berichtet in der
'FAZ'
über den Sarko-Auftritt, von dem die
Netzeitung
ausführlicher berichtet. +++ Allgemeineres zur Lage in Frankreichs Fernsehen:
'KStA'.
+++ «Ich glaube, dass wir über das Internet einen Austausch zwischen Sender und Publikum herstellen können und dass die Beziehungen so etwas wärmer werden können» (Arte France-Generaldirektor Jean Rozat, nicht über das französische Fernsehen, sondern auch die rundfunkpolitische Lage in Deutschland,
epd/ 'FR').
+++ «France Télécom steigt jetzt auch ins Pay-TV ein», und zwar mit Ligafußball («SZ»). +++ «Man wird aber honorieren müssen, dass ich mit meinen 77 Jahren noch immer am Laufen bin» (Armin Mueller-Stahl, heute in der ARD-Reihe «Deutschland, deine Künstler» porträtiert). Sein
Interview
mit der «FAZ» ist nicht dasselbe, sondern das gleiche, das gestern im
'KStA'
erschien. +++ Diese ARD-Reihe: ein «bunter, nicht unbedingt hochkultureller Reigen»
('Tsp.').
+++ «Drei Porträtierte vertreten also - mehr oder weniger entschieden - die sogenannte Hochkultur und drei die populäre. Wenn das mal keine typisch deutsche Auswahl ist»
('Berliner').
+++ «Gemessen an dem, was bisher zu sehen war, dürfte zumindest der Film über Jonathan Meese lustig werden, und das ist ja auch schon eine bemerkenswerte Kunst. Vielleicht muss man es dann hinnehmen, dass nach der ARD-Logik Udo Jürgens eine Legende ist und Reinhard Mey ein Künstler» (Claudia Tieschky, «SZ») Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.
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