Das sei so gekommen: Struve, «den viele für die Unterhaltungssucht der ARD verantwortlich machen, war Dienstagabend in Leipzig, als der Springer-Verlag seine Trophäe 'Bild-Osgar' verliehen hatte. ... Das kommt jetzt dreimal im TV: Der MDR zeigt Springers Fest, das
Jörg Pilawa moderierte, am
Freitag; Phoenix hatte die Gala längst für
Mittwoch eingeplant, allerdings in direkter Konkurrenz zum EM-Spiel der Deutschen im ZDF, also mit null Quote. Das
Fußball-Problem fiel aber offenbar erst so richtig auf, als Pilawa es beim Warming-Up im Festsaal ansprach, wo auch Verlagserbin
Friede Springer und Vorstandschef
Mathias Döpfner zuhörten».
Schon von daher weiß Struve, wo Dienstweg und Diplomatie erfordern, ranghöheren Funktionären den
Vortritt zu lassen. In
der bereits oben verlinkten Springer-Pressemitteilung ist's MDR-Intendant
Udo Reiter, der mit den Worten zitiert wird: «Der Bild-Osgar 2008 war eine
höchst eindrucksvolle Gala. Als Referenz vor allem an Helmut Schmidt haben wir die Sendung kurzfristig ins Erste Programm gehoben».
Was die Veranstaltung selbst betrifft, so liegt es in der Natur der Textmedien, dass sie von derlei glamourösen Ereignissen nur sehr mittelbare Eindrücke vermitteln können:
«... Barbara Becker, die Ex-Gattin des Ex-Tennisstars, ernennt die Schlagersängerin Andrea Berg zur 'First Lady der Musik'. Die in diesen Kreisen 'Talk-Lady' genannte Fernsehjournalistin Maybrit Illner lobt den so großartig wie unverständlich vor sich hin nuschelnden Udo Lindenberg. Und Veronica Ferres nennt Udo Jürgens 'das Non-plus-ultra der deutschen Musikgeschichte', was auch anderswo als in der Bach-Stadt Leipzig ein bemerkenswerter Satz wäre. ...» (Evelyn Roll, «SZ»-S. 3)
Bundeskanzlerin
Angela Merkel, noch keine Osgarpreisträgerin, bloß Laudatorin, war gestern öfters auch live am Rande des Fußballspiels im ZDF zu sehen. Alles über die denkwürdige
AAP(«ärgerlichste anzunehmende Panne», so ZDF-Sportchef
Dieter Gruschwitz):
Netzeitung, 'faz.net' («Jetzt
raubt uns die Technik auch noch die Ekstase»). «Alles keine Schuld des ZDF!»
('bild.de').Was wird im Finale?
('Tsp.'). +++ «Die Fußball-Europameisterschaft ist ein Film, der
live geschnitten wird»
('Freitag' über die UMET/ «UEFA Media Technologies SA»). +++
Nicolas Sarkozy folgt mit seinen Plänen für ein werbefreies öffentliches Fernsehen dem Vorbild Deutschland, um es anschließend sogar zu überholen.
Lutz Meier berichtet in der
'FTD', dass «Mobiltelefonierer und Internetkunden, deren Anbieter mit höheren Steuern belastet werden», dafür
bezahlen müssen. +++ Endlich jemand, der das von
Leo Kirch ersonnene, vom Kartellamt noch nicht genehmigte Modell der
Bundesliga-Fernsehvermarktung gut findet:
Adrian von Hammerstein, Chef des Kabelnetzbetreibers «Kabel Deutschland»
('Handelsblatt'). +++ Es mehrt sich Kritik an der ZDF/ «Die Zeit»-Kooperation im Internet
('FR'). Sie sei «für einen öffentlich-rechtlichen Sender kein normales Lizenzgeschäft. Stattdessen eröffne das ZDF einen neuen Distributionsweg in einem Medium, bei dem noch ungeklärt sei, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk dort unter welchen Voraussetzungen dürfe»,
ärgert sich RTL-Medienpolitiker
Tobias Schmid in der «FAZ» (S. 44). ++ Wie RTL «sein Personal für Nachrichten und Magazine in einer eigenen Firma» namens «Infonetwork» bündelt, beschreibt der
'Tagesspiegel'. +++ «FAZ»-Medienseite 44: ein langer Artikel über den arabischen Journalismus. +++ Das Vorhaben, den Journalismus in Usbekistan zu fördern, hat die Konrad-Adenauer-Stiftung nach anderthalb Jahren
aufgegeben ('taz'). +++
Ebd.: eine Berliner Ausstellung über Paparazzi. +++ Die «SZ» schildert, wie
Amy Goodman in New York mit «Idealismus und wenig Geld»
'Democracy Now!' am
Leben erhält. +++ Während die ZDF-Shows aus Bregenz die
'Berliner' «an »Hitparaden«-Zeiten» erinnern, erinnert, wie «
Gülcan und noch eine nach Bayern zum Bauern» ziehen, so sehr ans in Arkansas angesiedelte US-Vorbild, dass zumindest
Lob fürs Casting
fällig ist. +++
Christoph Twickel, der selbst Chefredakteur der Stadtzeitschrift «Szene Hamburg»
war, weiß daher, dass «die
goldene Ära der Stadtmagazine vorbei» ist.
Am Kiosk ging er der Frage nach, wieso also «ausgerechnet in der mitteldeutschen Diaspora ein regionales Kulturmagazin blüht». +++ Nicht als Osgar, nein, gar als «Oscar des Kinderfernsehens» wird das Festival gerühmt, das
Tilmann P. Gangloff für die
'FR' besuchte. Die «Stimmung war prächtig. Doch der Schein
trog». +++
Oliver Kalkofes Problem: «Das Fernsehen, über das er sich parodistisch lustig macht, wird immer unparodierbarer. Es wird
schneller dümmer, als Kalkofe reagieren kann. Genau deshalb erweist sich auch seine Art, das Medium zu spiegeln, als völlig überholt» (
Hans Hoff, «SZ», über Kalkofes neuen «Mattscheiben»-Anlauf auf Pro Sieben).
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.