Unsere Medienkolumne: Altpapier vom Donnerstag19. Jun 2008 10:01  |  Tabloid verhindert Outsourcing nicht: "FR"-Chefredakteur Uwe Vorkötter | Foto: dpa |
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Hat man so was schon gesehen: Die «Rundschau» unterwirft sich dem Sachzwang und «Bild» kneift.
Die Welt war auch schon einmal einfacher zu verstehen. Das war in einer Zeit, als bei der linken «Frankfurter Rundschau» soziale Gerechtigkeit großgeschrieben wurde und bei «Bild» noch Männer arbeiteten, die wussten, was ein Mann tun muss.
Vor einer Woche sah sich die «FR» einem Streik der Druckerei-Mitarbeiter ausgesetzt, die gegen die Gründung der FR Design GmbH aufbegehrten.
Dort wird nicht mehr nach Redaktions- beziehungsweise Drucktarif gezahlt, sondern nach den geringeren Sätzen des hessischen Tarifverbundes «Großhandel, Außenhandel, Verlage und Dienstleistung».
Das ist Grund für die Ausgründung, wie er in der
'Berliner'
nachzulesen ist. Die Streikenden hätten sich der Sympathie der «FR» gewiss sein dürfen, wenn es sich um Lokführer oder Supermarkt-Verkäuferinnen gehandelt. Für die Vorgänge im eigenen Haus muss Chefredakteur Uwe Vorkötter nun Erklärungen finden, die man jedem Arbeitgeber um die Ohren gehauen hätte.
«In der FR Design GmbH wird niemand schlechter gestellt als zuvor». FR-Mitarbeiter, die in das Tochterunternehmen wechseln, behielten ihren Tarifstatus. PDF-Kollegen werde der Übertritt mit sogenannten Qualifikationszulagen versüßt.
Klingt paradiesisch.
Aber es sei einfach so, «dass sich die Frankfurter Rundschau den Druck-Tarifvertrag nicht mehr im ganzen Unternehmen leisten kann», räumt Vorkötter ein.
Draußen tobt der Sachzwang. Was auch an die Gewerkschaften, denen die «FR» immer nahe stand, vor Dilemmata stellt.
Die Gewerkschaften müssen den einst am besten durchorganisierten Zeitungsverlag Deutschlands loslassen, wenn sie ihn langfristig retten wollen.
Steht in der
'taz'
. Auf
'Bild.de'
steht dagegen ein Kommentar von «Bild»-Chefredaktionsmitglied Dr. Nicolaus Fest, den man sich so nie in der «Bild» vorstellen wollte. Sind so lange Sätze:
Wer bisher dachte, dass vor allem das elende und jahrzehntelange Versagen der Bildungspolitik, aber auch die bewusste Selbstghettoisierung vieler Muslime die wichtigsten Ursachen für die gescheiterte Integration junger Ausländer sein könnten, wird hier eines Schlechteren belehrt.
Krassomat. Worum es geht, wenn «Bild» plötzlich Sätze mit drei Kommata schreibt, die nicht aus Aufzählungen resultieren? Die
'FR'
kennt die Antwort.
«Medien in Deutschland: Integrationshemmnis oder Chance?» Unter dieser Frage veranstaltet das Bundesinnenministerium (BMI) im Rahmen der Deutschen Islamkonferenz heute eine Tagung. Seine Teilnahme am Panel zu «Sensationslust und Meinungsmache? Die Rolle und Verantwortung der Medien im Integrationsprozess» hatte auch Nicolaus Fest zugesagt. Nun kommt Fest, Mitglied der Bild-Chefredaktion, doch nicht.
Neu an der Absage ist nun nicht, dass ausgerechnet «Bild» anderen das unterstellt, worauf ihr Geschäftsmodell sich gründet: tendenziös zu sein. Im Dooftun war das Boulevard-Blatt seit je unübertroffen.
Aber dass es so eines wortreichen Gelabers bedarf, unter uns Freudianern: einer solchen Verdrängungsleistung, um die eigene Feigheit dürftig zu bemänteln, muss schon überraschen. Ein «Bild»-Chefredaktionsmitglied, das nicht den, Verzeihung, Arsch in der Hose hat, sich öffentlich über seine Tätigkeit zu äußern. Hat man so was schon gesehen.
Normalerweise wäre eine «Post von Wagner» fällig. Aber vermutlich bastelt der schon an einem anderen Text:
Liebes Gender Mainstreaming, ich liebe dich so sehr.
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Apropos Gender: Die
'taz'
berichtet von einer Veranstaltung in der Berliner Humboldt-Universität, bei der sich die Gender Studies fragen, was sie mit den «Alphamädchen» zu tun haben. +++ Apropos Islam: Die
'taz'
gibt einen Überblick über islamophobe Meinungsseiten im Internet. +++ Die EM ist im Viertelfinale angekommen, und Benjamin Henrichs fragt sich in der «SZ» (Seite 15), ob er nicht doch einmal zum Public Viewing gehen sollte. +++ Der
'Tagesspiegel'
hat ein 10-Punkte-Programm mit Empfehlungen für die verbleibende Zeit erarbeitet: 2. Reinhold Beckmann schmalzt ohne Erbarmen Komplimente für Monica Lierhaus, die ebenso zurückcharmiert. Muss gebremst werden, ehe der Reinhold zum Unhold wird und die Monica zur Domina. +++ Die
'FR'
hat dagegen einen Katalog von sieben Dilemmata zusammengestellt, in denen ARD-Witzbold Oliver Pocher steckt: Das Konfrontationsdilemma. Als Mark Medlock ihm bei einer Preis-Verleihung auf Viva zubrüllt, er sei nicht sein Geschmack, «aber hör in Zukunft auf mit deinen Scheißschwulenwitzen», tut Oli, als hätte er das akustisch nicht verstanden, um sodann eine homophobe Zote zu reißen. Angezählt von einem Kurzzeitprominenten. +++ Nach der «SZ» lobt nun auch
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'KStA'
gefällt wenn nicht die Frisur, so doch die Ironie von Jürgen Klopp. +++
'Zeit'
und
'Freitag'
kommentieren den «Arbeitsentwurf» zum 12. Rundfunkstaatsänderungsvertrag. +++ Außerdem beklagt der
'Freitag'
das mangelnde Geschichtsbewusstsein des deutschen Fernsehens. +++ Mit dem Gestern kein Problem hat ein aufgeräumter Stefan Aust im
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: Ich habe 20 wunderbare Jahre beim „Spiegel“ und bei Spiegel TV gehabt. Ob das nun zwei oder drei Jahre früher zu Ende war oder nicht, macht keinen großen Unterschied. Man wollte eine Verjüngung an der Spitze, das war und ist in Ordnung. +++ Eine Abrechnung in Buchform präsentiert dagegen der ehemalige «Paris Match»-Chefredakteur Alain Genestar – und zwar mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der für seine Entlassung verantwortlich sein soll (
'SZ'
). +++ Der Mord an Anna Politkowskaja ist wieder mal restlos aufgeklärt, wundern sich
'Berliner'
und
'taz'
. +++ Der BR muss sparen und in Weißrussland wird die Pressefreiheit weiter eingeschränkt, ist der «SZ» (Seite 15) zu entnehmen. +++ Die «FAZ» (Seite 44) schreibt über eine Ausstellung bosnischer Karikaturen. +++ Das traurige Los des künftigen Guillaume-de-Posch-Nachfolgers skizziert die
'FTD'
, wo die Suche nach Klicks neuerdings so weit führt, dass für jeden Absatz des Beitrags eine neue Seite aufgerufen werden muss. +++Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.
Für das Web ediert von Matthias Dell |