Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Medien  »  Altpapier
DruckenVersenden
 

Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Mittwoch

21. Mai 2008 10:07, ergänzt 11:10
Bundesliga im TV ansehen: bald ein zeitaufwändiges Hobby?
Bild vergrößern
Prost Mahlzeit, Bundesliga: Die Fernsehdetails für die übernächste Saison sind da. Außerdem: lebhafte Gespräche über die Öffentlich-Rechtlichen online.

Nach der Bundesligasaison ist immer vor der Bundesligasaison. Die nächste wird im Spätsommer fernsehmäßig wie gewohnt beginnen, aber die übernächste... Damit haben sich nach einer gestrigen Informationsveranstaltung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) von «exakt 124 Minuten» Länge im Sheraton-Hotel zu Frankfurt heute die Medienseiten zu befassen.

NZ-Medianews zum Anhören:
Der Aufgabe, sowohl die leicht veränderte Aufteilung eines Spieltages auf drei Kalendertage als auch die beiden von der DFL ersonnenen Szenarien für die Aufteilung eines Spieltages auf möglichst kaufkräftige Fernsehsender zu skizzieren, stellen sich Frank Hellmann ('Tagesspiegel', 'taz'), Ralf Mielke ('Berliner') sowie für die 'FTD' drei Reporter aus drei Städten.

Wie die DFL und ihr Vermarktungspartner Leo Kirch «dabei vorgehen, darf durchaus clever genannt werden», meint die «Berliner», «unterbreiten sie doch den Kontrahenten aus Free- und Pay-TV, in erster Linie wohl ARD und Premiere, jeweils ein verlockendes Angebot. Das könnte die Preise in die Höhe treiben».

Womöglich spekulieren die Auktionatoren aber bereits darauf, dass das fürs Pay-TV konzipierte Sendeschema «ganz offensichtlich die besten Erlösmöglichkeiten bietet». Darin «ist der Sonntag der Haupttag fürs Free-TV: Dort wird es alle 14 Tage ein Livespiel um 17 oder 20.30 Uhr geben, eine Art Mini-'Sportschau' um 18.45 Uhr. Ist das bereits der Kompromiss, nach dem die DFL in einem Ringen 'um eine gesellschaftspolitisch akzeptable Lösung' fahndet?» («taz», «Tsp.»).

Wenn der Pay-TV-Sektor den Zuschlag kriegt, muss das noch nicht unbedingt einen Erfolg des derzeit größten deutschen Pay-TV-Senders Premiere bedeuten. «Mehr als 200 Interessenten haben sich nach DFL-Angaben für die Ausschreibung registriert», weiß die «FTD» und zählt die Kabelnetzbetreiber «Unitymedia» und «Tele Columbus» zu den verschärften Interessenten für Bezahl-Berichterstattung.

Wer auch immer ab Sommer 2009 was auch immer zeigen wird: Eine weitere, wahrscheinlich wesentliche Neuerung in der Bundesliga-Berichtserstattung wirft ebenfalls ihre Schatten voraus. Für die Sender des Bezahlfernsehens werden dann die Bundesliga und ihr Vermarktungspartner Sirius die Berichte über die Bundesliga herstellen, quasi wird also die Bundesliga über sich selbst berichten. «Weiterhin ist fest geplant, dass die Sirius Sport Media GmbH», eine Firma aus Leo Kirchs neuem Imperium, «für das Pay-TV fertige Bundesliga-Sendungen produziert» («taz», «Tsp.»).

Ähnlich berichtet bereits heute auch «dfl.de» in der eigenen Sache. Da handelt es sich um den Internetauftritt der DFL, der aber laut Impressum von der «Sport1 GmbH» aus Ismaning, einer weiteren Kirch zuzurechnenden Firma, hergestellt wird.

«Ausgiebige Free-TV-Berichte vorgesehen», so die Überschrift. «Der Fan bleibt für uns auch künftig von großer Bedeutung. Ein ausgewogener Mix von Free-TV und Pay-TV ist das richtige Konzept für den deutschen Markt. Die Bundesliga wird auch künftig keine reine Pay-TV-Veranstaltung werden», so wird der auf einem clever gestalteten PR-Foto abgebildete DFL-Chef Christian Seifert zitiert.

«Wir freuen uns, als Partner der DFL die Liga mit einem innovativen Konzept vermarkten zu können. ... Mit einem innovativen Modell, das für die Pay-TV Verwertung auf der Berichterstattung eines täglichen, 24-stündigen Bundesliga Senders aufbaut, senkt Sirius die Eintrittshürden ...», lauten wiederum interessante Aussagen des Sirius-Managers Dejan Jocic (Medienbeobachtern aus
vielen vorherigen Positionen bekannt).

Der Anschein eines journalistischen Berichts funktioniert, jeder beteiligte Manager kommt ausführlich mit dynamischen Sprechblasen zu Wort, über sich eventuell abzeichnende Widersprüche können sich interessierte Leser von allein Urteile bilden: Wenn solche Berichterstattung Maßstab für die «gewohnte Qualität» sein soll, die Jocic den unabhängigen Berichten zufolge versprochen hat, dann Prost Mahlzeit, Bundesliga.




Altpapierkorb

Frankfurter Debattenkultur: «Das aber haben wir: die 'Tagesschau' als Sendung und als Textversion, die über hundert Seiten umfasst. Das ist elektronische Presse, die Zeitschriften und Zeitungen verdrängt. Das ist nicht mehr Fernsehen, auch nicht Fernsehen oder Rundfunk im Internet, sondern die umgekehrte Herangehensweise: textbasierte Angebote, die nicht nur Nachrichten umfassen, sondern unendliche Datenbänke und jede erdenkliche Art von Service, wie er wiederum das Wesen der Presse ausmacht. Die Printmedien waren die traditionellen Speichermedien, auch mit ihren Archiven, und müssen das vermarkten... ...»: ein Auszug aus einer (in der gedruckten Presse) 51 Zeilen umfassenden Antwort Hubert Burdas auf eine Michael Hanfeld-Frage. Auf der Medienseite der «Frankfurter Allgemeinen» haben sich zwei gefunden, die sich prima über die öffentlich-rechtliche Online-Expansion unterhalten können. +++ «Wofür kritisieren Sie denn nun die ARD? Kritisieren Sie uns jetzt dafür, dass es aus Ihrer Sicht so lange gedauert hat, oder dafür, dass wir jetzt an den Start gegangen sind? Das ist aus meiner Sicht eine widersprüchliche Argumentation». - «Das ist ein Dilemma.» - «Auch auf Ihrer Seite, in Ihrer Argumentation...» Ein lebhaftes Gespräch über ungefähr das gleiche Thema, die neue ARD-Mediathek, führte Daniel Bouhs ('Frankfurter Rundschau') mit der streitbaren ARD-Onlinekoordinatorin Heidi Schmidt. Bloß die Frage nach dem Drei-Stufen/ Public-Value-Test, von dem Schmidt sagt, es hätte ihn gegeben, während Hanfeld und Burda davon ausgehen, dass es ihn noch nicht gab und er sowieso anders laufen müsste als geplant, muss ein andermal ausdiskutiert werden. +++ Bonusmaterial dazu: Den Aufruf des Bundesverbandes der Deutschen Industrie für den «Primat der Privaten», nicht zu velwechsern mit Primaten der Privaten, erläutert der 'Kölner Stadtanzeiger'. +++ Der freier SWR-Journalist Ashwin Raman äußerte Kritik an denen in der ARD, die «im warmen Glaskasten ... entscheiden, was die deutschen Zuschauer vom Ausland zu sehen kriegen». Ein anderer Experte warf während derselben Diskussion, der die 'taz' beiwohnte, der ARD «strukturelle Hochstapelei» vor. +++ Mehr Spot auf die ARD-Anstalt SWR, die mit Intendant Peter Boudgoust den nächsten ARD-Vorsitzenden stellen wird: Sportchef Michael Antwerpes ist als Moderator «einer Mode-Show der besonderen Art» angeheuert worden. Rainer Braun sieht das im Zusammenhang eines «zähen, unerklärten Kleinkriegs um die künftige Sportberichterstarrung» in der ARD. +++ Vorerst haben sich die Entscheider des SWR mit Kritik der Rundfunkrätin Therese Wieland an Lady Bitch Ray bei «Schmidt & Pocher» zu beschäftigen ('Stuttgarter Nachrichten' via 'Tsp.'). +++ «Haben Sie jemals Bilder von den zivilen Opfern der amerikanischen Raketen gesehen? Man zeigt im Fernsehen nicht einmal die Särge, in denen amerikanische Soldaten aus dem Irak heimkommen. Die Medien waren damals durchlässiger, löchriger als heute. Ohne sie wäre wohl dieser weltweite Proteststurm so nicht entstanden, die Massenmedien waren Mitwirkende, auch die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland» (der gern interviewte Autor Peter Schneider im 'Tsp.'-Interview über 1968 u.a.). +++ «Die Zeit der Gemütlichkeit ist auch in Frankreich vorbei», zumindest für den Fernsehsender TF1 ('Handelsblatt'). +++ Im Zuge der fortgesetzten Vorfreude auf den 700. «Tatort» am Sonntag erzählt die «FAZ» «die Geschichte der Kommissarinnen im 'Tatort'». Und rückte Jürgen Kaubes «Was waren das für Schulhofdiskussion damals über einige Aspekte von Fräulein Kinski!»-Beitrag ins freie Internet. +++ Derweil ist Else Buschheuer in der «SZ» ganz begeistert von den neuen MDR-Kommissaren: Keppler, gespielt von Martin Wuttke, «ist der Intellektuelle, ein Schuss Dr. House, ein Schuss Columbo, ein Schuss Liebling Kreuzberg, er ist der, der mit Charisma punktet ('Schwarz gewinnt', wirft er im Vorbeigehen seinem neuen Wirt zu, der am Tresen Schach spielt, und hat natürlich recht). In Keppler leben Sodanns Ecken und Kanten weiter - und sie erreichen ein neues, über die Provinz hinausweisendes Niveau» ... +++ Und in der Gruner+Jahr-«Vanity Fair» 'Park Avenue' steht ein Artikel über Veronica Ferres, auf den die «SZ» solchermaßen gespannt macht: Martin J. Krug, Ferres' Ehemann, «ist schon an diesem Dienstag erschüttert - bevor das Heft aus dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr erschienen ist. Krug ist fassungslos. Oh ja: Er ist böse. Krug würde das sofort bestreiten. Er würde vermutlich antworten: Erschüttert und fassungslos sei aus dem Zusammenhang genommen und dadurch teilweise nicht nachzuvollziehen oder missverständlich. Des Weiteren stimme beides teilweise inhaltlich nicht. Bei konkreten Fragen stehe allerdings ein Berliner Anwalt zur Verfügung. ...»

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.