Unsere Medienkolumne: Altpapier vom Dienstag20. Mai 2008 09:56, ergänzt 10:28  |  Sucht schnell Investoren, die keine Fragen stellen, um weiterhin teure "Lebenshilfe" geben zu können: Thomas Hornauer | Foto: Screenshot NZ |
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Männer sind auch Menschen: weinen, scheitern, essen rohe Eier, reißen Zebras und finden Feminismus cool.
Irgendetwas stimmt hier doch nicht.
Gerade bezeichnet der
'Tagesspiegel'
die «Sportschau»-Moderatorin Monica Lierhaus noch als «rotblonde Domina» (was Frauen übrigens häufiger erfahren müssen, wenn sie in Männerdomänen vordringen – siehe Gabriele Pauli). Und einen Satz später lobt er sie:
Bei Lierhaus wirkt der coole Feminismus, wie ihn eine Charlotte Roche neu belebt hat.
Da könnte man jetzt länger drüber nachdenken, warum ein neu belebter Feminismus unbedingt cool sein muss. Aber wir widmen uns lieber den Männern. Und zwar denen, die weinen.
Damit ist
nicht
Ottmar Hitzfeld und auch nicht Markus Merk gemeint, sondern der
Fernseh-Unternehmer
Thomas Hornauer.
Zuletzt räumte Hornauer ein, dass die Ausstrahlung des Senders über Astra auf der Kippe stehe. Er habe sich übernommen, meinte er kleinlaut und flehte: «Ich bräuchte nun ganz-ganz-ganz-ganz-ganz schnell ein paar Millionen Euro». Von einem Sponsor, der ansonsten «keine Fragen stellt».
Schreibt die
'Berliner'
. Hornauer hatte 2003 in Baden-Württemberg den insolventen Regionalsender B-TV übernommen und mit «Kanal Telemedial» teure Lebenshilfe angeboten in seinem «esoterischen Musikantenstadl».
Später ging er nach Österreich.
Und die Aufsichtsbehörde Komm Austria bewilligte Mitte 2006 sein Programm. Inzwischen ist man dort sensibilisiert. Am vergangenen Freitag teilte die Behörde mit, dass sie wegen «mehr als hundert Anfragen» fortlaufend überprüfe, «ob seitens Kanal Telemedial Verletzungen von Bestimmungen des Privatfernsehgesetzes vorliegen.»
Lebenshilfe? Für Horst Schimanski, den
beliebtesten
unter allen «Tatort»-Kommissaren, bedeutete das bekanntlich, zwei Eier auch roh essen zu können, wenn gerade keine saubere Pfanne zur Hand ist.
In der «FAZ» schreibt heute Jürgen Kaube im Vorfeld der 700.-Folge-Feierlichkeiten des «Tatort» zu den Veränderungen der Ermittler-Figur.
Manfred Krugs Kommissar Stöver war vielleicht der letzte vollsublimierte Ermittler, wozu aber auch er schon des Singens bedurfte.
Leider steht der Artikel nicht online (Seite 42 der gedruckten «FAZ»). Dafür ist Michael Hanfelds kleine Geschichte der Krimireihe im
Internet
zu lesen.
Schimanski gibt es zwar immer noch. Aber er macht sich rar. Wer Männer sehen will, die das machen, was Männer außer Weinen auch noch können, muss nach Amerika schauen. Dort gibt es, auch als Folge des Drehbuchstreiks, neue Reality-Formate, in denen der Mann ganz bei sich sein kann.
In «Man vs. Wild» labt sich der Überlebenskünstler Bear Grylls an den Resten eines von Löwen erlegten Zebras.
Schreibt die
'FAZ'
. Was würde Alfred Biolek dazu sagen – frisch gerissenes Zebra?
Mmmmh?
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Altpapierkorb
Verstehe das, wer will. Ein Mann, den die Frauen verstehen ist laut Selbstauskunft ARD-Fußballexperte und Rechtevermarkter Günter Netzer. Der
'Tagesspiegel'
hat mit ihm vor Beginn der EM gesprochen und nicht nachgefragt, als Netzer ihm das passierte: «Gerhard Delling hofft bei der EM auf ein Endspiel Deutschland gegen Italien ...» - (lacht) Da hat er sich wieder nicht vorinformiert. Denn die werden wahrscheinlich schon im Viertelfinale aufeinandertreffen. Können sie
nicht
. +++ Was «Webisodes» können, erzählt Helmut Merschmann heute in der
'Berliner'
, was er letzte Woche schon im
'Freitag'
getan hatte. +++
'FR'
und
'taz'
besprechen den Paul Meyers Dokumentarfilm «Konspirantinnen» (23 Uhr, Arte) über den nationalpolnischen Widerstand gegen die Nazis, der vor allem von Frauen organisiert wurde. In letzteres sieht Klaus Theweleit damit ein bislang kaum bekanntes Kapitel der Geschichte aufgeschlagen. +++ Der
'KStA'
hat einer Veranstaltung zur den wechselseitigen medialen Wahrnehmungen von Deutschen und Türken beigewohnt. +++ Bei Indymedia gibt es Abspaltungsvorhaben namens «Linksunten» (
'taz'
). +++ Die
'FR'
berichtet über den Abmahnwahn gegen Blogger. +++ Die «SZ» (Seite 17) beschäftigt sich mit Zeitungen, die Stoff für «Lohas» bieten. +++ Arno Frank verwechselt in der
'taz'
die Realität mit medialem Spam. +++ Und der BDI hat was gegen die Internetpläne von ARD und ZDF (
'Welt'
). Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.
Für das Web ediert von Matthias Dell |