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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Mittwoch

14. Mai 2008 10:09, ergänzt 11:02
Franck Ribéry wäre heute abend ganz gern auf Sat.1 zu sehen gewesen
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Schlechte Bildqualität, der Fernseh-«Presseclub» zum Nachhhören, Radio-Kinokritiken aus dem Vorjahr: die ARD-Mediathek steht weiter in der Kritik. Außerdem: die Medienpolitik eines bekannten Uefa-Cup-Halbfinalisten.

Die Startseite der noch recht funkelnagelneuen ARD-Mediathek zierten am frühen Mittwochmorgen Götz George & Reinhold Beckmann (Video) neben Simone de Beauvoir & Jean-Paul Sartre (Audio) - so eine Mischung aus Boulevard und Kultur dürfte den Entscheidern der ARD gefallen. Der Hinweis «Testversion» ist, wie der 'Rundschau' auffiel, bereits verschwunden.

Heute befassen sich die großen überregionalen Zeitungen mit dem neuen Angebot. Sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie die anderen gestern. Die «SZ» ( S. 19) sagt es so: «Die ARD Mediathek war eine schwere Geburt. Und wie es aussieht, wird das in der Eigenwerbung so genannte 'Wunschprogramm zum Mitnehmen' auch keine leichte Kindheit haben».

Dafür liefert Autor Simon Feldmer einige Argumente:
«Eine große Zahl der Sendungen ist bloß in Schnipseln verfügbar, die Politmagazine sind es oft nur in Auszügen, vieles gar nicht». «Wer Dienstag den 'Presseclub' besuchte, bekam statt der gewohnten TV-Runde nur einen Audio-Podcast geliefert». «Der 'neuste' Beitrag aus Frank Plasbergs Talkshow 'Hart aber fair' stammte vom 30. April» - was freilich damit zusammenhängen mag, dass die zumindest bis heute abend noch neueste Plasbergsendung auch am 30.4. lief.

Und während das ZDF seit Herbst 2007 einen «fernsehbildvergleichbaren Vollbildmodus auf der Webseite anzubieten» vermag, ist «auf der ARD Mediathek der Vollbildmodus, sofern es ihn gibt, in schlechterer Qualität verfügbar. Das Erste, so ist aus der Programmdirektion zu erfahren, habe sich aus Kostengründen zunächst für eine andere, offenbar etwas schlechtere Technik entschieden».

Die ARD-Mediathek «ist mit etlichen tausend Beiträgen bestückt, bietet dabei aber inhaltlich tatsächlich gar nichts Neues», klagt die «FAZ» (S. 38) mit etwas falschem Zungenschlag. Hätte die ARD auch noch neue Sendungen in ihrem Online-Angebot, hätte sie von Michael Hanfeld erst recht etwas zu hören bekommen.
Sie bekommt aber auch so einiges zu hören, das Übliche:

«Wenn man die Mediathek der ARD ansteuert, findet man allerdings auch ganz schnell allerlei Inhalte, auf deren Vorhandensein die Intendanten für gewöhnlich nicht abheben. Man muss nur ins oberste Regal der Titelseite greifen und landet schon, unter dem Stichwort 'Boulevard', bei netten Bilderstrecken, gestern etwa zu einer Geistesgröße namens Sienna Miller, die sich über die Nachstellungen von Paparazzi beschwerte - das allerdings, inklusive der Textnachricht, ist kein integraler Bestandteil der Mediathek, sondern gehört zum bisher schon bestehenden Internetangebot von ard.de ....»

Wer innerhalb der Mediathek nach Sienna sucht, bekommt ein Ergebnis: eine Radio-Kinokritik, die im November 2007 aktuell gewesen ist. Was ein grundsätzliches Problem illustriert: Die Mediathek ist mit sinnlosen Dingen derart vollgestopft, dass es wenig hilft, wenn der federführende Intendant Peter Boudgoust äußert, es wäre «wenig sinnvoll, wenn ... das Wissenschaftsfeature zur Hirnforschung und die Erklärstücke zum Tibetkonflikt nach sieben Tagen aus dem Angebot gelöscht würden».

Bei aller medienpolitischen Aufregung verblüffend versöhnlich fällt die Lagebeschreibung in der 'FTD' aus. Jennifer Lachman bedauert die Mediathekare, die wegen technische Verzögerungen so lange und selbst beim Pfingst-Sonnenschein noch schuften mussten, und berichtet, dass auf der Gegenseite die Verlage parallel zu ihrer Kritik «durch teure Investitionen ihre Onlineauftritte aufrüsten». «Focus Online» investiere einen «siebenstelligen Betrag» in eigene Bewegtbildangebote wie den 'News Navigator' «als erstes von 20 neuen Online-TV-Formaten».

«Der Ausbau unseres Videoangebots ist seit Langem geplant und sollte ursprünglich bereits Anfang des Jahres starten - leider gab es einige technische Verzögerungen», zitiert sie «Focus Online»-Chefredakteur Jochen Wegner, und folgert: «Bei manchen Problemen stehen sich die Verlage und Öffentlich-Rechtlichen also offenbar schon jetzt näher als gedacht».

Unser Web-TV-Tipp des Tages ist allerdings der vor allem sprachkünstlerisch faszinierende Sat.1-Trailer für das Fußballspiel zwischen den Elfmeterkönigen aus Glasgow und dem Bayern-Schreck Zenit St. Petersburg, das Sat.1 heute abend übertragen muss. Denn....(weiter im Altpapierkorb)




Altpapierkorb

Denn der deutsche Rekordmeister Bayern München hat bekanntlich im Halbfinale sehr hoch, noch höher als Bayer Leverkusen, gegen St. Petersburg verloren. Und weil zu Fernseh-Fußballrechten auch Pflichten gehören, muss Sat.1 das Finale dennoch übertragen. Ein Bayern-Spieler, der sich über das Ausscheiden im Uefa-Cup ärgerte, ist Franck Ribéry. Allerdings hatte er sich eigentlich mehr geärgert als im großen «SZ»-Interview am Samstag drinstand. Wie das dank der «White-House-Medienpolitik» des FC Bayern dazu kam, schildert die 'taz'. +++ Die neue Situation der Fernsehrechte am DFB-Pokal ist frei online nur per Agenturen zu haben: sid, ddp, dpa. +++ Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski ist ein «bulliger Manager», aber kein großer Redner, schon wegen seines «abgehackten Sprachduktus». «Bei einem Pils aus dem Sauerland in kleiner Runde» allerdings kann er durchaus überzeugen: Da berichtet Hans-Peter Siebenhaar ('Handelsblatt') aus der Medienmetropolregion Ostwestfalen, u.a. von Schritten des Ostrowski-Vorgängers Gunter Thielen, die bei Bertelsmann inzwischen als «falsche Entscheidungen» gälten. +++ So wie die ARD die medienpolitischen Debatten behherscht, so beherrscht sie auch die Fernsehkritiken-Szene dieses Mittwochs: «Copacabana» mit Bruno Ganz, 20.15 Uhr ('Berliner', 'Tsp.', 'taz'). Tilmann P. Gangloffs Intverview dazu («Herr Ganz, Sie gelten als bester deutschsprachiger Schauspieler...») ist u.a. in der 'FR' zu haben. +++ 23.30 Uhr: «1948 - Jüdischer Traum, arabisches Trauma» ('Tagesspiegel'). +++ Auf CBS in den USA war Britney Spears in «How I Met Your Mother» als «blondes Dummchen» zu sehen. Nina Rehfeld berichtet für die 'FAZ', die das Thema auch als Bilderschau zum Durchklicken aufbereitet. +++ Die finstere Lage bei «Le Monde»: heute in der 'Berliner'. +++ Thomas Hornauers «schaurige Faszination eines Verkehrsunfalls» heute in der 'taz'. +++ Gute Nachrichten für Offene Kanäle und andere Bürgermedien: Sie sollen von der EU gefördert werden. «Eine direkte finanzielle Unterstützung aus neuen Mitteln ist allerdings nicht geplant. Durch die rechtliche Anerkennung als eigenständige Medienform seitens der EU sollen schon bestehende Fördertöpfe besser genutzt werden können, hoffen die Parlamentarier» («SZ», S. 19)

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.

 
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