09.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Was oben gilt, gilt auch ganz unten: Fußballrechte und Hartplatzhelden
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Die Wahrheit ist auf dem Platz: Hartplatzhelden, Erfolgsdruck, Set-Top-Boxen, Eliteschulen und antifaschistische Skalpjäger.
Wenn auf den Medienseiten von Rechten an Fußballbildern die Rede ist, fallen Wörter wie Bayern München,
KF 15, Murdoch, Premiere oder Arena.
Nicht aber geht es darum, «wie Sammy Matroudzadeh die C2 von TuS Makkabi Frankfurt in die Kreisliga schoss? Oder das Kopfballtor nach Rückfallziehervorlage von Marcel Bernier (Lüneburger SK), gar den schönen Freistoß von Mario Heimberger (VfL Pfullingen) im Pokalfinale des Bezirks Alb?»
Letzteres, beschrieben auf
FAZ.net, ist auf der von dem Journalisten
Oliver Fritsch betriebenen Seite
Hartplatzhelden.de zu sehen, einem Portal, auf dem
Amateurfußballer die Filme ihrer Spiele hochladen können innerhalb der Fußballbilderrechteberichterstattung bislang eher unter Vermischtes firmierend.
Nun aber ist das Urteil im Streit mit dem Württembergischen Fußball-Verband gesprochen, und zwar
zugunsten des Württembergischen Fußball-Verbands. Und mit der
'taz' ließe sich sagen:
Auf den ersten Blick ist das Urteil ein kleiner Fisch: Eine Sportwebsite, die sich vor allem dem Amateurfußball verschrieben hat, darf keine Videoclips mit Ausschnitten von Fußballspielen mehr zeigen. Es steckt mehr dahinter, es geht um
Grundsätzliches, und das nicht nur bei Bilderrechten, sondern auch bei medialen Wahrnehmungen.
Die unverfänglichste Variante, über das Urteil zu schreiben, ist der
nüchterne Prozessbericht, wie ihn der
'Tagesspiegel' präsentiert:
Aus welchem Grund das Stuttgarter Landgericht der Klage des Württembergischen Fußballverbandes stattgegeben hat, wird frühestens in den nächsten Wochen zu beantworten sein. Die Begründung des Urteils liegt noch nicht vor, gestern wurde nur die Entscheidung zur Unterlassungsklage verkündet, die der DFB-Landesverband im Oktober 2007 angestrengt hatte. Die emotional nächstliegende Form über den Streit zu schreiben, ist dagegen die
Empörung, der das David-Goliath-Muster zugrunde liegt. Auf
FAZ.net klingt das so:
Verbandsrechte an C-Jugend-Szenen wie übergeschnappt ist man in den Unterabteilungen des Deutschen Fußball-Bundes denn, um darauf zu kommen? Darauf könnte man mit der «taz» antworten: weil die Kommerzialisierung des Fußballs in Deutschland
total ist. Oder anders gesagt:
Wenn «ganz oben» die Bilder vom rollenden Leder nur gegen Bares zu haben sind, gilt das natürlich auch für ganz weit unten.Was nicht ohne Ironie ist, dass man hier mit der «taz» antworten kann, weil die auf die
Gesetzeslage verweist:
Immerhin war, was Fritsch und Fans taten, nicht rechtens. Heißt es im
Text von
John Hennig zum Urteil.
Steffen Grimberg sucht in dem oben schon
verlinkten Kommentar nach
Auswegen:
Amateurwettkämpfe könnten ganz aus der Bezahlmanie herausgenommen werden ohne allerdings die Profis aus der Pflicht zu entlassen, wenigstens einen Rest ihrer Millioneneinnahmen aus der TV-Verwertung nach unten durchzureichen.
Für Fälle wie die Hartplatzhelden könnte eine Anleihe bei der Kurzberichterstattungsregel helfen, die für Sportereignisse und Konzerte gilt: Eineinhalb-Minuten-Filmchen sind dort erlaubt. Nicht ohne Ironie ist freilich ebenfalls, wie die «FAZ» für die Hartplatzhelden
streitet:
Aberwitzig zu behaupten, die nichtkommerzielle Internetplattform, die sich gerade so trägt, entwende dem Verband irgendwelche Leistungen. Die Filme stammen von Zuschauern, die auch brüskiert werden. Und gegen die Präsentation im Internet ist nichts zu sagen, die ist allein von der Neigung zum Amateurvergnügen getragen. Mit
süffisanten Kommentaren hält sich zu unserer Überraschung der
Perlentaucher zurück, der
gestern noch auf die AGB im frisch umbenannten
'Lesesaal' der «FAZ» hingewiesen hatte, die vom Tenor eher so Württembergischer Fußball-Verband sind als Hartplatzhelden.
Überhaupt hat sich die «FAZ» mit Fragen
geistigen Eigentums in letzter Zeit öfter beschäftigt. «Die Gedanken der Anderen» hieß ein Text von
Olaf Sundermeyer, in dem es um oder besser: gegen den Perlentaucher ging (der Sprung in den Ozean der Auseinandersetzung könnte etwa von
hier aus gewagt werden).
«Die Gedanken der Anderen» heißt nun ein
Text von
Thomas Thiel, in dem es um die anderswo abgeschriebenen Texte einer «Hürriyet»-Kolumnistin geht, die den Zug zum unverhohlenen Plagiat mit
«Erfolgsdruck» begründete.
Der Text bietet aber auch eine andere
Erklärung an:
Will man Gülsah Koçs Gedankendienbstahl nicht allein mit persönlichem Fehlverhalten begründen, so verweist er generell auf ein unterentwickeltes Bewusstsein für geistiges Eigentum im Netz. Der Copy-&-Paste-Mechanismus erleichtert die Übernahme fremder Formulierungen und verringert offensichtlich das Bewusstsein zwischen Kopie und Original. Dieses Netz aber auch. Da wird der Spott der Blogosphäre nicht lange auf sich warten lassen. Denn anders als Thiel insinuiert («Zugleich nährt die stetig anwachsende Masse gespeicherter und sofort verfügbarer Texte die Hoffnung, nicht entdeckt zu werden»), macht es Copy & Paste und die stetige anwachsende Masse gespeicherter und sofort verfügbarer Texte
viel leichter, Kopisten zu überführen.
Siehe etwa
hier. Früher hätte man, um die exklusive Arbeit der Auslandskorrespondenten auf Plagiate hin lesen zu wollen, jedes Mal zum
Bahnhofskiosk gehen müssen.
Das macht ja heute auch keiner mehr,
rausgehen an die frische Luft. Deshalb gibt es nun
Netz-gegen-Nazis.de und ein
Netz für Kinder,
'FR' und
'Berliner' stellen vor. +++
Caren Miosga von den «Tagesthemen», die heute abend die Verleihung des Henry-Nannen-Preises
moderiert, bekennt im «FAZ»-Interview dagegen:
Ich mag auch die Leute am Strand nicht, die sich in die Nähe des Hotspots setzen, nur weil sie dort mit W-Lan versorgt sind. Ich finde es schön, dass es Zeitungen gibt, die noch einen Anspruch auf Vollständigkeit haben. +++ In der
'taz' fehlt der Hinweis nicht, dass im
Kandidatenfeld für den Nannen-Preis ein investigativer «Stern»-Artikel gegen eine «Fleißarbeit» der «FAZ» ausgetauscht wurde. +++
Marcel Reich-Ranicki erhält den Nannen-Preis für sein
Lebenswerk, aus diesem Grund hat die
'Welt' mit dem 87-Jährigen gesprochen, der Thomas Mann hätte es nicht anders gehandhabt ins Internet gehen lässt:
Wenn ich etwas aus dem Internet benötige, lasse ich es von meiner Sekretärin heraussuchen. Die ganz alte Schule. +++ Was Medien so können: Die neuerliche
Zahlung des Grünenthal-Konzerns für die Contergan-Opfer verdankt sich der Aufmerksamkeit, die der ARD-Film zum Skandal um das fatale Medikament gemacht hatte (
'SZ'). +++ Die
'NZZ' mokiert sich derweil unter der Überschrift «Neuer Skalp antifaschistischer Jäger» über die Berichterstattung im Fall des
Peter Krause, der nicht Thüringer Kultusminister geworden ist, weil er Redakteur der
neurechten (bei der «NZZ» heißt sie «nationalkonservativ») Wochenzeitung «Junge Freiheit» war. Leider kommen wir gerade nicht darauf, welcher der letzte Skalp war, den die von der «NZZ» unterschwellig der Methode bezichtigten «antifaschistischen Jäger» erlegt haben. +++ Lesenswert der Beitrag über das Geheimnis der vielen Set-Top-Boxen (
'NZZ'). +++ Außerdem
ebenda: die Suche nach der Zukunft des Journalismus in der
Zentrale von Yahoo. +++ Beim
«Spiegel» kehrt keine Ruhe ein (
'taz'). +++ Bei Murdoch stimmen die Zahlen zumindest in der Summe (
'FTD',
'NZZ') +++
Fred Kogel geht als Vorstandschef der Constantin zum Jahresende, was auch mit dem Engagement von Highlight zu tun haben könnte, deren Chef
Bernhard Burgener die Nachfolge Kogels antreten soll (
'Tsp', «SZ», Seite 17). +++ Das
Stadtmagazin «Tip» als Teil des Berliner Verlags von
David Montgomerys Mecom muss sparen (
'Tsp'). +++ Auch
da:
Thomas Kausch vertritt
Angela Elis beim MDR-Politmagazin «Fakt». +++ Die
'Welt' diskutiert die Elitebildung, wie
Stefan Raab und
Dieter Bohlen sie betreiben vor historischer Kulisse. +++ Ist das noch eine Meldung:
Nichts Neues vom Handy-TV (
'Berliner'). +++ In New York wird derweil am weltweit gemeinsamen Fernsehen zum so genannten
Pangea Day gearbeitet (
'KStA'). +++
Der Altpapierkorb füllt sich Montag wieder gegen 10 Uhr.