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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Dienstag

06. Mai 2008 10:10, ergänzt 11:03
Sportreporter, aber auch Mensch: Waldi Hartmann (l. neben Harald Schmidt)
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Die Gags werden unterwegs rausgeschnitten: wie ARD und ZDF von Olympia berichten. Außerdem: Geld macht nicht glücklich.

Waldemar Hartmann: «... Mit der Instrumentalisierung der Olympischen Spiele werden wir in Peking wie bei allen anderen Spielen zuvor umzugehen haben».

Frage: «Nimmt das ein Sportreporter widerwillig zur Kenntnis?»

Hartmann: «Nein, denn ich bin ja nicht nur Sportreporter, sondern auch ein Mensch. Wenn sich allerdings ein tibetanischer Mönch öffentlich verbrennt, weiß ich nicht, wie die Sportler, das Team, die Weltöffentlichkeit oder im kleinen Kosmos Harald Schmidt und ich reagieren».

Muss einen das vorübergehend sprachlos machen? Bzw.: Wer überhaupt hätte auf hypothetische Selbstverbrennungen vorab eine Reaktion parat? Freuen Sie sich jedenfalls auf die Olympischen Spiele, demnächst im «Ersten», sowie im ZDF!
Die eingangs zitierte Sequenz entstammt einem Interview, das Jan Freitag mit dem Sportmoderator und Entertainer Waldemar Hartmann führte, so wie es die «FAZ»-Medienseite 40 abdruckt.

Frei online ist das Interview in der Bearbeitung des 'Kölner Stadtanzeigers' zu haben. Die Stelle, an der sich Hartmann als «Sportpatriot» («Ich bin auch bewegt») bekennt, ist in beiden Varianten enthalten. Freitags Frage «Sie moderieren wieder mit Harald Schmidt. Erstarrt man vor dessen Präsenz und Schlagfertigkeit?» mit ihrer feinen Ironie (schließlich ist vor Schmidts Präsenz und Schlagfertigkeit niemand so sehr erstarrt wie Harald Schmidt), gibt es nur von Köln aus zu lesen.

Hartmanns Antwort («Nein, wir waren von Anfang an auf Augenhöhe...») wird schön von dem ddp-Foto auf 'Welt Online' symbolisiert, das beim gestrigen ARD/ ZDF-Pressetermin zur Olympia-Berichterstattung entstand.

Die harten Fakten («Insgesamt rechnet man mit 20.000 Medienschaffenden aus aller Welt, denen 13.000 Athleten gegenüber stehen», ARD und ZDF entsenden allerdings nur rund 280 Journalisten) liefern 'Hamburger Abendblatt' und 'Tagesspiegel'.
Beginnen werden die Spiele am 8. August um 13.00 Uhr mit einem Höhepunkt in Sandra Maischbergers journalistischen Karriere, der von Maischberger gemeinsam mit HR-Sportchef Ralf Scholt kommentierten Eröffnungsfeier. «Dafür trainieren werde sie am 20. Mai in der ARD in einem Fernsehgespräch mit Helmut Schmidt, der ein ausgewiesener Chinakenner ist» («Tsp.»).

Nicht zu velwechsern mit Harald Schmidt, der aber ebenfalls Chinakenner ist (Das Positive an Staatssicherheit und Zensur? Schmidt: «Man kann immer sagen: Hier im Studio war die Stimmung der Hammer, die Gags müssen unterwegs rausgeschnitten worden sein»).

Die «SZ» (S. 19: «ARD und ZDF: 900 Stunden Olympia-Berichterstattung») nimmt sich des Themas trotz der Entertainer-Sottisen mit größerem Ernst an: «Vor allem um den sechsten Ring der Spiele wird es in Peking gehen: die freie Berichterstattung».

Weitere Fernsehsport-News: Die Bundesliga (DFL) plant ungeachtet aller aktuellen Ungewissheiten, ab 2009 ihre Fernsehrechte im Ausland selbst zu vermarkten ('Welt Online'). Die 'taz' erfuhr am Rande, als sie wegen Anne Wills Show ins weite ARD-Reich hineinhorchte, dass die Intendanten auch deswegen noch keinen Wieder-Vereinheitlichung der «Tagesthemen»-Anfangszeit und keine Verlegung von Frank Plasbergs Mittwochs-Show beschlossen haben, weil unter ihnen noch Hoffnung auf das Ergattern der Champions-League-Rechte besteht, «und sich dann sowieso kein einheitlicher 'Tagesthemen'-Start machen ließe».

«Wir sind an großen Sportereignissen interessiert. Aber die Bundesliga ist nicht unser primäres Ziel. Mit der Champions League und dem Uefa-Cup sind wir sehr zufrieden»,
sagt aber auch der frisch gebackene Deutschland-Chef von ProSiebenSat1, Andreas Bartl. Mit ihm hat die «SZ» (S. 19, inzwischen auch online) verknappt) ein zünftiges Manager-Interview geführt, in dem Bartl Dinge zum Besten gibt wie:

«Ich setze auf mutige, entschlossene Senderchefs» und «Wir sparen 2008 nicht beim Programm. Außerdem: Es gibt keine Mechanik zwischen hohem Programmbudget und Programmerfolg. Das wichtigste Element ist Kreativität, Fernsehen hat auch, aber nicht nur mit Geld zu tun.»

Das würde Tom Jacobi so formulieren:
«Glauben Sie mir, wenn man keinen Spaß an einer Aufgabe hat, hilft Geld auch nicht weiter. Das ist dann so, als wäre man unglücklich verheiratet. Und wer will schon unglücklich verheiratet sein?! Ich nicht»

Damit beantwortet er die Frage der 'taz', warum er als hoch gelobter Art-Director des «Stern» die wunderbare Welt der Medien denn nun verlässt.

«Dieses Angebot war wie eine offene Tür in eine andere Welt, und ich bin durchgegangen», sagt Jacobi. Aber auch, dass «sich die Aufgaben bei genauem Hinsehen nicht so sehr unterscheiden».
Er arbeitet künftig als Marketingvorstand einer Immobilienfirma .




Altpapierkorb

Zurück zu ProSiebenSat1. Die von Bartl so optimistisch skizzierte Einführung einer neuen Managementebene lässt sich natürlich anders betrachten. «Durchaus Ironie» erkennt der 'Tagesspiegel' in der Tatsache, dass es genau diese Managementebene im Konzern schon mal gegeben hat. «Krisenmanager» erkennt die 'FTD' in den neu Ernannten. Was sie planen, funktioniert doch sowieso nicht, bekräftigt Michael Hanfeld (»FAZ«, S. 40): «Mit großem Aplomb für mehrere Länder gleichzeitig produzierte Programme wie etwa die Löffelbiegernachwuchsshow mit Uri Geller haben dem Vernehmen nach mehr Kosten produziert als Gewinne bei den Zuschauern und der Werbung eingefahren». +++ Nach Marcus Brauchlis Rücktritt/ Rauswurf spiele beim «Wall Street Journal» der von Rupert Murdoch ernannte Herausgeber Robert Thompson «die Rolle des heimlichen Chefredakteurs», meint Thomas Schuler ausführlich in der 'Berliner Zeitung'. +++ «Geradezu ein Muss ist die Rubrik 'Woran man Nazis erkennt'»: Der 'Tagesspiegel' stellt das Portal Netz-gegen-Nazis.de vor, zu dessen Partnern auch er selbst zählt. +++ «Russland ist nicht China», steht in einem instruktiven 'Rundschau' -Artikel über ersteres. Das heißt, in den Worten des , Ex-«Iswestija»-Chefredakteurs Raf Schakirow: «Der Mord an Anna Politkowskaja, Schauprozesse gegen Journalisten und jetzt die Schliessung der Tageszeitung 'Moskowskij Korrespondent' wegen der angeblichen Putin-Scheidung reichen aus, damit sich Verleger und Journalisten im Sinn des Kreml selbst zensieren. Wo das nicht reicht, gibt es noch den FSB». Und demnächst wohl ein Internetgesetz zur «staatlichen Zulassung von Webseiten mit mehr als 1000 Besuchern täglich»... +++ Hierzulande in Arbeit: der zwölfte Rundfunkänderungsstaatsvertrag. Die «FAZ» lässt nicht locker in dieser Sache und hat am Ende ihres jüngsten Berichts (S. 40) auch etwas Neues: Die CDU-Europa-Abgeordnete Ruth Hieronymi habe die Staatskanzleien in Mainz und München aufgefordert, die EU-Richtlinie für «audiovisuelle Mediendienste» durchzulesen. Da stünde schon drin, «was die Sender ins Internet einstellen dürfen». +++ Für die 'SZ' hat Hans Hoff dann noch untersucht, ob «Vaterschaftsaufklärer und Familienzusammenführer Oliver Geissen mit seiner gleitcremigen Art der Menschenzurschaustellung» die neue Konkurrenz im Nachmittagsprogramm von RTL fürchten muss.


Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10.00 Uhr.

 
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