Aktion auf dem Berliner Zeitungsmarkt: Die taz schreibt per Hand – eine Nacht lang06. Mai 2008 12:25  |  Sorgt für Spaß selbst im SPD-Präsidium: die taz (mit 'Pudding-Prinzessin' Merkel)
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Ipods, Funkwecker oder Espressomaschinen hat die Berliner «Tageszeitung» nicht zu verschenken. Bei jedem Abonnenten wollen sich die Mitarbeiter deshalb mit einer Ansichtskarte bedanken. Das wird schmerzen.
Die taz kennt ihre Leser. Sie charakterisiert in Werbebriefen ihre Zielgruppe so zutreffend, dass man meint, die Abo-Abteilung habe höchstselbst im Internet nach personenbezogenen Informationen gewühlt. Taz-Leser seien die, die sich als Elternvertretern melden, weil kein anderer wolle, und die «beim Kindergartenfest den Cappuccino-Stand betreuen», heißt es da. Alle Achtung, denkt der Adressat und schickt im Überschwang des so erzeugten Familiengefühls den Abo-Auftrag unterschrieben zurück.
Den so gewonnenen Lesern zeigt die chronisch auflagenschwache taz nun, wie wichtig sie ihr sind: Redakteure, Layouter, Verwalter und die wenigen Manager wollen jedem, der die taz morgens aus dem Briefkasten zieht, persönlich mit einer Postkarte beglücken. Eine Idee der Chefredaktion? Auf jeden Fall keine schlechte. Ab Dienstagnachmittag setzen 200 taz-ler ihre Gesundheit aufs Spiel, indem sie sich bei den 47.000 Abonnenten mit einem handgeschriebenen Gruß bedanken. Eine glatte Strafarbeit, wie jeder weiß, der jemals im Urlaub war. Doch die taz weiß, was Leser wollen. Und Opfer zu bringen, ist man der Koch…, sorry, an der Rudi-Dutschke-Straße gewöhnt.
Die TazDie taz, gegründet 1979, hat heute keinen Verlag, sondern ist eine Genossenschaft mit knapp 8000 Mitgliedern. Sie vertreibt täglich rund 56.000 Exemplare, die meisten an ihre knapp 47.000 Abonnenten, die sie vor allem durch ihren unverwechselbaren Stil gewinnt. Die taz hat auch eine Webseite. - » Die taz
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Jede Karte ist mit den Konterfeis der Belegschaft ganz persönlich gehalten, die Mitarbeiter haben sich fotografieren lassen. Die Karten scheinen gut gelungen: In der Belegschaft sind sie mittlerweile auch als Tauschobjekte beliebt. Auf der Dachterrasse des taz-Hauses soll es starten: Das Massen-Spektakel, ein Write-ning bis in die Nacht. Den Schreibe-Takt gibt ein DJ vor. Freibier (hoffentlich nicht dieses Flensburger aus dem taz-Café??) soll die Laune heben. Gut, dass es in der taz-Redaktion auch noch Computer mit einfach zu bedienenden Tastaturen gibt. Anderenfalls müssten wir wohl um die Produktion der Donnerstagsausgabe fürchten. Denn nach rechnerisch 235 pro Person individuell und handgeschriebenen Postkarten sind die Finger verkrampft, die Muskeln lahm, die Sehnen entzündet.
 |  So stellte sich vor Wochen der neue Nachbar Bild-Zeitung den taz-Kollegen vor | Foto: Detlef Werth |
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Der Betriebsarzt der Netzeitung empfiehlt deshalb, eine Tube Voltaren-Gel (leicht zu bekommen um die Ecke in der Bären-Apotheke an der Friedrichstraße) bereitzuhalten, um ein verfrühtes Erlahmen der Glieder zu verhindern. Daneben sollte die betroffene Muskulatur regelmäßig gelockert und entlastet werden. (NZ-Bonus-Tipp: Nach jeder zweiten Karte die Finger locker aus dem Handgelenk ausschütteln). Gern kann auch das Freibier für ein kurzes Nippen zum Munde geführt werden, um so das Beugegelenk des Armes wieder mit Schmiere zu versorgen. (Aber nicht zu viel, sonst leidet die Textqualität und auf der Postkarte gibt es keine Rück-Taste!). Ach ja, auch die Netzeitung ist taz-Abonnent! Wir sind gespannt und freuen uns auf die Post. (nz/tst)
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