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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

02. Mai 2008 09:27, ergänzt 09:34
Was ist nur aus dem Qualitätsjournalismus alter Manier geworden? Thomas Leif als Stimmungsmacher
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Der Kulturkampf zwischen ARD/ZDF und den Zeitungen geht unvermindert heftig weiter. Außerdem: Die Mainzer Medientage und Quoten, Klicks und Kohle.

Wo das Fernsehen anfängt und aufhört ist in den Zeiten von Internetangeboten nicht mehr so leicht zu sagen.

Bekanntlich wird in der Mainzer Staatskanzlei unter Federführung des Medienpolitikers Martin Stadelmaier an einer Definition gearbeitet, die unter dem griffigen Titel «12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag» firmieren soll.

Bislang liegt nur ein Entwurf zu dem Vertragswerk vor, und Stadelmaier dürfte es in den vergangen Wochen mehr als einmal warm geworden sein in der Debatte. Vor allem von ARD und ZDF wurde sie zuletzt immer mal wieder angeheizt mit Kampfbegriffen wie «Zensur» (ZDF-Intendant Markus Schächter) oder gar «Morgenthau-Plan».

Schreibt Daland Segler in der 'FR' in seinem Resümee der 9. Mainzer Medientage. Darin geht es – neben Fragen wie der Vorhaltedauer der Mediatheken – auch um den so genannten Public Value Test, vor dem sich ARD und ZDF zu drücken scheinen.

So wird vorerst nicht nachgewiesen, wofür die Öffentlich-Rechtlichen die Gebühren bekommen. Die 'FR' weiß, wofür zumindest nicht. Dafür, «dass sie so schamlos Propaganda in eigener Sache machen wie am Mittwochabend SWR-Reporter Thomas Leif, der in seinem Film 'Quoten, Klicks und Kohle' Stimmungsmache für ARD und ZDF betrieb. Wer so Öl ins Feuer gießt, könnte sich am Ende die Finger verbrennen.»

Zu dem Film von Leif gibt es auch weitaus drastischere Stimmen. Wie sich das für einen gepflegten Stellungskrieg gehört, wird ordentlich zurückgeballert: etwa in 'FAZ' und 'Handelsblatt' .

Wobei man schon anmerken kann – und im Falle von «HB»-Blogger Thomas Knüwer wird das durch die kommentierende Leserschaft auch getan –, dass damit, so indiskutabel Leifs Beitrag gewesen sein mag, die Verlagshäuser sich keinen Gefallen tun.

«Fernsehkritik» am ehesten nennen könnte sich wohl der Text im 'KStA' , der relativ nüchtern die Machart rezensiert.

Schnelle Schnitte, eine hektische Kameraführung und gefühlte 120 O-Töne in 45 Minuten verliehen diesem Feature eine Atemlosigkeit, die an die Anfänge des Internet-Fernsehens erinnerte und vor allem Besinnungslosigkeit hinterließ.

«Fernsehen», sagt Orkun Ertener, «ist im Gegensatz zum Kino der Regisseure das Autorenmedium. Und wenn sich irgendwann auch in Deutschland herumspricht, dass unverwechselbare Handschriften wichtiger sind als industrieller Patchwork und vorauseilender Quotenfetischismus, dann entsteht vielleicht auch bei uns wieder so etwas wie eine ernstzunehmende Serienkultur.»

Das steht in der «SZ» (Seite 21), am Ende eines großen Beitrags zur zweiten Staffel der hochgelobten und heißgeliebten ZDF-Serie «KDD», die heute startet. Rezensentin Eva Marz zeigt sich allerdings enttäuscht.

Episoden sind nun auserklärt, vorher blieben sie fragmentarisch und moralische Beurteilungen offen.

Zum einen hat Autor Orkun Ertener nicht für alle Folgen zur Verfügung stehen können, zum anderen war es dem ZDF wohl doch etwas zu anders als das, was sonst so läuft (20.15 Uhr: «Der Alte»), und die Quoten zu niedrig, um Argument dagegen zu sein.

«Zuschauer, die sich langsameres Erzählen gewünscht haben, kenne ich nicht», sagt Kathrin Breininger. «Da wir für das ZDF ein verhältnismäßig teures Format sind, nicht aber eine im gleichen Maße überdurchschnittliche Quote erzielen konnten, sind meine Argumente leider nicht die durchschlagendsten gewesen.»

Produzentin Breininger wird vom 'Tagesspiegel' zitiert, der aber findet, dass die Qualität nicht erkennbar nachlasse.

Auch die 'taz' jubelt trotzdem: «Denn die Hauptstärke von »KDD« bleibt voll erhalten: Das ist die sich durch alle Folgen ziehende, quasi alttestamentarische Geschichte von der guten Polizei, die gegen das Böse in sich selbst kämpft.»

Die 'FR' wirkt in der Frage, ob auch beim «KDD» früher alles besser war, etwas unentschieden («Die Arbeit der Polizisten soll uns näher gebracht, das Bild vom öden Revieralltag konterkariert werden, aber man muss bezweifeln, ob diese dramatische Verdichtung in der Art eines Überfall-Kommandos noch angemessen ist.»)

In der 'Berliner' jedenfalls votiert Barnaby Metschurat, einer der Schauspieler in «KDD», schon mal dafür, nach der dritten Staffel Schluss zu machen.

«Irgendwann fängt es langsam an, absurd zu werden.»



Altpapierkorb

Hätte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender das «langsam» aus dem letzten Satz herausredigiert? Man weiß es nicht, erfährt im großen «FAZ»-Gespräch (Seite 38) aber etwas über das Redigat, wie Brender es pflegt, die veränderte Arbeitssituation der Auslandskorrespondenten, Fußballexperten und Olympiaboykotte. Aber nichts über den so genanten Kulturkampf. +++ In dem kommen gewisse Positionen ja gar nicht vor. Das Privatradio, das kein «Dudelfunk» ist, zum Beispiel. Ein Plädoyer aus dem 'KStA' . +++ Oder das Privatfernsehen. Der 'Freitag' erklärt die eigentümliche Dialektik, dass schlecht gemachtes Privatfernsehen in den Öffentlich-Rechtlichen («Bruce») immer damit erklärt wird, dass Privatfernsehen schlecht ist. +++ Noch ein Dauerbrenner: Die «Spiegel»-Unruhen, von der 'NZZ' zusammengefasst. +++ Ebenda : Rupert Murdoch will mit dem «Wall Street Journal» die «New York Times» attackieren, und oder um diese irgendwann zu kaufen. Und stillzulegen, behauptet zumindest ein Zitat aus früheren Tagen. +++ Der 'Freitag' portraitiert die mediale Öffentlichkeit, wie sie sich aus Sicht der kubanischen Bloggerin Yoani Sanchez darstellt, die wohl in Spanien den «Ortega y Gasset»-Preis entgegennehmen wird dürfen. +++ Die mediale Öffentlichkeit, wie sie sich im österreichischen Amstetten präsentiert, fängt an zu nerven ( 'taz' ). +++ Hannelore Steer, gewesene RBB-Hörfunk-Chefin, wird im 'Tagesspiegel' gewürdigt. +++ Die 'Welt' hat gerne «FrauTV» im WDR geschaut, neuerdings moderiert von Angela Maas. +++

Der Altpapierkorb füllt sich Montag wieder gegen 10 Uhr.

 
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