Altpapier vom Freitag
08. Aug 10:08
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Ehe wir es vergessen: Heute beginnen die Olympischen Spiele in Peking (13 Uhr, ARD). Die 'Berliner' beschreibt noch einmal, wie es die Öffentlich-Rechtlichen schaffen, täglich 50 Stunden Sport zu senden. Auf EinsFestival, EinsPlus, dem ZDF-Info- und dem ZDF-Dokukanal wird in den kommenden zweieinhalb Wochen mehr Sport zu sehen sein als in den zwei Hauptprogrammen. Das wird die Privatfernsehlobby freuen, aber irgendwie muss die Kohle ja auch wieder reinkommen. Schließlich sollen sich die etwa 100 Millionen Euro, die ARD und ZDF in die Olympischen Spiele in Peking investiert haben, auch lohnen - für Sender und Zuschauer, die das Spektakel mit ihren Gebühren finanzieren. Dass für den Sport Geld ausgegeben werden muss und ihn genau das – und damit naturgemäß die journalistische Sicht auf ihn – von anderen Ressorts unseres bunten Lebens unterscheidet, darauf weist Waldemar Hartmann im Interview mit dem 'Tagesspiegel' hin: Ob man jetzt von der Politikberichterstattung, dem Wirtschaftsjournalismus oder dem Feuilleton spricht. Keines der Ressorts muss die Ware, über die es berichtet einkaufen – im Gegensatz zum Sport. Der Sender berichtet also über etwas, für das er bezahlt hat. Da ist es sehr menschlich, dass man diese Ware etwas behutsamer behandelt. Die Grenzen der Behutsamkeit, sie sind so schwammig. Klar ist dagegen Hartmanns Abneigung gegenüber Portraits: In Porträts soll meine Legende fortgeschrieben werden. Ich habe mit einem Kollegen der «taz» vor kurzem ein zweistündiges Gespräch geführt. Nachdem er mir die Zitate zur Autorisierung geschickt hatte, wusste ich, dass er eine Trinkergeschichte schreiben wird: Waldi und Weißbier, das Klischee. Aus Kenntnis von Hartmanns Unterhaltungserfolgen «Club» und «Waldi & Harry» kann immerhin gefolgert werden, dass es solche und solche Klischees gibt. Sexismus (etwa hier ) fällt offenbar unter die Behaglichkeit des Stammtisches, wo er sowieso grassiert. Selbst einem Unterhaltungskünstler ist in diesen Tagen nicht entgangen, dass es auch um die ganz großen Fragen geht. Politik, Menschenrechte oder was tun, wenn der Worst Case eintritt und sich in Lhasa beispielsweise ein tibetischer Mönch verbrennt. Was «Waldi» im Falle des Worst Case macht oder ob der Worst Case auch andere Erscheinungsformen kennt, darüber ist leider nichts zu erfahren. Noch stellt sich die Frage nicht. Das Einzige, was ich definitiv sagen kann: Wir fahren nach Peking. Wer besser vorbereitet sein will, wenn ihn heute um 13 Uhr die Frage ereilt, ob er mit seinem Fernsehverhalten die Menschenrechtscharta der UN verletzt, kann die «taz» lesen. Dort gibt es ein Pro und Contra . Weil die Gründe für das Fernsehen sich einer gewissen Logik von über 100 Jahre Olympische Spiele verdanken, zitieren wir nur aus der Argumentationshilfe dagegen: Das Regime will an die Spitze des Medaillenspiegels - mit aller Macht, mit allen Mitteln. Wo das endet, das wissen wir aus dem DDR-Sport zur Genüge. Und wo bleibt die Freude über den sportlichen Sieg der fernen Athleten, wenn man sich die ganze Zeit vor dem Fernseher fragen muss: Wie haben die das jetzt nur geschafft? Sapperlot, dieses Regime aka die Pekinger Machtclique nimmt das friedliche Fest der Völker und der Jugend dieser Welt aber auch ernst. Unsere anständigen, sauberen deutschen Sportler fahren ja seit Jahr und Tag zu Sportereignissen nur, um fremde Länder kennen zu lernen und ihre Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben. Wer sich gerade in China aufhält und auf die kritische Berichterstattung gesperrter Internetseiten partout nicht verzichten möchte, findet in der 'FR' praktische Tipps vom «Chaos Computer Club». Ein Text über den chinesischen Sportreporter Jiang Yi in der «FAZ» (Seite 46) lehrt, dass es auch ohne CCC geht: Natürlich gibt es in China nach wie vor eine Zensur, aber ich kann für meine Geschichten problemlos auf die Seiten von CNN oder BBC gehen. Mit dem Deutsche-Welle-Gucken könnte es allerdings schwieriger werden, während das Deutsche-Welle-Surfen sich größerer Beliebtheit erfreut, wie in der 'FR' steht. Aber wer im Land ist, kann sich ja auch an die Orte des Geschehens begeben. Und sich von der rührenden Stimmung tragen lassen, die der 'Tagesspiegel' in einem freilich auch kritischen Artikel beschreibt: Viele Chinesen freuen sich einfach, dass sie (die Spiele, NZ) in ihrem Land stattfinden. Es ist eine unschuldige Freude darüber, an einem Weltereignis teilzuhaben. Selbst wenn der Sonnenschein künstlich ist. Das wird einem ganz warm ums Herz von der künstlichen Sonne. Der Chinese kann sich noch aufrichtig, edel und naiv freuen. Wenn man da an die WM 2006 zurückdenkt, wo schon vor Beginn der mediale Terror nicht mehr auszuhalten war, wie geil das alles wird, möchte man wehmütig seufzen: China, du hast es besser!
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Altpapierkorb Es gibt noch mehr wie China auf der Welt. Die «NZZ» schaut heute in den arabischen Raum, wo etwa die weibliche Jugend der Moderne in Pop-Videos hübsche Augen macht. +++ Außerdem wird berichtet, wie islamische Extremisten das Internet nutzen und welche Probleme das Berufsbild des Journalisten in Syrien kennt. +++ Und vor welchen Hürden man als Medium im Falle von Geiselnahmen steht. +++ Nicht die «NZZ», aber mehrere andere Schweizer Zeitungen gehen im Internet gemeinsame Wege («SZ», Seite 15). +++ Die «FAZ» (Seite 46) portraitiert die von der Hizbullah unterstützte libanesische Zeitung «Al Akhbar». +++ Die 'Berliner' beschreibt den Fall der aus Russland geflohenen Chefredakteurin Rosa Malsagowa von ingushetiya.ru . +++ Einer, der die Welt kennt, wird 80: Die 'taz' gratuliert Gerd Ruge, der mit Portraits offenbar weniger schlechte Erfahrungen als «Waldi» gemacht hat. +++ Dem amerikanischen Fernsehen ging die Verfügbarkeit seiner Inhalte auf RedLasso.com gegen den Strich ( 'taz' ). +++ Die Muppet-Show feiert auf Youtube dagegen eine Renaissance ( 'SZ' ). +++ Zurück zu den Sorgen: Pro7 muss Schmerzensgeld zahlen, weil es Unbeteiligte in Unterhose überrumpelt ( 'SZ' ). +++ Premiere vertröstet den Gewinnerwarter auf 2009 ( 'FTD' , «SZ», Seite 15). +++ Bob Woodward will nicht in den Ruhestand ( 'SZ' ). +++ Coaching-Sendungen werden von der 'FR' begutachtet. +++ Und Jürgen Milski, der gewesene Feinblechner aus Köln, spricht mit der 'SZ' über Geld und ob man Manager verklagen sollte, die zuviel davon abkassieren: In Köln wird das auf andere Weise geregelt.
Der Altpapierkorb füllt sich Montag wieder gegen 10 Uhr.









