02.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Tanzen, trommeln und kassieren
Es ist ein äußerst skurriles Fernsehprogramm, das jeden Abend auf der Frequenz des Kinderkanals läuft. Ein Ex-Pornoproduzent lässt sich seine Esoteriknummer teuer bezahlen. Daniel Baumann hat zugeschaut. Mit Videos.
Wenn abends der Kinderkanal Kika sein Programm beendet, dann taucht bald ein schwäbelnder Moderator auf der Mattscheibe auf. Er fordert die vor der Glotze verbliebenen Kinder auf, ins Bett zu gehen und ihre Mamas vor den Fernseher zu schicken. Denn den Mamas in Österreich und Deutschland möchte der selbsternannte Esoteriker Thomas Hornauer mit seiner Fernsehsendung «Telemedial» durchs Leben helfen. Sie sollen zu horrenden Preisen in der Sendung anrufen und mit einem Beraterteam ihre Probleme diskutieren. Zwischendurch wird getanzt und musiziert. Und selbstverständlich dürfen auch der Papa, die Oma und der Opa anrufen.
Weil nun ein «Telemedial»-Heiler auf die Idee kam, via Fernseher mit Hilfe von Engeln die Krankheiten der Anrufer zu kurieren, steht Hornauer in der Kritik. Der ehemalige Pornoproduzent, dem in Deutschland die Sendelizenz für seinen baden-württembergischen Sender B.TV entzogen worden war, sendet inzwischen aus Österreich. Die dortige Medienaufsicht diagnostiziert, dass Hornauer gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen fördere. Die Netzeitung wagt einen Blick in seine Fernsehsendungen.
Europa trommelt mit Telemedial für die Umwelt
Ab 21 Uhr ist «Telemedial» im deutschen Fernsehnetz zu empfangen. Der Chef persönlich diskutiert am «Orange Table» mit anderen Lebensberatern und Anrufern über esoterische Themen, tanzt und macht Musik. Hornauer ist dabei der mit Abstand Gleicheste unter Gleichen und greift gerne auch mal zur Trommel. In diesem Beispiel wird für Europa und ein besseres Umwelt- und Selbstbewusstsein musiziert.
Schmerztherapie mit HornauerSeelische und physische Schmerzen kuriert Hornauer mit bisher völlig unbekannten, anscheinend aber hoch wirksamen Methoden. In diesem Beispiel setzt er auf die entspannende Wirkung eines vibrierenden Oberkörpers und merkwürdige Geräusche.
Energieausgleich für MehrwertfernsehenFür diese Art der Gesundheitspflege verlangt Hornauer von seinen Zuschauern einen Energieausgleich. Sein Mehrwertfernsehen sollen die Zuschauer bezahlen, indem sie in der Sendung anrufen – für 30 Euro pro Anruf! In diesem Video sorgt der Wohltäter Hornauer gemeinsam mit seinem Team für die musikalische Begleitung der «Spendenveranstaltung». Dass der Clip beim Videoportal Youtube so beliebt ist, erklärt er damit, dass die Menschen die «hoch professionell und gleichzeitig amateur-laienhaft» gemachte Musik der reinen digitalen Synthetik vorziehen würden.
Hornauer kritisiert seine Moderatoren live per Telefon
Wichtiger als die Esoterik scheint Hornauer aber das Geld zu sein. Dafür müssen seine Mitarbeiter alles tun. Mit der Arbeit seiner Beraterin Sarina ist Hornauer nicht zufrieden. Weil er nicht im Studio ist, greift er kurzentschlossen zum Telefonhörer, lässt sich in die Sendung durchstellen, und erteilt seiner Crew eine Lektion.
Hornauer motiviert seine MitarbeiterSchon in seiner Vergangenheit war der TV-Unternehmer für seine Mitarbeiter-Motivation bekannt. Zur Generallansprache hat er diese, wie dieses Video zeigt, auch schon mit Sätzen wie «Kommt raus, ihr Feiglinge, ich will Krieger, mit denen ich Millionen verdienen kann, keine zahmen Küken!» zusammengetrommelt. Dann wurde den Mitarbeitern vor der Kamera ihre Aufgaben eingehämmert. In Einzelgesprächen soll Hornauer zudem eine Art Gehirnwäsche vorgenommen haben.
Hornauer definiert die Sex-Hotline neu
Seine Vergangenheit als Pornoproduzent holt ihn auch bei seinem jetzigen Projekt wieder ein. Vor laufender Kamera rechtfertigt er sich gegenüber seinen Zuschauern indem er eine ganz neue Definition für Sex-Hotlines erfindet.
Worst of Thomas G. Hornauer
Diese Eskapaden animierte einen Youtube-Nutzer schließlich dazu, einen Film mit den schlimmsten Szenen von Thomas G. Hornauer zu produzieren.