TV im Internet:
Fernsehsender streiten um Online-Angebote
27. Mrz 2008 14:39
 |  ZDF und RTL haben kostenlose Archive im Internet | Foto: nz/screenshot |
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Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender dürfen im Internet nur Angebote schaffen, die einen «Mehrwert» für die Zuschauer haben. Das haben die Privaten bei der EU erstritten. Jetzt ringt man darum, wer einen Testlauf beurteilen soll.
Auf dem deutschen Fernsehmarkt knirscht es gewaltig. Der Ton zwischen den öffentlich-rechtlichen Anbietern ARD und ZDF und den Privatsendern wie RTL und Sat.1 wird zunehmend rauer. Die Privatsender fordern von ARD und ZDF, künftig auf Einnahmen aus Werbung und Sponsoring zu verzichten. Eine weitere Debatte dreht sich um die Aktivitäten im Internet.
Ihre Einnahmenbasis, die Werbung, wollen sich die Privatsender auch künftig sichern. Und die Werbung wandert langsam ins Internet. Lag der Anteil der Internetwerbung am Gesamtmarkt nach Daten des Marktforschungsunternehmens Nielsen 2005 bei nur 1,8 Prozent, waren es 2007 immerhin schon 4,5 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Fernsehwerbung von 35,4 auf 34,5 Prozent, was aber immer noch stattlichen 8,8 Milliarden Euro entspricht.
«Nicht Kernauftrag der Öffentlich-Rechtlichen»
Ginge es nach dem Willen der Privatsender, würden ARD und ZDF im Wachstumsmarkt Internet nur sehr eingeschränkt aktiv. «Online-Angebote gehören nicht zum Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks», pflegt der Präsident des Privatsenderverbands VPRT, Jürgen Doetz, zu erklären. Erlaubt seien lediglich Inhalte mit direktem Bezug auf das bereits gesendete Fernsehprogramm. «Das schließt exklusive Online-Formate ebenso wie Angebote zur individuellen und zeitunabhängigen Nutzung grundsätzlich aus.»ARD und ZDF sehen dies anders. «Wer nicht im Netz ist, hat seine Zukunft verspielt», sagt ZDF-Intendant Markus Schächter. Wie die ARD baut auch der Mainzer Sender derzeit im Internet seine Mediathek aus. Dort können die Zuschauer verschiedene Sendungen, die sie verpasst haben, kostenlos anschauen. Zu sehen gibt es unter anderem «Anne Will» und «Hart aber fair» (beide ARD) oder die Telenovela «Wege zum Glück» (ZDF). Die Angebote stehen in direkter Konkurrenz zu Abruf-Diensten wie RTLnow oder Maxdome (ProSiebenSat.1).
Gebühren als unerlaubte Subventionen
Dort gibt es neben kostenlosen Sendungen wie «Deutschland sucht den Superstar» (RTL) auch kostenpflichtige Angebote wie «Germany's Next Topmodel» (ProSieben) sowie US-Serien oder Spielfilme zu sehen. Die Privatsender befürchten, die kostenlose Konkurrenz durch ARD und ZDF könne die Bereitschaft der Zuschauer senken, für Sendungen im Internet zu bezahlen. Um die Internetaktivitäten der Öffentlichen-Rechtlichen einzuschränken, strengte der Privatsenderverband VPRT bereits 2003 ein EU-Verfahren an. Die Rundfunkgebühren seien nach EU-Recht nicht erlaubte Subventionen, so der Vorwurf. Ende 2006 endete das Verfahren mit einem Kompromiss. ARD und ZDF dürfen neue Angebote im Netz nur noch starten, wenn diese einen Mehrwert für den Bürger darstellen. Ob dieser Mehrwert vorhanden ist, soll mit einem sogenannten Public-Value-Test geprüft werden.
Angst um Wettbewerbsfähigkeit
Wie dieser Test aussehen soll, ist nun strittig. ARD und ZDF wollen den Test in die Hände ihrer Aufsichtsgremien - ARD-Rundfunkräte und ZDF-Fernsehrat - legen. Der VPRT schlägt dagegen vor, ein Expertengremium zu gründen. Zudem wünscht sich der Verband ein umfangreiches Anhörungsrecht betroffener Privatsender und das Recht auf Einsicht in «alle relevanten Unterlagen». Weil damit auch Programmplanungen und strategische Überlegungen gemeint seien, würde mit den Plänen die «publizistische Wettbewerbsfähigkeit» von ARD und ZDF «in verfassungsrechtlich bedenklicher Weise» beeinträchtigt, kritisiert nun das ZDF. Auch gegen einen Verzicht auf Werbung und Sponsoring hat sich das ZDF gemeinsam mit der ARD ausgesprochen. Ohne Werbung müssten die Rundfunkgebühren weiter steigen, so ein Argument. Politiker von SPD, FDP und Die Linke verweisen hingegen darauf, mit einem Verzicht auf Werbung seien ARD und ZDF unabhängiger von Einschaltquoten. Dadurch könnten die Sender wieder mehr auf Klasse statt auf Masse setzen. (Henrik Schmitz, epd)