Nach «Bild»-Umzug: 

netzeitung.deBolz warnt vor Schlacht auf dem Boulevard

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Medienexperte Bolz warnt vor Boulevard-Schlacht (Foto: TU Berlin<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Medienexperte Bolz warnt vor Boulevard-Schlacht
Foto: TU Berlin
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach Ansicht des Medienforschers bringt der Umzug des Springer-Blatts «Bild» nach Berlin spürbare Auswirkungen für die publizistische Landschaft mit sich. Der «Aura» der großen Politik könne sich kein Verlag entziehen.

Der Umzug des Springer-Blatts «Bild» nach Berlin wird nach Einschätzung des Medienwissenschaftlers Norbert Bolz den journalistischen Konkurrenzkampf in der Hauptstadt verschärfen. «'Bild' ist ein Gesamtkunstwerk und hat einen unglaublichen Einfluss auf die Politik», sagte Bolz. «Das kann man mit keiner anderen Zeitung vergleichen, und es kann zu einer Schlacht der Boulevardmedien führen», meinte der Professor an der Technischen Universität Berlin. Die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands war am Karfreitag erstmals nach dem Umzug von Hamburg weitgehend in Berlin produziert worden.

Bolz erwartet spürbare Auswirkungen auf die Politik. «Sicher wäre es der Traum der Zeitung, wenn sie im Namen einer schweigenden Mehrheit Einfluss auf die Berliner Politik erzwingen könnte.» Doch auch die Amtsträger selbst erlägen immer häufiger der Versuchung, mit Hilfe des Fernsehens und «Bild» zu regieren. «Politiker sind sehr viel mehr bereit als früher, ihre gezielten Indiskretionen in 'Bild' zu platzieren. Im Grunde ist jeder bereit, zum Franz Beckenbauer der Politik zu werden.» Dieser Trend könnte laut Bolz durch den Umzug verstärkt werden, denn der Sitz einer Redaktion habe trotz aller elektronischen Möglichkeiten eine entscheidende Bedeutung.

«Früher habe ich auch gedacht, man kann vom jedem Swimmingpool der Welt aus alles machen», sagte der Professor. «Aber es macht einen großen Unterschied, wenn man in der Aura der Macht sitzt und alles aufsaugt.» Gerade im Zeitalter des Internets spielten Kult-Orte wieder eine größere Rolle; in Berlin gebe es viele davon. «Es geht nicht nur um Lokalkolorit, sondern um die permanente körperliche Präsenz.» Bolz erwartet, dass der Trend, Themen zu emotionalisieren und zu personalisieren, weiter vorangetrieben wird. «Da kann dieser Umzug eine verstärkende Kraft haben.» (dpa)