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Selbstverpflichtung für Redaktion: 

WDR will Sportler künftig immer siezen

25. Feb 2008 17:10
So ist's recht: Die Herren Delling (li.) und Netzer siezen sich
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Einen neuen Knigge für seine Sportjournalisten hat der Westdeutsche Rundfunk beschlossen: Mehr Distanz zu den Athleten und ihren Höchstleistungen ist das hehre Ziel.

Nach teils massiver Kritik an der Sportberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender in den vergangenen Jahren hat sich der Westdeutsche Rundfunk (WDR) eine Selbstverpflichtung für seine Sportredaktionen auferlegt. Mit dem Dokument, das der Nachrichtenagentur epd vorliegt, verpflichten sich die Journalisten, Höchstleistungen kritisch zu hinterfragen, Sportler und Funktionäre in Interviews zu siezen und keine Geschäfte mit Akteuren des Sports wie Sportlern oder Sponsoren einzugehen.

WDR-Sprecher Uwe-Jens Lindner bezeichnete das von Intendantin Monika Piel in Auftrag gegebene Dokument am Montag als eine «Richtschnur für alle von den Sportredaktionen betreuten Sendungen, sowohl im WDR als auch im Ersten». Der WDR betreut neben eigenen regionalen Magazinen auch die «Sportschau» im Ersten, diverse Live-Übertragungen von Fußballspielen und die Doping-Berichterstattung der Sendergemeinschaft.

Beiträge von Freien müssen WDR-Mitarbeiter abnehmen

Das Papier gilt jedoch nur eingeschränkt für freie Mitarbeiter, die der Sender nicht dauerhaft, sondern nur für einzelne Produktionen beschäftigt. Lindner sagte dazu: «Freie Kolleginnen und Kollegen können nicht wie Festangestellte in die Pflicht genommen werden.» Allerdings betonte er, die Beiträge dieser Mitarbeiter würden von fest angestellten Journalisten abgenommen und dürften den «Maximen» des WDR nicht widersprechen.

Außerdem untersagt die Selbstverpflichtung offenbar nicht alle Nebentätigkeiten. Lindner äußerte sich nicht konkret auf die Frage, ob nach dem Papier gemeinsame Buch- und Filmprojekte von Journalisten und Sportlern oder Moderationen von Journalisten auf Veranstaltungen der Sport-Sponsoren untersagt sind. Er sagte lediglich, sowohl die Interessen des WDR als auch die journalistische Unabhängigkeit müssten dabei gewahrt bleiben.

Fragen nach der Doping-Affären im Radsport

In der Vergangenheit war etwa der ehemalige ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf in die Kritik geraten, weil er mit dem heute unter Dopingverdacht stehenden Radprofi Jan Ullrich eine Biografie schrieb und Veranstaltungen des Team-Sponsors T-Mobile moderierte. Die ARD insgesamt wurde zudem dafür kritisiert, über Jahre Sponsor des Rennstalls gewesen zu sein und dem ehemaligen Vorzeigeradfahrer hohe Sonderhonorare für Interviews gezahlt zu haben.

In den vergangenen Jahren wurden außerdem sowohl die ARD als auch das ZDF für ihre teils unkritische Sportberichterstattung kritisiert, vor allem bei dem Thema Doping. 2007 brachen die Sender die Live-Berichtersattung von der Tour de France jedoch ab, als sich Dopingvorwürfe gegen mehrere deutsche Radfahrer erhärteten. Die ARD hatte bereits Anfang 2007 eine Fachredaktion für die Doping-Berichtersattung gegründet und diese beim WDR in Köln angesiedelt. (epd) Wie ein WDR-Sprecher am Montag sagte, ist das Dokument eine Richtschnur für Sendungen «sowohl im WDR Fernsehen als auch im Ersten». Er räumte aber ein, dass insbesondere freie Mitarbeiter nicht voll in die Pflicht genommen werden könnten. (epd)

 
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