Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Altpapier vom Freitag

08. Feb 2008 08:49
Ermittelt am Sonntag noch einmal in einem alten Fall. Der neue wird verschoben aus Pietät verschoben: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts)
Bild vergrößern
Der «Tatort» über Türken aus Ludwigshafen wird aus Pietät verschoben. Und über mediale Bezahlmodelle wird fleißig nachgedacht.

Auf den ersten Blick wirkt es so, wie die Bundesanwaltschaft schon mal Terrorverdacht begründet : Es gibt zwischen dem Brand in Ludwigshaften und der «Tatort»-Folge «Schatten der Angst», die am Sonntag zur Ausstrahlung vorgesehen war, zwei Übereinstimmungen – «Türken» und «Ludwigshafen».

Die Ähnlichkeit der Schlagworte erinnert an das Prinzip der «tag»-Wolke, und deren Abstraktionsniveau ist bekanntlich eher gering. So könnte man wie die 'FAZ' darauf hinweisen:

Dabei hat «Schatten der Angst» mit der aktuellen Diskussion um die Hintergründe des Großbrandes nichts zu tun, sondern es geht um das Thema Ehrenmord.

Auch der 'Tagesspiegel' ist der Ansicht:

«Schatten der Angst» ist ein «Tatort» der besseren Sorte.

Warum, erklärt wiederum die «FAZ» genauer, die am Drehbuch lobt, dass es sich keiner «effekthascherischer Klischees» bedient:

Oft genug haben sich filmischen Verarbeitungen des Themas Ehrenmord in der Vergangenheit die Argumente der Täter zu eigen gemacht, indem sie pauschal mit Tradition, Kultur und Religion argumentierten und so zuließen, dass die Täter sich außerhalb der Gesellschaft, in einen imaginären Freiraum, in dem das Grundgesetz auf einmal keine Geltung hat, plazieren.

Dass die Folge nun aber dennoch verschoben wird, liegt weniger an der Koinzidenz der Tatorte als vielmehr an der medialen Begleitmusik, die vor allem aus der Türkei kommend die Stimmung mit Anschlagsvorwürfen unnötig auflud:

«In dieser Situation hätte die Gefahr bestanden, dass eine herausragende Tatort-Produktion völlig falsch verstanden wird.»

Wird SWR-Intendant Peter Boudgoust etwa in der 'SZ' zitiert, der sich allerorten die «Nachhilfe» in Pietät aus der Politik verbietet.

Im «Tagesspiegel» wird Ulrike Folkerts, Darstellerin der Kommissarin Lena Odenthal, wiedergegeben mit einer ähnlichen Einschätzung («Die Wogen sind zu hoch geschaukelt. Dieser sensible Film würde im Moment missbraucht werden, von allen Seiten»).

Was auch zu der Meinung geführt haben könnte, die Joachim Huber in einem Kurzkommentar vertritt und die das Thema abschließend behandelt.

In der Verschiebung steckt eine sensible Geste des Mitgefühls und auch der Klugheit, die der angeblichen Tapferkeit im Fall der Ausstrahlung vorausgehen darf.

Auch wenn die « groben Vergleiche» kommen werden: Was, wenn am vergangenen Sonntag neun Deutsche in Ludwigshafen bei einem Wohnungsbrand umgekommen wären?

Als «Tatort» kommt jetzt übrigens der 2007er Odenthal-Krimi «Roter Tod».


Mehr im Internet: Die Artikel des Tages


Altpapierkorb

Etwas völlig anderes: Ein sehr lesenswertes Dossier hat die «NZZ» zum Thema Gratiszeitungen zusammengestellt. Zu erfahren ist, dass Gratisblätter europaweit mittlerweile 32 Prozent des Marktes ausmachen, weltweit aber nur 8 Prozent. +++ Dass Pendlerzeitungen, wie sie auch genannt werden, also ein Wohlstandsphänomen sind und von einem ausgeprägten öffentlichen Nahverkehr profitieren, wie der Leipziger Journalistikprofessor Michael Haller im Gespräch konzediert, der ihre Laufzeit allerdings für begrenzt hält. +++ Ein weiterer Beitrag sinniert über Gratismodelle in der Wirtschaft und versucht Beziehungen von der Fahrstuhlwartung zur Kaufzeitung zu knüpfen. +++ Über die Mentalität in Bezug aufs Bezahlen, die das Internet hervorgebracht hat, geht ein anderer Text . +++ Dass sich ebendort für die Verlagshäuser ein Abgrund auftun könnte, vermutet «ras.» in einem Kurzkommentar . +++ Sehr ausführlich sortiert Hans Leyendecker in der «SZ» (Seite 21) die Kontakte zwischen Justiz und Presse am Beispiel des «Unicef-Skandals» nach berufsethischen Erwägungen. +++ In Frankreich gibt es beim Neuabschluss des Vertrags über die Übertragung des Fußballs im Fernsehen unter den Konkurrenten nur Gewinner: Canal Plus, Orange, die Liga. Für die Rolle des Verlierers bietet sich nur einer an: der Zuschauer («FAZ», Seite 40). +++ Der Schauspieler und Verbandschef Hans-Werner Meyer klagt in der 'taz' laut über die Quotenhörigkeit des Fernsehens. +++ Die ewigen Schwierigkeiten mit dem digitalen Hörfunk ( 'Berliner' ). +++ Der ewige Kerner ( 'Tsp' ). +++ TBS, Turner Broadcasting Systems, sondiert mit Interesse den deutschen Fernsehmarkt ( 'FTD' ). +++ Ein neues Klatschblatt («OK!») mit altbekanntem Chefredakteur (Klaus Dahm), das sich seine Stars selber aussucht: «Wir passen bei den Stars genau auf, wer zu uns passt». Die 'Berliner' stellt vor. +++ Das tut der 'Tagesspiegel' mit der langjährigen und legendären Berlinale-Fotografin Erika Rabau, der in diesem ein Film und eine Ausstellung gewidmet sind. +++


Der Altpapierkorb füllt sich Montag wieder gegen 10 Uhr.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.