Auf zum großen Medienmischmach
23. Jan 2008 10:50
 |  Auch hier kommt schon viel zusammen: Netzeitung.de | Foto: nz screenshot |
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Die Grenzen zwischen Print, Online und bewegten Inhalten lösen sich mehr und mehr auf, wie Experten nun beobachtet haben. Der Trend gehe zu immer neuen Plattformen. Aber nur die Ruhe: So schnell geht das alles nicht.
Zeitung, Fernsehen, Internet: Was heute oft noch getrennt nebeneinander steht, wird künftig immer mehr miteinander verschmelzen. Nach Ansicht von Medienmanagern und Experten werden sich die Grenzen zwischen Print, Online und bewegten Inhalten in den nächsten Jahren rasant auflösen. Der Trend geht demnach zu Informationen rund um die Uhr und auf allen Kanälen.
Klassiker wie die «Tagesschau» kann man sich bereits in Kurzfassung auf das Handy laden. Nachrichtenportale wie «Spiegel online» und «Welt online» setzen mehr und mehr auch auf Videos, Nachrichtensendungen und eigenproduzierte filmische Beiträge nur für das Netz. Das iPhone kombiniert bereits Mobiltelefon, iPod und Internet.«Die Medienmanager von heute müssen disziplinübergreifend agieren», sagte Medienforscher Jo Groebel. «Der Verleger muss wie ein Fernsehmacher denken können, der Fernsehmacher wie ein Verleger.» Dabei stünden sie in Konkurrenz zu immer mehr Akteuren, die ihre Inhalte auf immer mehr Plattformen anbieten: «Um sich in dieser Situation von der Angebotsmasse abzuheben, lautet die Devise zwangsweise: Keine Allianz ist durchgeknallt genug, um sie nicht auszuprobieren.»
Neue Allianzen
Das Radio beispielsweise entwickelt sich laut Groebel durch Auftritte auf digitalen Plattformen immer mehr auch zu einem visuellen Medium und macht somit Print und Fernsehen Konkurrenz. «Mit Blick auf die Kunden im Printbereich müssten traditionelle und neue Modelle verbunden werden, um gerade das jüngere Klientel zu erreichen», sagte der Experte.
In Deutschland sei auf dieses Problem bisher nicht wirklich kreativ reagiert worden. «Genuss in gedruckter Form ist weiter in, doch die veränderte Mediennutzung erfordert von allen Zeitungen eine konsequente und mutige Weiterentwicklung zu Medienmarken», sagte der Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung der «Welt Gruppe», Peter Würtenberger. Erstklassigen Journalismus rund um die Uhr und auf allen Kanälen würden die Leser schon heute erwarten.
Medienrevolution dauert noch Jahre
Matthias Wahl, Geschäftsführer des Online-Vermarkters Adlink Media, sieht vor allem in den wachsenden Gemeinschaften im Internet einen verstärkten Trend: «Communities werden in 2008 das beherrschende Thema der Online-Welt sein. Nicht umsonst zählen Online-Gemeinschaften wie StudiVZ mit über vier Millionen Mitgliedern derzeit zu den meistgenutzten deutschen Websites überhaupt», sagte er.Eine Medienrevolution die Internet, Fernsehen, Computer, Radio und Telefon komplett miteinander verbindet, wird nach Ansicht der Hamburger BAT Stiftung für Zukunftsfragen allerdings noch Jahrzehnte auf sich warten lassen. Der Konsument werde auch in naher Zukunft vor allem bequem und passiv sein, sagte Geschäftsführer Ulrich Reinhardt: «Derzeit ist dieses nur für die jüngeren Generationen interessant, für die restliche Bevölkerung sind die Vorteile nicht erkennbar.» Diese würde sich lieber vom «Fernsehprogramm berieseln lassen und den Computer vornehmlich im Job nutzen». (Gregor Haake/AP)