netzeitung.deBelegte Brötchen von gestern

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Nicht von Apple, aber mit offizieller britischer Genehmigung gemacht: die Nerd-Comedy "Das iTeam" (Foto: Sat.1<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nicht von Apple, aber mit offizieller britischer Genehmigung gemacht: die Nerd-Comedy "Das iTeam"
Foto: Sat.1
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit gleich drei neuen Comedyserien steigert ein Krisensender das Elend des Comedy-Freitags. Ach je, Sat.1, seufzt Christian Bartels .

Es wird viel gelacht in den neuen Comedy-Serien, die Sat.1 am heutigen Freitag startet. Mit dem großzügigen Einspiellachen in «3ein Viertel», «two funny» und «Das iTeam - Die Jungs an der Maus» ist man nah am Original der letztgenannten Serie: Beim «iTeam» erzählt von den Nerds in der Computerabteilung einer Firma, ist die offizielle Lizenzversion der britischen Channel 4-Serie «The IT Crowd» – und bringt so ein aktuelles Fernseh-Elend auf den Punkt. Denn nicht nur für Nerds ist jedes Original immer nur wenige Mausklicks entfernt.

Im Videoportal Youtube findet man hunderte Einträge zu «The IT Crowd», darunter komplette schreikomische Episoden in wenigen Teilen. Zum Beispiel die, in der Nerd mit der Brille bei einem deutschen Kannibalen kochen lernen will. Schaut man die deutsche Version an, sieht man, dass die Figuren ihren Vorbildern ziemlich ähnlich sehen. Brillen, Frisuren und Kleidung sowie verzögerte Reaktionen sollen zum Lachen einladen. Ansonsten fällt der Humorvergleich für die deutsche Version erbämlich aus. Steht der bebrillte Nerd neben dem alten Computer und sagt: «Als ich den Commodore 8296 das erste Mal gesehen habe, hatte ich einen Orgasmus». Die IT-Leute leiden unter ihrem geringen Sozialprestige. Wie «belegte Brötchen vom Vortag» würden sie behandelt, beklagen sie.

Sky du Mont gibt sich Mühe
Ist ein Gag ein wenig missverständlich, wie die in freundlichem Tonfall geäußerte Floskel «Und was kann ich gegen Sie tun?», wird durch Wiederholung auf Ironie hingewiesen. Die Scheu vorm Breittreten des vorhandenen Humors ist größer als die vor Missverständlichkeit.
Ausgesprochen unverständlich bleibt die Scheu der Programm-Macher, dem Publikum selbst im Genre, das hierzulande den Namen Comedy trägt, nur Eindeutschungen anzubieten und die Originale nur in Nischen-Sendern oder im Pay-TV zu zeigen. «The Office», das englische Original, das zunächst inoffiziell für die ProSieben-Serie «Stromberg» Pate stand, lief im Bezahlsender «Sat.1 Comedy». Die amerikanische Adaption startet demnächst auf dem kleinen, aber frei empfangbaren Sender Super RTL.

Die von der Bertelsmann-Firma «Grundy Light Entertainment» hergestellte offizielle Lizenzversion namens «iTeam» ist Teil des Problems, das deutsche Serien haben. Der Anklang an Apple-Produkte, den die kreativen Titelmacher hinbekommen haben, hilft so wenig wie Sky du Mont, der für die Rolle des Firmenchefs Oswald Bornholm als Zugpferd angeheuert wurde. Der so rührige wie sympathische Schauspieler gibt sich Mühe, so wie er sich immer Mühe gibt, wo das Fernsehen ihn hinstellt – ob er bei Gerhard Delling im Dritten Programm des WDR das Kinderbuch vorstellt, das er inzwischen auch geschrieben hat, ob er für Bitburger Werbespots oder demnächst die ZDF-Dokureihe «Schliemanns Erben» als Sprecher aktiv wird. Im «iTeam» ist er fürs Komikelement Zerstreutheit zuständig und spricht wacker – kleiner running gag in Episode 1 – in die Maus seines Computers, weil die IT-Abteilung ihm sagte, sie hätte eine Spracherkennungsprogramm auf seinem Computer istalliert. Herr je.

Wer denkt, das Problem könnte in der fortlaufenden Handlung liegen, die «Das iTeam» in zunächst sechs Folgen aufbauen möchte, kriegt in den weiteren Sat.1-Neustarts Bescheid gestoßen. Die Format «two funny» heißt so, weil zwei Darsteller (Alexander Schubert & Judith Richter, Tochter von Beatrice «Sketchup» Richter) in Sketchen ohne Zusammenhang auftreten. Der Humor geht in die Richtung, dass der Fachmann vom ADAC nach einiger Zeit erkennt, warum ein Auto nicht mehr fährt: Der Fahrer ist am Lenkrad eingeschlafen. Beziehungsweise in die, dass ein Pärchen im Restaurant streitet, weil er sich beklagt, es sei zuviel und nicht aufessen mag; nach einiger Zeit fährt die Kamera zurück und die Zuschauer sehen, was für ein gewaltiger Berg Spaghetti sich auf dem Teller befindet.

Gesteigerte Profitlichkeit
Der dritte Neustart, «3 ein Viertel» versucht sich an einer Mischform. Das Rezept klingt ambitioniert: Drei Darsteller verkörpern 20 Einwohner eines fiktiven Stadtviertels von Essen. «Durch die Verknüpfung dieser vielen Figuren mit übergeordneten Geschichten entsteht eine völlig neue Mischung aus pointierter Sketch-Comedy und abwechslungsreicher Sitcom» (Sat.1). Die Ambition erhält jedoch einen beträchtlichen Dämpfer dadurch, dass der wichtigste Darsteller der Sat.1-bekannte Markus Maria Profitlich ist. Wenn er und seine Mitspieler Volker Büdts und Roland Riebeling als biestige, ältliche Verkäuferinnen eines Supermarkts auftreten, die einem Kunden die Rückgabe verschimmelter Wurst verweigern, erkennen Zuschauer den Tonfall dieser Serie: Hier wird der Verkleidungshumor, der schon in «Das iTeam» unangenehm berührt, nochmal kräftig weiter überdreht.

Markus Maria Profitlich ist auch Produzent, was die Profitlichkeit des Projekts noch erhöht. Die Profitabilität des Krisensenders Sat.1 hingegen dürfte auch die jüngste Comedy-Offensive kaum verstärken. Sat.1 hat sich vor allem 2006 und 2007 sein Image nachhaltig ruiniert. Die die frühzeitige Absetzung des groß angekündigten und großartigen Vierteilers «Blackout», die ungeschickte Umprogrammierung von «Informationssendungen», die eigentlich eher verzichtbare Boulevardmagazine waren, und die Absetzung des Nachrichtenmoderators Thomas Kausch sind nur die bekanntesten Beispiele.

Über den Imageschaden kommt der Sender kaum hinweg; selbst ordentlich und aufwändig gemachte Fictionserien wie «Deadline» floppten 2007. Das ist schade, weil sich Sat.1 immer deutlich mehr als andere Privatsender um mitunter sogar innovative Eigenproduktionen bemühte und bemüht. Die Fernsehfilmabteilung hatte über Jahre einen größeren Output als RTL und Pro Sieben zusammen. Dabei lieferte sie neben Romantikkomödien à la «Erdbeereis mit Liebe» immer wieder auch gut gemachte Genrefilme. Zeithistorische Mehrteiler hatte der Sender einst mit dem Mauerbau-Fluchtfilm «Der Tunnel» erst im Privatfernsehen möglich gemacht. Er ist weiter dabei. Ein Werk mit dem Arbeitstitel «Der Untergang der DDR» wird 2008 laufen.

Dann schon lieber «Men in Trees»
Ob der Untergang von Sat.1 noch zu verhindern ist in Zeiten, in denen die jungen Zuschauer, die die Privatsender als «werberelevante Zielgruppe» umwerben, sowieso lieber DVDs und Filmchen in Videoportalen ansehen (und durch Eindeutschungen à la «Das iTeam» weiter dazu getrieben werden), ist ungewiss.

Der zentrale Handlungsfaden der ersten «iTeam»-Folge geht so: Sandy Grünwald (Britta Horn) hat von Computern keine Ahnung und wird vom noch ahnungsloseren, halt zerstreuten Firmenchef trotzdem zur Chefin der Computerabteilung ernannt. Etwas ähnliches kommt auch in einer anderen Serie vor, die ebenfalls am Freitag anläuft: Marin Frist (Anne Heche) ist von Beruf «Beziehungscoach», stellte sich ihren eigenen Liebhabern gegenüber aber zunächst als Computerexpertin vor, erzählt sie einmal. Hätten die Männer gewusst, dass sie Beziehungen coacht, hätten sie ja Angst vor ihr gehabt. Das sei aber aufgeflogen, als sie mal einen Computer reparieren musste. Wie in «Das iTeam» auch.

In der US-Serie «Men in Trees» geschieht das nur völlig am Rande. Vor allem geht es darum, die New Yorkerin nach Alaska zu verschlagen. Und auch wenn die Serie durch viele Anklänge an «Sex and the City» und anderen amerikanischen Mainstream nervt – sie bietet trotzdem mehr Gags als alle Sat.1-Neustarts zusammen und dürfte für Leute, die freitagabends fernsehen wollen, demnächst erste Wahl sein. Sat.1 hatte im Jahr 2007 einen Zielgruppen-Marktanteil von 10,6 Prozent (minus 0,7 Prozentpunkte gegenüber 2006), Vox einen von 7,9 Prozent (plus 0,8 Prozentpunkte). Das dürfte so weitergehen.


«3 ein Viertel» läuft ab 4. Januar um 21.15 Uhr auf Sat.1, «Das iTeam» folgt um 21.45 Uhr; «two funny» läuft (nach «Die dreisten Drei - Die Comedy-WG») um 23.15 Uhr.