Belegte Brötchen von gestern
04.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Im Videoportal Youtube findet man hunderte Einträge zu «The IT Crowd», darunter komplette schreikomische Episoden in wenigen Teilen. Zum Beispiel die, in der Nerd mit der Brille bei einem deutschen Kannibalen kochen lernen will. Schaut man die deutsche Version an, sieht man, dass die Figuren ihren Vorbildern ziemlich ähnlich sehen. Brillen, Frisuren und Kleidung sowie verzögerte Reaktionen sollen zum Lachen einladen. Ansonsten fällt der Humorvergleich für die deutsche Version erbämlich aus. Steht der bebrillte Nerd neben dem alten Computer und sagt: «Als ich den Commodore 8296 das erste Mal gesehen habe, hatte ich einen Orgasmus». Die IT-Leute leiden unter ihrem geringen Sozialprestige. Wie «belegte Brötchen vom Vortag» würden sie behandelt, beklagen sie.
Ausgesprochen unverständlich bleibt die Scheu der Programm-Macher, dem Publikum selbst im Genre, das hierzulande den Namen Comedy trägt, nur Eindeutschungen anzubieten und die Originale nur in Nischen-Sendern oder im Pay-TV zu zeigen. «The Office», das englische Original, das zunächst inoffiziell für die ProSieben-Serie «Stromberg» Pate stand, lief im Bezahlsender «Sat.1 Comedy». Die amerikanische Adaption startet demnächst auf dem kleinen, aber frei empfangbaren Sender Super RTL.
Markus Maria Profitlich ist auch Produzent, was die Profitlichkeit des Projekts noch erhöht. Die Profitabilität des Krisensenders Sat.1 hingegen dürfte auch die jüngste Comedy-Offensive kaum verstärken. Sat.1 hat sich vor allem 2006 und 2007 sein Image nachhaltig ruiniert. Die die frühzeitige Absetzung des groß angekündigten und großartigen Vierteilers «Blackout», die ungeschickte Umprogrammierung von «Informationssendungen», die eigentlich eher verzichtbare Boulevardmagazine waren, und die Absetzung des Nachrichtenmoderators Thomas Kausch sind nur die bekanntesten Beispiele.
Über den Imageschaden kommt der Sender kaum hinweg; selbst ordentlich und aufwändig gemachte Fictionserien wie «Deadline» floppten 2007. Das ist schade, weil sich Sat.1 immer deutlich mehr als andere Privatsender um mitunter sogar innovative Eigenproduktionen bemühte und bemüht. Die Fernsehfilmabteilung hatte über Jahre einen größeren Output als RTL und Pro Sieben zusammen. Dabei lieferte sie neben Romantikkomödien à la «Erdbeereis mit Liebe» immer wieder auch gut gemachte Genrefilme. Zeithistorische Mehrteiler hatte der Sender einst mit dem Mauerbau-Fluchtfilm «Der Tunnel» erst im Privatfernsehen möglich gemacht. Er ist weiter dabei. Ein Werk mit dem Arbeitstitel «Der Untergang der DDR» wird 2008 laufen.
Der zentrale Handlungsfaden der ersten «iTeam»-Folge geht so: Sandy Grünwald (Britta Horn) hat von Computern keine Ahnung und wird vom noch ahnungsloseren, halt zerstreuten Firmenchef trotzdem zur Chefin der Computerabteilung ernannt. Etwas ähnliches kommt auch in einer anderen Serie vor, die ebenfalls am Freitag anläuft: Marin Frist (Anne Heche) ist von Beruf «Beziehungscoach», stellte sich ihren eigenen Liebhabern gegenüber aber zunächst als Computerexpertin vor, erzählt sie einmal. Hätten die Männer gewusst, dass sie Beziehungen coacht, hätten sie ja Angst vor ihr gehabt. Das sei aber aufgeflogen, als sie mal einen Computer reparieren musste. Wie in «Das iTeam» auch.
In der US-Serie «Men in Trees» geschieht das nur völlig am Rande. Vor allem geht es darum, die New Yorkerin nach Alaska zu verschlagen. Und auch wenn die Serie durch viele Anklänge an «Sex and the City» und anderen amerikanischen Mainstream nervt sie bietet trotzdem mehr Gags als alle Sat.1-Neustarts zusammen und dürfte für Leute, die freitagabends fernsehen wollen, demnächst erste Wahl sein. Sat.1 hatte im Jahr 2007 einen Zielgruppen-Marktanteil von 10,6 Prozent (minus 0,7 Prozentpunkte gegenüber 2006), Vox einen von 7,9 Prozent (plus 0,8 Prozentpunkte). Das dürfte so weitergehen.
«3 ein Viertel» läuft ab 4. Januar um 21.15 Uhr auf Sat.1, «Das iTeam» folgt um 21.45 Uhr; «two funny» läuft (nach «Die dreisten Drei - Die Comedy-WG») um 23.15 Uhr.

