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Altpapier vom Donnerstag

27. Dez 2007 10:01, ergänzt 12:17
So viel Hallo hatten Maria Furtwänglers
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Klagen, Demonstrationen und Debatten: großer Aufmerksamkeits-Erfolg für einen niedersächischen NDR-«Tatort».

Das nachweihnachtliche Topthema in den Medienressorts bilden der letzte 'Tatort' vor Weihnachten (mit Maria Furtwängler) sowie die Klagen und Demonstrationen dagegen, die die Alevitische Gemeinde Deutschland angekündigt hat. Siehe Netzeitung.

Die gedruckten Zeitungen fassen die Nachrichtenlage incl. des gewohnt staatstragenden Statements von NDR-Chefredakteur Volker Herres nüchtern zusammen (frei online: 'taz', 'KStA'). Auch 'Welt Online' zitiert aus einem (derzeit nicht online verfügbaren) Deutschlandfunk-Interview mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Angelina Maccarone: «Sie habe extra nach einem Fall gesucht, der in jeder Familie vorkommen könnte und wollte nicht erneut einen Fall von 'Ehrenmord' erzählen, der Vorurteile zementiert hätte».
Im Namen der Partizipation bietet «Welt Online» gleich daneben Gelegenheit zum beliebten Online-Voting (u.a.: «Der 'Tatort' über die Aleviten war nicht differnziert genug»/ «Die Folge war gut, die Aufregung überzogen» ...)

Es wird unter dem Artikel aber auch, wie bei 'taz.de', lebhaft in Worten diskutiert. Eine meinungsfrohe Analyse ist bei 'Telepolis' von Burkhard Schröder zu haben:
«Mit vertauschten Rollen - der Vater und Mörder ein gläubiger Muslim und Sunnit - und der integre Schwiegersohn ein Alevit - das hätte in der muslimischen Community einen kollektiven Aufschrei der Empörung gegeben, der bis in die Medien der Türkei geschwappt wäre. Der Tatort Angelina Maccarones sucht sich leider den bequemsten Weg: Man eckt nur bei denen an, die die schwächste Lobby besitzen.»

Naheliegende Lösung: eine fernsehöffentliche Diskussion im Anschluss an die Anti-«Tatort»-Demonstration in der Anne-Will-Show mit Angelina Maccarone, Vertretern der Aleviten, gern auch dem Christiansen-bekannten Ayyub Axel Köhler sowie natürlich dem künftigen ARD-Programmdirektor Herres.

Das vorweihnachtliche Altpapier -Topthema war der überraschend rasch über die Bühne gegangene Verkauf des Süddeutschen Verlags. Heute fasst die 'Financial Times Deutschland' die Lage zusammen: «Am Ende ist die Entscheidung vor allem: eine Entscheidung», die dem insgesamt ca. eine Milliarde Euro schweren Süddeutschen Verlag zumindest wieder «Handlungsfähigkeit» verschafft.

Spannung hinsichtlich künftiger Entscheidungen der «chronisch verschwiegenen» Südwestdeutschen Medienholding weckt die «FTD» aber auch: «Der hohe Kaufpreis ist nur durch Synergien zu rechtfertigen», raunen anonyme Branchenkenner bereits.

Noch so einen vorweihnachtlichen Aufreger für die Medienbranche im engeren Sinn (siehe z.B. 'kress.de') lieferten die Umstände des Amtsantritts des neuen Bertelsmann-Chefs Hartmut Ostrowski in Gütersloh. Nun soll der «leutselige Journalist» Thorsten Strauß die gegangene Leiterin der zentralen Unternehmenskommunikation, Jasmine Borhan, ablösen, weiß das «Handelsblatt».


Mehr im Internet: Die Artikel des Tages


Altpapierkorb

Was macht eigentlich Andrea Kiewel, die durch ihre Figur sowie Schleichwerbevorwürfe kurz vor Weihnachten gerade erst so richtig bekannt gewordene Entertainerin? Gemeinsam mit Künstlern wie Nina Hagen, Kai Pflaume und «Toni (10), dem kleinen Topstar der Volksmusik», testet sie im sog. Ersten unter Jörg Pilawas Leitung «die Märchentauglichkeit der Nation» aus. +++ «Viele Entscheidungsträger innerhalb der ARD sind nicht erfreut über fünf verschiedene Anfangszeiten. Verbunden mit Unpünktlichkeit macht das den Zuschauer orientierungslos und vermittelt ihm zudem den Eindruck, der ARD seien die 'Tagesthemen' nicht so wichtig. Wir hoffen jetzt auf Konsequenzen. ... Bei einheitlichen Anfangszeiten rechnen wir wieder mit einer stabilen Quote»: Caren Miosga im Interview der «Berliner Zeitung», kurz vor dem 30. Geburtstag der «Tagesthemen» und noch kürzer vor dem ARD-Jahresrückblick, den Miosga heut abend nach Pilawa sendet. +++ Neues aus der wunderbaren Welt der oft so schwer nachvollziehbaren Hamburger Medienjustiz: Drei Sätze des Freiburger Buchautors Jürgen Grässlin in einem TV-Interview im Juli 2005 seien «zu persönlich ausgefallen». Daher hat Grässlin einen Prozess vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht gegen den früheren Daimler-Chef Jürgen Schrempp verloren. «Die genauen Aussagen wurden vom Gericht untersagt und dürfen auch hier nicht zitiert werden» ('Frankfurter Rundschau'). +++ Hingegen konnte Peter Scheibe Wiglaf Drostes Gedicht «In Deutschland ist alles aus Marzipan / Vor allem die Literatur. / Das hat ihr der Günter Grass angetan» vor der Unterlassung retten. Wie, das erzählt der «taz»-Justiziar in seinen jährlichen «Einblicken in die Abgründe des Presserechts». +++ Einer Podiumsdiskussion über die Rolle der Medien vor den heute anstehenden Präsidentschaftswahlen in Kenia wohnte die 'FR' bei. +++ Vielerlei Personalien gibt es im Hause «WAZ» zu vermelden. So wird im Laufe des nächsten Jahres Christian Nienhaus, «der sich für 'Bild' die 'Volksbibel' ausdachte», vom Springer-Verlag kommen und «wohl ein paar Ideen mitbringen». «Trotzdem wird die WAZ-Mediengruppe der spitz rechnende Gemischtwarenladen bleiben», meint die «SZ» und zitiert einen frustrierten Satz Bodo Hombachs: «Die Treue der Abonnenten reicht nur noch bis zur nächsten Kaffeemaschine». +++ Unklar ist, ob es sich beim Abo-Weihnachtsmann von der 'WAZ'-Aboseite um Hombach persönlich handelt. +++ Die «FAZ»-Medienseite 36 bringt einen «Nachtrag zur Geschichte von Ahmed Jimale», des somalischen Ex-Stringers für die ARD, die sie im November ausführlich erzählte. «Einige Korrespondenten, mit denen Jimale in Somalia zusammenarbeitete, sind der Auffassung, zuverlässige Stringer wie ihn müsse man möglichst permanent binden. ... Die aktuelle Eskalation ... gibt diesem Standpunkt recht: Kaum ein westlicher Korrespondent will sich selbst der Lebensgefahr in Mogadischu aussetzen. Kompetente Stringer sind das Nonplusultra», schreibt Lutz Mükke. +++ Außerdem geht's um die Frage, ob der fortgesetzte Autorenstreik in den USA das deutsche Fernsehen berühren wird. Da es ProSieben schon mal schaffte, die Serie «Lost» «nach dem Start im Frühjahr einfach mitten in der Staffel zu unterbrechen - wegen Sommerpause» und das deutsche Publikum durch einen der üblichen Cliffhanger «mehrere Monate lang auf die Folter spannen» zu wollen, «kann eigentlich auch ein streikbedingter Ausfall nicht mehr viel Schaden anrichten». +++ Als die ARD den Cary Grant-Film «Hausboot» in der Nacht zum zweiten Weihnachtstag zeigte, «da lief er beim RBB schon seit einer Viertelstunde» ('Tsp.'). +++ «'Emma' ohne Schwarzer ist wie Britney Spears mit Höschen» - nur eine von 100en Pointen, die Else Buschheuer im «Tagesspiegel»-Interview abfeuert, als würde sie sich für die Leitung eines satirischen Jahresrückblicks bewerben.

Der Altpapierkorb füllt sich am Freitag wieder gegen 10.00 Uhr.

 
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