24. Dez 2007 17:29
Anlass des Ärgers war der ARD-«Tatort» vom Sonntag. Wegen eines fiktiven Falles von Inzest fühlt sich die Religionsgemeinschaft gebrandmarkt.
In dem Tatort ging es um Mord und Inzest in einer türkischen Familie, die ausdrücklich als Anhänger der Aleviten in die Geschichte eingeführt wurden. Man habe alles versucht, die Ausstrahlung zu verhindern, sagte Ali Ertan Toprak, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland der Netzeitung. Aber der NDR habe sich auf seine Pressefreiheit berufen. Lediglich eine kurze Einblendung wurde dem Film vorangestellt, in dem es hieß, die Geschichte sei rein fiktiv.Weil über die Feiertage keine zivilrechtliche Entscheidung möglich gewesen sei, sei nun vom Berliner Verein Anatolischer Aleviten im Auftrag der Alevitischen Gemeinde Deutschland Stafantrag gestellt worden. «Es ist uns äußerst unangenehm, in eine solche Position gebracht worden zu sein. Aber wir haben keinen anderen Weg mehr gesehen, unserem Protest Ausdruck zu verleihen», so Toprak.
Der Protest der als liberal geltenden Aleviten richtet sich vor allem gegen den Inzest, den der Vater der Familie an seiner jüngeren Tochter in dem Krimi verübt. «Wir sind nicht die besseren Menschen, und natürlich gibt es bei uns auch Räuber und Mörder», sagte Toprak. «Aber ausgerechnet den Missbrauch der eigenen Tochter durch den Vater in die Geschichte einzubauen, ist extrem unsensibel und wiederholt genau die Vorurteile, mit denen die Aleviten seit Jahrhunderten verfolgt und bis heute diskriminiert werden.»