Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Bundestagsspitze will Parlamentsfernsehen

30. Nov 2007 17:18
Spannende Bilder bald auch im Bundestagsfernsehen
Bild vergrößern
Soll der Bundestag einen Fernsehsender betreiben, mit dem er alle Debatten überträgt? Der Ältestenrat des Bundestages hat «große Sympathie» für die Pläne. Allerdings gibt es verfassungsrechtliche Bedenken.

Ein eigener TV-Kanal aus dem Deutschen Bundestag wird wahrscheinlicher. Nach einer Sitzung des Ältestenrates sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Donnerstagabend in Berlin, das Vorhaben sei dort «mit großer Sympathie» zur Kenntnis genommen worden. Ein Beschluss für den Start der Ausstrahlung von Plenardebatten und Ausschussberatungen in einem eigenen Digitalkanal für Kabel- und Satellitenzuschauer sei aber noch nicht gefallen.

Mehr in der Netzeitung:
  • Altpapier vom Freitag 09. Nov 2007 10:06, ergänzt 11:03
  • Altpapier vom Dienstag 02. Okt 2007 10:00, ergänzt 11:10
  • Lammert sagte, es müsse undogmatisch entschieden werden, welchen Weg der Bundestag beim Parlamentsfernsehen gehe. Der jetzige Zustand sei aber «nicht akzeptabel». Lammert sprach in einer Veranstaltung in der Vereinigung für Parlamentsfragen, bei der auch massive Vorbehalte gegen das Projekt laut wurden. Der Programmgeschäftsführer von Phoenix, Christoph Minhoff, widersprach der Darstellung, sein Sender nehme die Bundestags-Berichterstattung nur eingeschränkt wahr. Mit 360 Stunden habe man im vergangenen Jahr «fast vollständig» aus dem Plenum berichtet. Per Live-Stream im Internet könnten Interessierte auch jetzt schon alle Plenardebatten lückenlos «rund um die Uhr» verfolgen. Es sei zudem zu fragen, ob ein «doppeltes» Fernseh-Angebot aus dem Bundestag dem Steuer- oder Gebührenzahler zuzumuten sei.

    Bereits vor über einem Jahr hatte der Bundestag bei der zuständigen Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) die Lizenz für die unverschlüsselte Ausstrahlung über Satellit und Kabel beantragt. Die mabb hatte daraufhin den Bundestag gebeten, die Rechtslage zu klären. Insbesondere wartet die Behörde auf eine Stellungnahme zu dem in mehreren Urteilen des Bundesverfassungsgerichts bekräftigten Grundsatz der Staatsferne von Rundfunk und Fernsehen erwartet.

    Verfassungsrechtlich problematisch

    Der FDP-Medienexperte Hans-Joachim Otto nannte das Projekt «verfassungsrechtlich problematisch». Der Eindruck eines «Staatsfernsehens» müsse auf jeden Fall vermieden werden. Es sei zudem wenig sinnvoll, für «einige Spezialisten» einen eigenen Parlamentskanal mit womöglich 24-stündiger Ausstrahlung ohne jede journalistische Einordnung einzurichten. Ähnlich äußerte sich der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel. Eine redaktionelle Begleitung sei zwingend notwendig, meinte er. Noch völlig unklar sei, welches Programm ein Bundestag-TV in den sitzungsfreien Wochen anbieten wolle. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber plädierte dafür, gleich ganz auf das Internet zu setzen.

    Im Bundestag wird bereits seit Jahrzehnten über die Einrichtung eines eigenen Parlamentsfernsehens mit bundesweiter Reichweite debattiert. Beim Umzug von Bonn nach Berlin wurden 15 Millionen Euro in eine neue Fernseh-Technik investiert. Das Material wird nach Bundestagsangaben kostenlos allen interessierten Sendern zur Verfügung gestellt. Ansonsten werden die Übertragungen bislang als Web-TV sowie digital im Berliner Kabelnetz ausgestrahlt. Das Parlamentsfernsehen startete 1990 als interner Hauskanal. (nz/dpa)

     
    Drucken
    VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
     
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zu weiteren Bildergalerien
    Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
    Live Top 5
    netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
    Aus anderen Ressorts
    Zur Autogazette

    Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
    NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
    Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
     
    Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
     
    IT & Security by Procado
     
    [ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
    Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.