20.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bauer findet Frau
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Rekordverdächtige acht Millionen Zuschauer haben diesmal RTLs Kuppelshow eingeschaltet. Die archaische Balz auf dem Lande besticht durch knorrige Charaktere und minimalistische Deko.
Konkurrenz aus dem eigenen Haus für Quotenkönig Günther Jauch: Nicht sein Quiz «Wer wird Millionär?», sondern die RTL-Dokusoap «Bauer sucht Frau» stellte am Montagabend einen neuen Rekord auf. Durchschnittlich acht Millionen Zuschauer wollten um 21.15 Uhr sehen, ob die einsamen Landwirte bei ihrer Suche nach einer Partnerin fündig werden. Die mittlerweile dritte Staffel der Sendung mit Inka Bause entwickelt sich damit zum Renner.
Doch, ja, irgendwie schönKein Wunder, denn selbst dem nicht regelmäßigen Zuschauer erschließt sich das Erfolgsrezept der Show sofort: Es ist der faszinierende Blick in fremde, exotische Welten, die quasi vor der Haustür liegen. Knorrige Charaktere sind dabei, die sich hartnäckig gegen die Umgestaltungsversuche der landverschickten Städterinnen wehren, aber auch durchaus kernige Naturburschen, die sich und das Kuppelformat mit einiger Selbstironie betrachten.
Zuletzt gab es gegenseitige Sprachlosigkeit zu beobachten. Etwa wenn Bauer Bernhard lieber noch ein Feld aberntet, statt sich mit Fabrikarbeiterin Beate dem (auch von ihr selbst nicht genau definierten) Müßiggang hinzugeben. Rührend hingegen, wenn bei Bauer Jürgen jahrzehntelang designtechnisch vernachlässigte Wohnbereiche entrümpelt werden. Der so Verwöhnte kann sich aber nur schwer damit anfreunden: Doch, ja, schön sei das ja irgendwie - während die ganze Körpersprache des schlacksigen Junggesellen von einem gewissen Unbehagen an jedweder häuslicher Umgruppierung zeugt. Beate ist übrigens mittlerweile wieder abgereist. Ansonsten herrschen gute Nachrichten bei «Bauer sucht Frau» vor: Zwei Paare gaben sich in den vorher präsentierten Staffeln bereits das Ja-Wort, und auch diesmal sind sich einige der Teilnehmer nicht ganz unsympatisch.
Stolzer MaschinenparkZufriedenheit also allerorten. Nur dem Deutschen Bauernverband gefiel das so präsentierte Landleben zunächst nicht so richtig. Zuviele Klischees und so schwer vermittelbar sei die eigene Berufsgruppe doch nun auch nicht, hieß es da. Zur aktuellen Staffel blieben die Proteste bisher aus - vielleicht, weil so mancher Landwirt stolz seinen Maschinenpark zeigen durfte und so ein «moderneres» Bild vom Beruf des Landwirts transportiert wird.
So bleibt für die kommende Folge allein die spannende Frage, ob Rinderzüchter Bernhard seinen schicken Mähdrescher demnächst doch im Stall lassen wird. Mit Krankenpflegerin Sylke hat sich nämlich die nächste Besucherin für den 43-Jährigen angekündigt.(nz)