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«Schmidt & Pocher»: Gebühren sind geil

24. Okt 2007 07:47
Wer ist hier der Chef? Oliver Pocher und Harald Schmidt beim offiziellen Fototermin
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Der Neue macht den Job, und der Alte schaut zu: Der Werberummel rund um «Schmidt & Pocher» macht die neue «Is mir egal-Haltung» des ARD-Entertainers wieder mal unangenehm deutlich.

Mit 50 in den Vorruhestand, und das bei vollen Bezügen: Für Harald Schmidt, Chefsatiriker des deutschen Fernsehens a.D., brechen rosige Zeiten an. Kaum noch auf Sendung - nach langer Sommerpause startet an diesem Donnerstag endlich eine neue Folge seiner Late Night Show -, und das fortan auch noch mit Verstärkung: TV-Provokateur Oliver Pocher soll bekanntlich die zuletzt wenig inspiriert wirkende ARD-Sendung aufpeppen.

«So eine Art Coaching»

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Der 29-Jährige, bekannt als Werbeikone und Moderator bei ProSieben, geht denn auch mit juveniler Energie an die neue Aufgabe. Während Altstar Schmidt derzeit lieber Theaterabende inszeniert, macht Pocher die PR-Arbeit, und witzelt sich professionell durch zahlreiche Interviewtermine, um die neue Show zu bewerben. Schmidt selbst wiederum möchte diese kommode Aufgabenteilung offenbar auch in der Show beibehalten: «Pochi arbeitet und ich checke das und gebe ihm Tipps live vor der Kamera, wie er das von brillant auf Weltklasse bringen kann - so ein Coaching», zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa.

Ohnehin gehe es darum, so der TV-müde Entertainer, «Pochi in ein oder zwei Jahren allein auf die Strecke zu schicken». Hört sich so an, als sei eine Fortsetzung der zunächst auf 22 Folgen begrenzten «Schmidt & Pocher»-Show schon beschlossen. Die ARD, die mittlerweile gar die Verpflichtung von Heidi Klums Modelcoach Bruce Darnell («Drama, Baby») als Erfolg vermeldet, übt sich derweil in Galgenhumor ob der Unlust des einst so teuer eingekauften Late-Night-Talkers. «Wir haben «Rent a Pocher» wörtlich genommen», so Programmdirektor Günter Struve vor einigen Wochen. «Im Augenblick ist er ja noch als selbst ernannter B-Promi auf Tour. Aber an der Seite von Harald Schmidt im Ersten wird Oliver Pocher - da bin ich mir sicher - ganz schnell zum A-Promi aufsteigen.»

Best of Rest

Zusammenklauben, was sich andere ausgedacht haben und das als Neu zu verkaufen - das scheint auch sonst das Prinzip der Sendung zu sein. Das alte «Harald Schmidt»-Studio etwa bleibt für «Schmidt & Pocher» erhalten. Neu sei nur die Skyline und ein Schreibtisch, der, so Schmidt, «ein bisschen am 'heute journal' orientiert ist». Erster Gast der Sendung wiederum ist ein weiterer Star des Privatfernsehen, und zwar einer, der der ARD pikanterweise erst kürzlich einen Korb gegeben hat: RTL-Showmaster Günther Jauch. Und da auch fortan eine Stunde Sendezeit gefüllt werden muss, wurde noch ein Jung-Kabarettist verpflichtet: Der Berliner Mediziner Eckart von Hirschhausen bekommt eine eigene Rubrik.

Nach uns die Sintflut

«Die Hirschhausen-Akademie» soll, so der etwas bemühte Werbetext der ARD, Schmidt, Pocher und die Fernsehzuschauer zu «Fast-Ärzten» ausbilden - warum auch immer. Dass auch Bandleader Helmut Zerlett nach jahrelanger Pause wieder bei Schmidt zu sehen sein wird, komplettiert den Show-Relaunch, der ein wenig nach öffentlich-rechtlicher Versorgungsmentalität müffelt. Kein Wunder, dass der prominente Wenigarbeiter seinen Arbeitgeber noch kräftig lobt: Bei der ARD, so Schmidt vielsagend, sei es nicht «anstrengend», sondern «auch angenehm».

Und schiebt noch hinterdrein, dass er selbstredend an den Erfolg seines «satirischen Wochenrückblicks» glaubt, «weil ich mich mit Pocher sehr, sehr gut verstehe». «Und beide treten wir eigentlich mit so einem 'Nach-mir-die-Sintflut'-Denken an», sagt er ganz zutreffend weiter . Ganz aus den Augen verloren aber hat selbst Harald Schmidt nicht, wer ihm den ganzen Spaß finanziert. Das Motto der ersten Sendung lautet denn auch: «GEZ ist geil».

 
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