«Ist der Ruf schon ruiniert ...»
12.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Showmaster Niels Ruf übernimmt das Anheizen persönlich und scherzt auf Kosten der Warm-Upperin. Als die Aufzeichnung recht abrupt beginnt, bleibt das Tosen verhalten. Wie ernst man die Aufforderungen nehmen sollte, weiß das Publikum nicht so genau. Die Warm-Upper schienen ihren Job sehr ernst zu nehmen, weil so der Laden läuft, und sich zugleich darüber lustig zu machen. Genau das könnte auch das Problem der ganzen «Niels Ruf Show» sein.
Wie viele einschalten, wird im Digitalfernsehen noch nicht gemessen. 21 oder noch mehr zusätzliche Sender kosten ca. 10 Euro im Monat. Zu sehen gibt es auf Sat.1 Comedy alte Sendungen der Sendergruppe ProSiebenSat1 und Neues. «Little Britain», das im frei empfangbaren Sender Comedy Central synchronisiert läuft, gibt es im Original. Die BBC-Serie «The Office», von der das deutsche «Stromberg» abgekupfert wurde, lief auf Sat.1 Comedy, im deutschen Free TV hingegen bislang nicht. Hier könne sich Niels Ruf «ohne Quotendruck» ausprobieren, sagen die Leute der ProSiebenSat1-Tochter «SevenSenses». Fragt man, warum sie die Ruf-Show, die um 20:15 Uhr läuft, «Late Night» nennen, hört man aber: Vorstellbar, dass die Sendung auf die Late Night-Schiene eines großen Senders wechselt.
Dafür, dass Niels Ruf nicht unter Quotendruck steht, wirkt er doch etwas nervös. Auch seine Beziehung mit Anke Engelke sorgte für Wirbel, dann wurde es ruhig um Ruf. Bis Sat.1 Comedy kam. Seine Show ist dort die prominenteste Eigenproduktion, ging gerade ins zweite Jahr und in die dritte Staffel. Sidekick Peter Rütten, der einst in der alten «Harald Schmidt-Show» Kai Edel war und als «Headautor» genannt wird, ist inzwischen nicht mehr dabei. Das ist schade, mit Rütten hatte Ruf sehr komische Sketche gedreht. Rütten tritt nun in der mehr schlecht als recht, aber im Free-TV laufenden ProSieben-Sendung «Krügers Woche» auf.
Im nächsten Showblock sitzt Ruf hinter einem Schreibtisch, so wie Schmidt, und scherzt mit dem Chef der Studioband. Er macht ganz gute Gags («Du hast gedreht? Ich dachte, Du rauchst nicht mehr»), nicht so tolle (eine Postkarte aus der Türkei : «Hi Niels, gib endlich zu, das Du es warst. Güle Güle, Marco»), viele Gags. Neu sind Einspielfilme. Ruf läuft mit einem Mikro in Berlin herum und verhohnepiepelt arglose Einheimische, indem er ihnen in den Mund legt, der italienische Außenminister heiße Rocco Siffredi, wie der Pornodarsteller. Ähnliches machen «Polylux» und das «Extra3»-Magazin des NDR seit Jahren. Auch neu: Das aus der «Titanic» als Cartoon bekannte «SupaTopCheckerBunny» als Einspielfilm mit einer echten Schauspielerin. Der Witz ist ausbaufähig.
«Maxdome» gehört auch zu ProSiebenSat1 und beackert das wachsende Geschäftsfeld Internetfernsehen. Neue Einnahmequellen neben dem Werbefernsehen sollen erschlossen werden. Auch im Handy-TV. Rufs Oneliner, die oft um Britney Spears' Sorgerechtsverlust («Britney selbst war völlig überrascht - sie wusste vor dem Urteil gar nicht, das sie überhaupt Kinder hat») und Paris Hilton kreisen, scheinen für diese Verwertungsform wie gemacht. In der digitalen Kampfzone, in der nicht 30 Free TV-Programme, sondern hunderte Angebote auf zahllosen Plattformen um dasselbe Publikum konkurrieren, ist Niels Ruf ein Vorzeige-Gesicht der Sendergruppe ProSiebenSat1, die bekanntlich unter hohem Renditedruck der Eigentümer steht - auch ohne Quoten steht Ruf sicher unter Druck.
Ruf holt Gast 2, die ehemalige «Mini Playback Show»-Moderatorin Marijke Amado dazu. Sie hat auch ein Buch geschrieben. Außerdem habe sie ja eine «Moderatorenschule», will er überleiten. Sie hatte mal eine, entgegnet Amado. Ruf will dennoch mit seinen Gästen «Moderatorenschule» spielen. Es waren schon Schulstühle ins Studio getragen worden, das könnte lustig werden. Doch die Regie hat das Spiel schon wieder abgeblasen. Ruf hatte sich offenbar in Talks, die auch bei wohlwollender Betrachtung eher öde waren, verplappert. Agnieszka Hendel, «Playmate des Jahres» 2006 und Studioassistentin, die in früheren Shows schon mal aus Papst Ratzingers Bestsellerbuch vorgelesen hatte, lief nur ein paarmal ins Bild - auch schade. Das dürfte den «Playboy», mit dem die Ruf-Show offenbar kooperiert, auch nicht freuen. Das Timing scheint etwas misslungen. Zum Ausklang wartet noch das Show-Element Musik. Die Band Culcha Candela singt ihren Nummer 1-Hit «Hamma!». Jetzt tost das Saalpublikum tatsächlich.
Für die zweite Ausgabe der laufenden Staffel, die an diesem Freitag läuft, sind das «Playboy»-Covergirl Katharina Kuhlmann und Uwe Boll zu Gast, der sich im Ruf des schlechtesten Filmregisseurs der Welt sonnt. Das könnte interessant werden.
«Die Niels Ruf Show»: freitags, 20.15 Uhr auf dem Pay TV-Sender Sat.1 Comedy und bei «Maxdome» abrufbar.
Für das Web ediert von Christian Bartels

