netzeitung.deContergan-Film läuft kaum verändert im TV

 Herausgeber: netzeitung.de

Anfang November läuft der Zweiteiler 'Eine einzige Tablette' im Ersten (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Anfang November läuft der Zweiteiler 'Eine einzige Tablette' im Ersten
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nur eine Szene wurde verändert - zur Klarstellung: Nach monatelangen juristischen Streitereien wird der Film «Eine einzige Tablette» Anfang November in der ARD gezeigt.

Nach den monatelangen juristischen Auseinandersetzungen ist der Contergan-Film «Eine einzige Tablette» um eine Filmszene ergänzt worden. «Nach dem Urteil des Hamburger Oberlandesgerichts haben wir den Film in einem Punkt geändert», sagte Regisseur Adolf Winkelmann am Mittwoch in Hamburg bei der Vorstellung des WDR-Films, der am 7. und 8. November im Ersten gezeigt wird. Es sei eine weitere Szene gedreht worden, in der deutlich gemacht wurde, dass der Privatdetektiv die Familien mit contergangeschädigten Kindern nicht mit Wissen und Billigung der Grünenthal-Geschäftsleitung ausspähte.
Ausstrahlung nicht gefährdet
Gegen die Ausstrahlung des Films hatte sich die Firma Grünenthal, die am 1. Oktober 1957 das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan auf den Markt brachte, durch mehrere Instanzen geklagt. Das Mittel hatte zu starken Missbildungen bei Tausenden von Neugeborenen geführt.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am 5. September einer Ausstrahlung des Zweiteilers im November in einem Eilantrag zugestimmt. Über die eigentliche Verfassungsbeschwerde der Kläger soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Produzent Michael Souvignier zufolge kann Grünenthal in einem Hauptsacheverfahren klagen. Damit könne jedoch die Ausstrahlung des Films nicht gefährdet werden.

Persönlichkeitsrechte verletzt?
Der Spielfilm des WDR knüpft an das historische Geschehen um Contergan unter Nennung der Arzneimittelbezeichnung sowie der Herstellerfirma an. Im Mittelpunkt der bereits im Januar 2006 abgedrehten Produktion steht der Anwalt Paul Wegener (Benjamin Sadler), der als Vater eines contergangeschädigten Kindes einen Prozess gegen das Pharmaunternehmen anstrengt.

Grünenthal und der damalige Opferanwalt Karl-Hermann Schulte-Hillen, der sich in der Figur von Anwalt Wegener wiederzuerkennen glaubte, hatten an dem Drehbuch mehrere Passagen beanstandet, in denen sie eine Verdrehung der historischen Tatsachen und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten sahen. (ddp)