Leser wollen wenig Infos zu vielen Themen
12.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Entwicklung im Irak, die in den klassischen Nachrichentmedien etwa ein Zehntel der Berichterstattung ausmachte, war Thema von gerade einmal einem Prozent der Artikel der drei untersuchten nutzergenerierten Sites. Auch zur Einwandererdebatte, mit der sich ebenfalls rund zehn Prozent der Berichte in den 48 Medien beschäftigten, erschien auf Reddit, Digg und Del.icio.us zusammen nur ein einziger Artikel.
Stattdessen so fand das «Project for Excellence in Journalism» des Pew Research Center heraus waren die Nutzer von Reddit, Digg und Del.icio.us eher interessiert am neuen iPhone von Apple und dem Kampf der Konsolen zwischen Sony und Nintendo. «Die User werden verstärkt von vielseitigen Meldungen angezogen», sagte einer der Autoren, Tom Rosenstiel, der BBC. «Es zeigt sich die Tendenz, dass Leser interessante Artikel aus einer großen Menge roher Information aussieben und dabei Gerüchte, Klatsch, Propaganda und Nachrichtenmeldungen vermischen.»
Sieben von zehn Artikeln, die auf Reddit, Digg und Del.icio.us ausgewählt wurden, stammten aus Blogs und anderen Nicht-Nachrichtensites wie Youtube. Dabei deckten sich nur fünf Prozent aller Artikel auf den drei Sites mit den zehn Themen, über die in der untersuchten Woche in den 48 Mainstream-Medien landesweit am meisten berichtet wurde. Viele der Geschichten, die auf den drei usergenerierten Sites oben standen, rangierten in den klassischen Medien dagegen unter «ferner liefen». Schwerpunkte lagen dabei auf Technologie- und Lifestylethemen.
Die Forscher stellten zudem fest, dass auf den drei Sites Themen zumeist nur ein einziges Mal behandelt wurden, während die klassischen Nachrichtenmedien dazu tendierten, Geschichten über mehrere Tage hinweg weiterzudrehen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten rund die Hälfte aller Berichte in den 48 Medien drehten sich um die zehn wichtigsten Themen der Woche. «Es geht in die Richtung, dass Leser an wenig Informationen zu einer großen Zahl von Themen interessiert sind», kommentierte Rosenstiel.
Das bedeute aber nicht, dass traditionelle Medien überflüssig geworden seien, ergänzte der Medienwissenschaftler. «Die Sites bieten den Usern einen anderen Zugang zu den Nachrichten», sagte Rosenstiel. «Sie bilden vielmehr einen zusätzlichen Diskurs zu den Nachrichten.» Immerhin: Rund ein Viertel des Inhalts auf den usergenerierten Sites stammt von den traditionellen Medien.
Für das Web ediert von Matthias Breitinger

