Neue Doku nährt Zweifel an Selbstmord Barschels
NDR-Journalisten hatten für den 45-minütigen Film «Der Tod des Uwe Barschel - Skandal ohne Ende» (17. September 21 Uhr ARD) mehr als 30 Zeitzeugen befragt. Barschels Tod vorausgegangen war ein Skandal um schmutzige Aktionen, die der Referent Reiner Pfeiffer aus Barschels Staatskanzlei gegen den damaligen SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm geführt hatte. Dazu gehörten eine anonyme Steueranzeige gegen Engholm, fingierter AIDS-Verdacht und eine Bespitzelung. Als dies aufflog, beteuerte Barschel seine Unschuld, trat unter starkem Druck aber zurück. Damals stand er weithin als Mitwisser und gar Urheber von Pfeiffers Tricks da. Politisch war Barschels Lage damals aussichtslos. So erschien ein Selbstmord vielen schlüssig.
Der NDR-Film widmet sich ausführlich Fakten, Argumenten und Schlüssigkeits-Überlegungen, die für oder gegen Mord, Selbstmord und Sterbehilfe sprechen. Die Staatsanwaltschaft Lübeck hatte ein Ermittlungsverfahren 1998 einstellen müssen, ohne Mord oder Selbstmord beweisen zu können. Chefermittler Heinrich Wille bekräftigt in dem Film die von der Barschel-Familie geteilte Überzeugung, dass der 43-Jährige ermordet wurde. Schleswig-Holsteins Generalstaatsanwalt Erhard Rex sagte, für ihn deuteten die Ermittlungen «eher in Richtung Selbstmord».
Nach Autorenansicht sind Aspekte wie Sterbehilfe, Medikamentenmissbrauch oder Kontakte zu Waffenhändlern nicht ausreichend recherchiert. Im Hinblick auf ein vermutetes Dopelleben Barschels ist besonders von Hinweisen auf Kontakte zum Waffenhandel (Südafrika, Iran) die Rede. Barschel sei erpressbar geworden. (dpa)

