NDR wirft Moderatorin Eva Herman raus
09. Sep 2007 13:05, ergänzt 16:11
 |  Der NDR entlässt Eva Herman - nach Aussagen der Moderatorin zur NS-Familienpolitik. | Foto: AP |
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Eva Herman hatte die Familienpolitik der Nazis als «das, was gut war» gelobt - darauf wollten einige nicht mehr in ihre NDR-Talkshow. Dem Sender war das zuviel.
Wegen ihrer Äußerungen zur Familienpolitik der Nazi-Zeit hat der NDR mit sofortiger Wirkung seine Zusammenarbeit mit Eva Herman beendet. «Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin», sagte der NDR-Programmdirektor Fernsehen, Volker Herres, am Sonntag in Hamburg.Dies sei nach ihren Äußerungen anlässlich einer Buchpräsentation in der vergangenen Woche deutlich geworden. Herman hatte Medienberichten zufolge anlässlich der Präsentation ihres neuen Buches «Das Prinzip Arche Noah - warum wir die Familie retten müssen» am Donnerstag in Berlin zur Hitler-Zeit erklärt: «Es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat», und fügte hinzu: «Was gut war, das sind die Werte, Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt.»
Dem NDR bestätigte Herman ihre dazu in der «Bild am Sonntag» zitierte Aussage, wonach «Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden». In der Erklärung des NDR heißt es weiter: «Frau Herman steht es frei, ihren 'Mutterkreuzzug' fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren.»Als Reaktion auf Äußerungen von Herman hätten Gäste bereits ihre Teilnahme an der Talk-Show «Herman und Tietjen» abgesagt, hieß es. Die jetzt Gefeuerte war in der Sendung Ko-Moderatorin neben Bettina Tietjen. Zudem leitete Herman beim NDR bisher die Ratesendung «Wer hat's gesehen?». Sie war freie Mitarbeiterin des Senders.
«Nicht der erste Vorfall»
«Leider ist es nicht der erste Vorfall dieser Art», sagte Herres weiter. «Auch Frau Hermans geplanter Auftritt bei einer Unterorganisation der rechtspopulistischen FPÖ, den sie erst nach Intervention absagte, war ein solches Missverständnis.» Anlässlich dieses Beinahe-Auftritts habe der Sender die Moderatorin im März eindringlich gebeten, alle Handlungen und Äußerungen zu unterlassen, die geeignet seien, ihr öffentliches Bild als Talk-Moderatorin und damit auch das des NDR zu beschädigen. Zugleich sei Herman darauf hingewiesen worden, dass eine klare Trennung zwischen ihrer Arbeit als Talk-Moderatorin und als Buchautorin unabdingbar sei, sagte Herres.Für die jüngsten Äußerungen zur NS-Familienpolitik hatte Herman heftige Kritik geerntet. Die NDR-Rundfunkrätin Sara-Ruth Schumann, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Oldenburg, sagte der «Bild am Sonntag», von einer «intelligenten Moderatorin erwarte ich, dass sie sauber formuliert». Für jüdische Mütter und Frauen, die mit jüdischen Männern verheiratet gewesen seien, habe das damals alles nicht gegolten.
Das Mitglied des NDR-Verwaltungsrates Michael Fürst, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover, sagte: «Wenn sie diesen verquasten Unsinn so gesagt hat, spricht das für ein sehr schlichtes Gemüt und ist historisch unverantwortlich.» Herman verteidigte sich indes. Laut «Bild am Sonntag» sagte sie: «Es ist völlig absurd und bösartig, mich in die rechte Ecke zu stellen.» Sie wird zugleich mit den Worten zitiert: «Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden.»
Heftige Kritik fürs «Eva-Prinzip»
Wer in der nächsten Ausgabe der Talk-Show «Herman und Tietjen» am kommenden Freitag um 22 Uhr aus Hannover an der Seite von Bettina Tietjen vertretungsweise durch die Sendung führt, will der Sender «kurzfristig» klären. Eva Herman, gelernte Hotelkauffrau, wurde einem großen Publikum als Sprecherin der ARD-«Tagesschau» bekannt. Nach einer journalistischen Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk wechselte sie 1988 zum NDR. Zudem moderierte sie zahlreiche Fernseh- und Radiosendungen und hat sieben Bücher geschrieben. Seit August 2006 ruhte ihre Tätigkeit bei der «Tagesschau», weil sie verstärkt als Autorin arbeiten wollte.2006 präsentierte Herman den Band «Das Eva-Prinzip», in dem sie die Familie vor die Selbstverwirklichung der Frau stellte und für eine «Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter» warb. Dafür erntete Herman vielstimmige öffentliche Kritik. Sie konterte mit unterstützenden Reaktionen in dem Buch «Liebe Eva Herman! Briefe und Mails an die Autorin des Eva-Prinzips». Im Sommer 2007 erschien der Band «Das Prinzip Arche Noah», in dem Eva Herman unter anderem den Zerfall der Familie beklagt. Sie lebt in Hamburg und hat einen Sonn. Nach drei gescheiterten Ehen heiratete sie 2005 den Unternehmer Michael Bischoff. (AP/ddp/dpa)