28. Aug 2007 12:28
So nimmt man Journalisten Arbeit und Verlegern Kosten ab: Das Bundesfamilienministerium gab nicht nur Infos, sondern gleich fertige Berichte an Presse und Rundfunk, um fürs Elterngeld zu werben.
Das Bundesfamilienministerium hat über zwei PR-Agenturen Medienberichte produzieren und diese in Zeitungen und Radiosendungen platzieren lassen. Einem Bericht des ARD-Politikmagazins «Report Mainz» vom Montag zufolge hat das Ministerium als Teil der Elterngeld-Kampagne drei Millionen Euro für Werbung und Public Relations (PR) ausgegeben.In diesem Betrag sind nach Angaben des Ministeriums Anzeigen, Plakate und die Produktion der Radiobeiträge enthalten gewesen. Zusätzlich seien 780.000 Euro für «Infopakete» aufgewendet worden, die eine Agentur Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften angeboten habe, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur epd.
Nach Recherchen von «Report Mainz» hat das Ministerium die sendefertigen Hörfunkberichte und druckfertigen Zeitungsartikel zum neu eingeführten Elterngeld über zwei PR-Agenturen im redaktionellen Teil von Hörfunksendern und Zeitungen platzieren lassen.Die Hörfunkberichte seien von der Radio-PR-Agentur Schlenker Public Relations mit Kommentartext, Original-Tönen von Betroffenen und einem Statement der Ministerin produziert worden, berichtete «Report Mainz». Nach Angaben der Agentur seien diese Beiträge über 300 Mal ausgestrahlt worden und hätten so 55 Millionen Hörer erreicht.
Für die Presse habe die Agentur A & B One ausgearbeitete PR-Texte Zeitungsredaktionen zum Abdruck angeboten. Von der Überschrift über das Layout bis hin zum Bild seien die Berichte in der Agentur vorbereitet worden. Nach Recherchen von «Report Mainz» sind einige Texte eins zu eins im redaktionellen Teil verschiedener kleiner Lokalzeitungen und auch in Wochenblättern abgedruckt worden.Agenturinhaber Rupert Ahrens sagte dem epd, es sei «Unsinn» zu behaupten, die Leser und Hörer würden getäuscht. Den Redaktionen jedenfalls sei bekannt, dass das Ministerium der Absender der angebotenen Infotexte sei. Es liege ganz in deren Verantwortung, die Texte nicht zu verwenden, sie zu drucken oder aber auch mit einem kritischen Kommentar zu versehen. Für den Agenturkunden Bundesfamilienministerium sei es bei dieser PR-Aktion darum gegangen, in kurzer Zeit möglichst vielen Menschen das zum 1. Januar eingeführte Elterngeld bekannt zu machen.
Der Deutsche Journalisten-Verband erinnerte am Dienstag an die Verantwortung der Redaktionen. «Journalisten, die PR-Beiträge ungeprüft in ihrem Programm ausstrahlen oder in ihren Zeitungen veröffentlichen, verstoßen gegen grundlegende Prinzipien unseres Berufsstandes und setzen die Glaubwürdigkeit ihres Mediums aufs Spiel», sagte der Bundesvorsitzende Michael Konken. (epd)