ARD will Privatsendern nicht gedroht haben
23. Aug 2007 15:44
 |  ARD-Chef Fritz Raff | Foto: dpa |
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Müssen n-tv und N24 schließen, wenn ARD und ZDF ihre Expansionspläne verwirklichen? Die Privaten fühlen sich bedroht, aber ARD-Chef Raff versteht die Aufregung nicht.
Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff hat die Kritik der privaten Fernsehsender an den Umbauplänen des Digitalkanals EinsExtra zurückgewiesen. Der Vorwurf, das Vorhaben unter anderem künftig mehr Nachrichten zu senden sei rechtswidrig, entbehre der Grundlage, sagte Raff am Donnerstag.
Das Internetportal stern.de hatte am Mittwoch berichtet, RTL-Chefin Anke Schäferkordt und ProSiebenSat.1-Vorstandschef Guillaume de Posch hätten in einem gemeinsamen Brief an verschiedene Ministerpräsidenten vor «dramatischen Auswirkungen» auf die eigenen Nachrichtenkanäle n-tv und N24 bis hin zur «Existenzfrage der Kanäle und der damit verbundenen Arbeitsplätze» gewarnt. Wie der epd erfuhr, hatten sich die Senderchefs jedoch in getrennten Briefen an die Länderchefs gewandt.SPD-Chef Kurt Beck, der Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder ist, und der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) wollen sich stern.de zufolge von den Intendanten der ARD-Anstalten deren Konzepte zum Ausbau digitaler Angebote erläutern lassen. Ein erstes Treffen, allerdings ohne Beck, habe bereits stattgefunden.
Christian Körner, Sprecher der deutschen RTL-Senderfamilie, sagte der Nachrichtenagentur epd, der Sender sei «mit der Politik im Gespräch». Die Kritik an den Plänen zum Nachrichtenkanal EinsExtra sowie den «ungebremsten Expansionsplänen der Öffentlich-Rechtlichen unter dem Deckmäntelchen der Digitalisierung» habe die Senderfamilie bereits deutlich geäußert. Zur Einschätzung von stern.de, die Privatsender hätten mit der Schließung ihrer Nachrichtenkanäle gedroht, sagte Körner: «Wir sind nicht diejenigen, die drohen, sondern wir werden bedroht.»
Briefe an Ministerpräsidenten
Wie epd erfuhr, haben sich Schäferkordt und de Posch in getrennten Briefen an die Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD), Edmund Stoiber (CSU), Jürgen Rüttgers (CDU), Klaus Wowereit (SPD) und Christian Wulff (CDU) gewandt. In dem Brief de Poschs, der dem epd vorliegt, ist von einer Existenzfrage für N24 nicht die Rede, auch mit einer Einstellung des Senders wird nicht gedroht. De Posch schreibt allerdings, durch einen «zusätzlichen, nicht politisch sanktionierten Wettbewerb durch die öffentlich-rechtlichen Informationsprogramme» sei die «Refinanzierbarkeit der privaten Spartenprogramme» gefährdet. Es werde ein «Verdrängungswettbewerb digitaler Medienangebote initiiert», bei dem Programmvielfalt auf dem Spiel stehe. ProSiebenSat1 war zuletzt wegen eines geplanten Stellenabbaus beim Sender Sat1 kritisiert worden.
Drei Digitalkanäle
Der ARD-Vorsitzende Raff sagte, der Rundfunkstaatsvertrag erlaube ARD und ZDF jeweils drei Digitalkanäle mit den Schwerpunkten Kultur, Bildung und Information. EinsExtra sei seit zehn Jahren das Digitalprogramm der ARD mit dem Schwerpunkt Information. Nachrichten, die künftig öfter auf EinsExtra gezeigt werden sollen, stellten eine Urform der Information dar, sagte Raff. Gerade weil die ARD in den Regionen verankert und gleichzeitig durch Korrespondenten in aller Welt vernetzt sei, gehöre ein solches Informationsangebot zu den Kernkompetenzen der ARD. Dagegen zeige das Programm bei N24 und n-tv, dass dort in den vergangenen Jahren Nachrichtenteile heruntergefahren worden seien. «Stattdessen kann man dort stundenlang die Formel 1, Golfkurse und Reiseberichte verfolgen sowie Weinmagazine und Dokus über die größten Schiffskatastrophen aller Zeiten anschauen», sagte Raff. Die Privatsender wollten mit ihrer Kritik an der ARD von eigenen Defiziten ablenken. (epd)