Medienaufsicht droht Sat1 mit Lizenzentzug17. Jul 2007 11:59  | Satelliten-Schüsseln am Sitz von Sat1 und N24 in Berlin-Mitte | Foto: AP |
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Dass der Fernsehsender Sat1 seine Nachrichtensendungen einstellt, könnte ihn die Lizenz kosten: Die Medienaufsicht will nicht zulassen, dass das Programm baden geht, um mehr Gewinn zu machen.
Die geplante Einstellung von Nachrichtensendungen beim Fernsehsender Sat1 stößt möglicherweise auf rechtliche Hindernisse. Die rheinland-pfälzische Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) droht Sat1 Konsequenzen an, sollte der Fernsehsender seine Nachrichtensendungen einstellen. Die Privilegien, die der Sender als Vollprogramm bei der Einspeisung in die Kabelnetze genieße, könnten wegfallen, sagte LMK-Direktor Manfred Helmes am Dienstag. Es könne nicht sein, dass das Programm baden gehe, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen.
Helmes sagte, nicht allein die öffentlich-rechtlichen Sender hätten bestimmte Aufgaben bei der medialen Versorgung der Bevölkerung: «Auch private Sender sind zu einem Vollprogramm in abgespeckter Form verpflichtet.» Der LMK-Direktor warnte vor den Folgen eines wirtschaftlichen «Schneeballsystems», bei dem Medienkonzerne sich gegenseitig aufkaufen und zerlegen würden. Dies würden die Medienwächter auf die Dauer nicht mitmachen: «Und ich hoffe, dass die Politik es auch nicht mitmacht.» Sat1 wurde 1984 als erster deutscher Privatsender in Ludwigshafen gegründet. Aus diesem Grund ist die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt für die Medienaufsicht über den Sender verantwortlich, der seinen Sitz mittlerweile in Berlin hat.
News werden eingestellt
 |  DJV-Vorsitzender Michael Konken | Foto: dpa |
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Medienberichten zufolge sollen die Nachrichtensendungen «Sat1 am Mittag», «Sat1 am Abend» und «Sat1 News» eingestellt werden. Die Sat1-Hauptnachrichten um 18.30 Uhr sollen trotz der geplanten Streichung von 180 Arbeitsstellen in Berlin und München «unangetastet bleiben», versicherte am Dienstag Sat1-Sprecherin Kristina Faßler der Deutschen Presse- Agentur dpa. Es gebe in diesem Bereich «keine Überlegungen». Zur Position von Moderator Thomas Kausch sagte die Sprecherin, Kausch sei vom Sender «nicht beurlaubt», er befinde sich aber «faktisch in Urlaub». Faßler bestätigte auf Anfrage, dass Kausch einen Tag vor Antritt seines Urlaubs sein Büro geräumt habe. Einen Kommentar dazu könne sie nicht geben.
 |  Sat1-Moderator Thomas Kausch | Foto: Sat.1 |
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Die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) hatte berichtet, von 180 Stellen, die eingespart würden, seien am Sendersitz in Berlin 100 angesiedelt. Nach Informationen des Deutschen Journalistenverband (DJV) wurde der Redaktion von «Sat.1 am Mittag» bereits am Montag mitgeteilt, sie habe an diesem Tag die letzte Nachrichtensendung produziert. Der Sender gab dazu keine Stellungnahme ab. Grund für den heftigen Sparkurs sei, dass ProSiebenSat1-Chef Guillaume de Posch den Anteilseignern KKR und Permira eine Rendite von 25 bis 30 Prozent versprochen habe, wie die «SZ» weiter berichtet. Derzeit seien es 22 Prozent. Kultur- und Medienpolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatten sich «mit Sorge» zu den Sparplänen bei der privaten Senderfamilie. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken vermutet «pure Renditeerwägungen der Eigentümer» hinter den Planungen. Es sei ein «medienpolitischer Skandal, dass die Senderkette offensichtlich ihr komplettes Informationsangebot streichen und auf diese Weise rund 250 Arbeitsplätze im Bereich des Fernsehjournalismus vernichten» wolle, kritisierte Konken.
Union protestiert gegen Kahlschlag für Rendite
Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, und der medienpolitische Berichterstatter, Reinhard Grindel, erklärten, die Sparmaßnahmen bei ProSiebenSat1 gingen offenbar einseitig zu Lasten der Informations- und Nachrichtenprogramme bei Sat1. Als «besonders dramatisch» sei die in Rede stehende Reduzierung der regionalen und nationalen Berichterstattung zu bewerten. Die beiden Bundestagsabgeordneten forderten die Landesmedienanstalten auf, genau zu untersuchen, ob die geplanten Maßnahmen mit den Sendelizenzen in Einklang zu bringen seien. Die ProSiebenSat1 Media hält an diesem Dienstag in München ihre alljährliche Hauptversammlung ab. DJV-Vorsitzender Konken erklärte, falls sich die Haupteigentümer der Sendergruppe, die Finanzinvestoren KKR und Permira, auf der Aktionärsversammlung mit ihren Plänen durchsetzen könnten, wäre dies ein «schwerer Schlag gegen den Journalismus im privaten Rundfunk». Ein Verzicht auf Nachrichten- und Informationssendungen bei ProSiebenSat1 würde die Fernsehsender der Gruppe nach Konkens Ansicht «zu reinen Abspielkanälen von Filmen und Unterhaltungsshows degradieren». Auch aus Sicht der Unionspolitiker Börnsen und Grindel bestätigen die Investoren KKR und Permira «das Vorurteil, dass Fernsehen für sie reines Wirtschafts- und nicht auch Kulturgut ist». (nz/dpa/epd)
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