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Helmut Schmidt ganz privat

02. Jul 2007 10:37
Helmut Schmidt überraschend emotional
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Vier Jahre lang hat Sandra Maischberger den Ex-Kanzler Helmut Schmidt begleitet. Das Porträt «Helmut Schmidt außer Dienst» ist am Montag in der ARD zu sehen.

Stets die Zigarette in der Hand, mit einem nachdenklich konzentrierten Blick und erstaunlich privaten Antworten zeigt sich Helmut Schmidt am Mittwochabend (22:45 Uhr) ARD- Zuschauern. Sandra Maischberger und ihr Mann Jan Kerhart haben den Altkanzler mehr als vier Jahre lang begleitet.

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Auf Reisen in die USA und nach China, bei Vorträgen und Festveranstaltungen sowie in seinen Privathäusern in Hamburg und am Brahmsee in Schleswig-Holstein haben sie den heute 88-Jährigen gefilmt, befragt und beobachtet. Mit «Helmut Schmidt außer Dienst» ist nicht nur ein Porträt über einen der wichtigsten Politiker der 70er und 80er Jahre entstanden, sondern auch ein Film über das Älterwerden und die Liebe.

«Emotionen sind nie meine starke Seite gewesen», sagt Schmidt selbst in dem Film. Doch dank der sensiblen und geduldigen Kameraführung von Jan Kerhart und zum Teil intimen Fragen von Moderatorin Sandra Maischberger schafft es dieser Film dennoch, Emotionen einzufangen.

Seit 1946 SPD-Mitglied

Sandra Maischberger
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1918 geboren, kommt Schmidt als Wehrmachtsoldat in britische Gefangenschaft. Zuvor noch, mitten im Krieg, heiratet er 1942 seine Schulfreundin Hannelore «Loki» Glaser. Später studiert Schmidt Volkswirtschaft und Staatswissenschaft, 1946 wird er SPD-Mitglied. Nach Stationen als Hamburger Innensenator und SPD-Fraktionschef beerbt Schmidt seinen Vorgänger Willy Brandt 1974 im Amt des Kanzlers. Bis 1982 bleibt Schmidt Bundeskanzler, 1987 scheidet er aus dem Bundestag aus. Seit 1983 ist er Mitherausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit» sowie mehrfacher Buchautor.

«Mir war es wichtig, nicht nur in die Vergangenheit, sondern vor allem in die Gegenwart zu schauen», sagt Maischberger über ihr Porträt. Schmidts Kindheit und Jugend sowie seine Zeit als aktiver Politiker finden in dem Porträt daher auch nur kurze Erwähnung. Der Film zeigt den Staatsmann, wie er heute lebt. Er wird nach seinen Einschätzungen zur aktuellen Weltpolitik gefragt und stellt Prognosen über das 21. Jahrhundert. «Staatsmännische Figuren fehlen beinahe auf allen Seiten», beklagt er in New York und in einer Rede prophezeit Schmidt: «Wir haben ein schlimmes Jahrhundert vor uns.»

«Ich wackel von oben bis unten»

Gestochen scharf kommentiert Schmidt auch mit 88 Jahren noch das politische Tagesgeschehen. «Ich wackel von oben bis unten, aber das Gehirn funktioniert - das funktioniert prima», sagt er und beweist es mit jeder Aussage. Doch er spürt das körperliche Älterwerden. «Jetzt muss ich mit diesem scheiß beschädigten Ohr hören», erklärt er in einer Szene. Das Rauchen aufzugeben, sei ihm dagegen nie in den Sinn gekommen. Er habe die Anstrengungen des Politikerlebens mit seinem starken Willen «und Zigaretten» überstanden. Wie selbstverständlich raucht Schmidt - zum Leidwesen seiner Mitreisenden - sogar in einem Washingtoner Café, wo Zigaretten strengstens verboten sind.

Bereits in früheren TV-Interviews und Reportagen hat man Schmidt als den ruppig-sympathischen Staatsmann erlebt. Die Stärke dieses neuen Films ist es aber, ihn auch von seiner ganz privaten und verletzlichen Seite zu zeigen. Zuhause in Hamburg besucht der Zuschauer Loki und Helmut Schmidt: zwei lang Verheiratete, die in Würde miteinander altern und sich zwar nicht durch offene Zärtlichkeiten, aber doch durch liebevolle Worte ihre Zuneigung zeigen. (Vivien Leue, dpa)

 
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