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'Christiansen' - die 250. Sendung lief am 29. Juni 2003 (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Christiansen' - die 250. Sendung lief am 29. Juni 2003
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sabine Christiansens «Politainment» lieferte Stoff für Diskussionen in Kantinen und Büros. Kaum eine andere Sendung hat das öffentliche Gespräch über Politik so stark geprägt wie ihr Sonntagabend-Talk.

Gleich zwei prominente Persönlichkeiten nehmen an diesem Sonntag in der ARD Abschied von ihren angestammten Plätzen. Sabine Christiansen wird sich zunächst mit ihrer letzten Ausgabe um 21:45 Uhr nach mehr als neun Jahren und fast 450 Sendungen vom Polittalk zurückziehen. Gleich danach moderiert um 22:45 Uhr Anne Will ihre letzten «Tagesthemen» - am 16. September wird die gebürtige Kölnerin den Sendeplatz von Sabine Christiansen übernehmen, um ihrerseits die Politik zum Talkthema zu machen. Die 49-Jährige wird Anfang des nächsten Jahres vielleicht mit einem neuen Format in die ARD zurückkehren, wohl aber zunächst nur einmal.

Kaum eine andere Sendung hat im vergangenen Jahrzehnt das öffentliche Gespräch über Politik so stark geprägt wie «Sabine Christiansen». «Kanzlerdämmerung», «Reformdschungel» oder «Melkkuh Sozialstaat» - die Sonntagsdebatten lieferten die Stichworte für die Gespräche in Büros, Kantinen und Cafés am nächsten Morgen. Mit der Mischung aus Politik und Unterhaltung verschaffte Christiansen dem «Politainment» einen festen Platz im Programm. Nach Mord und Totschlag im «Tatort»-Krimi folgte zum Ausklang des Wochenendes Christiansens «Katastrophentalk», wie der Autor Walter van Rossum die Sendung nannte.

Markenzeichen Augenbraue
Christiansen hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ihr auch auf Show ankommt. «Wir haben uns immer bemüht, Politik und ihre Inhalte anschaulich und unterhaltsam einem großen Publikum nahe zu bringen», sagt sie. Dafür habe sie eine «ansehnliche journalistische Arbeit» abgeliefert. Christiansen sieht ihren Abschied gelassen. «Letztlich war es nur Fernsehen, Sendungen kommen und Sendungen gehen.» An der Seite ihres Lebensgefährten, des französischen Modeunternehmers Norbert Medus, will sie sich dem Privatleben und ihrer TV-Produktionsfirma TV 21 widmen. Auf dem Nachrichtenkanal CNBC wird sie weiter auf Englisch «Global Players with Sabine Christiansen» moderieren.

Auf die hartnäckige, sachliche und bisweilen leicht ironische Art der Journalistin Anne Will mit ihrem Markenzeichen hochgezogene linke Augenbraue wird das Publikum nicht verzichten müssen, weil sie Christiansen beerbt. Dabei hatte sich die 41-Jährige nach ihrer Vertragsverlängerung bis 2009 gerade auf einen längeren Aufenthalt in Hamburg eingerichtet. Mit Wirkung von Februar an hatte sie eine Wohnung angemietet, die sie gleich wieder kündigen musste, weil nach Günther Jauchs Absage an die ARD Will als Christiansens Nachfolgerin berufen wurde. «Ich wäre gerne bei den »Tagesthemen« geblieben», sagt sie. «Aber ein so fantastisches Angebot, wie den Talk am Sonntagabend zu übernehmen, konnte ich nicht ausschlagen.»

Getrübte Freude
Zweifelsohne hat Will bei den «Tagesthemen» viel gelernt, denn gleich im ersten Moderationsjahr veränderten die Anschläge vom 11. September die Welt. «Die Attentate waren das entscheidende weltpolitische Ereignis der sechs Jahre, die Kriege in Afghanistan und im Irak waren ja Folgen davon», sagt Will. In diesen sechs Jahren habe sich auch ihre Arbeit verändert. «Nachrichten werden immer noch schneller produziert. Geschwindigkeit ist inzwischen das entscheidende Qualitätskriterium geworden. Das muss man nicht gut finden. Das ist aber so.»

Die Vorverlegung der «Tagesthemen» auf 22:15 Uhr hat nach Wills Ansicht der Sendung gut getan, denn sie hat jetzt mehr Zuschauer. Grundlegende Verbesserungen an der Sendung selbst seien unnötig. Eines trübt jedoch die Freude: Mittwochs beginnt die Sendung später, weil zuvor Frank Plasbergs Talkshow dran ist. «Natürlich ist es nicht optimal, dass die Sendung künftig verschiedene Anfangszeiten hat. Aber wenn Frank Plasberg für einen guten Vorlauf sorgt, können auch die »Tagesthemen« profitieren.»

Gibt es für Anne Will eine Rückkehr zu den «Tagesthemen», sollten alle Stränge reißen? «Ich sage keineswegs: »Nie wieder«», sagt sie. Aber im Augenblick sei diese Option sehr weit entfernt. (Carsten Rave und Esteban Engel, dpa)