netzeitung.deAdel chattet: Der exklusivste Ort im Netz (II)

 Herausgeber: netzeitung.de

Online verpflichtet auch Adel: Alexander von Schaumburg-Lippe (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Online verpflichtet auch Adel: Alexander von Schaumburg-Lippe
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Einsamkeit von Naomi Campbell und der Geschmack von Menschenfleisch - der zweite Teil der Reportage über «ASmallWorld» von Sabine Pamperrien .

Mit wenigen Klicks ist man in den Netzwerken der anderen. Man muss nur den gesuchten Namen anklicken und dann den Button «Shortest Path». Die Six Degrees to Kevin Bacon-These gilt nur für die große Welt. Meist ist man nur zwei Netzwerke voneinander entfernt und kann über die Connection im eigenen zum nächsten switchen. Quentin Tarantino entpuppt sich als Karteileiche. Gerade mal zwei Freunde hat er.

Limousinenservice online
Und auch Naomi Campbell hat nur 15 Freunde. Wie kommt Verena Kerth ins Netzwerk des smarten Simon Verhoeven? Das via ASW zu ergründen, sollte man jetzt allerdings nicht anstreben, gehört es doch zu den strengen Regeln der kleinen Welt, nur Leute zu kontaktieren, die man persönlich kennt.

Der Nutzen des Forums sollen die zuverlässigen Informationen sein, die hier von anderen Mitgliedern zusammen getragen werden. Für alle wichtigen Städte der Welt gibt es persönliche Tips und Rankings für Restaurants, Hotels, Limousinenservices, Fitnessstudios usw. Schaut man sich das allerdings näher an, ist es eher altbacken als sophisticated. Richtige Insidertipps findet man nicht, abgesehen von namentlich aufgeführten Babysittern. Dass Galerien, Museen, Opern und Orchester überhaupt nicht erwähnt werden, ist ein Manko, das nach Auskunft von Louise Wachtmeister demnächst behoben wird.

Das Highlight ist das Forum. Kaum hat man unter «Travel» angekündigt, dass man demnächst für zwei Monate in Sydney ist und gern Leute kennen lernen möchte, hat man schon ganz reizende Guardian Angels. Sie sind behilflich bei Unterkunftssuche und Freizeitgestaltung und können auch noch konstruktive Tipps geben, wen man ansprechen kann, etwa um Interviewpartner zu bestimmten Themen zu finden. Außerdem kann man mit einem Klick sehen, ob eventuell Bekannte auch gerade in Sydney sind - aktives Networking und eine ungeheure Erleichterung.

Menschenfleisch schmeckt wie Huhn
Dass hier nur intellektuell unterbelichtete Superreiche über Klunker debattieren, stimmt auch nicht so ganz. In den Foren wird zwar über die Vorzüge des neuesten Porsche Cayenne gegenüber anderen SUVs debattiert. Aber Abhandlungen darüber kann man inzwischen in jedem deutschen Intellektuellenblatt auch nachlesen. Die Kleinanzeigen haben es dann schon in sich: Da kann man einen Designer-Jet für schlappe 50 Millionen Euro kaufen. Daneben warten aber ein bescheidenes Tenorsaxophon für 450 Euro und alte Videos für 1 Euro auf passende Kundschaft.

Doch dann springt Dekadenz ins Auge: «Was haltet Ihr vom Satanismus?» «Würdet Ihr Menschen essen?» «Menschenfleisch schmeckt wie Huhn», will jemand wissen. Schöner Kitzel? Leider erfüllen die Threads nicht die hoffnungsfrohe Erwartung auf sensationelle Einblicke in verkommene Seelen reicher Müßiggänger. Die Urheber werden sofort darauf abgeklopft, ob sie nur Aufmerksamkeit erregen wollen, nicht alle Tassen im Schrank oder ein ernstes Anliegen haben. Man behandelt sich mit ausgesuchter Höflichkeit. An die Regeln halten sich auch fast alle.

Erstaunlich wenige Mitglieder mussten laut Wachtmeister bisher nach «ABigWorld» empfohlen werden. Danach gibt es kein Zurück mehr in die exklusive kleine Welt. «ABigWorld»: Damit ist das World Wide Web gemeint, in dem sich diejenigen tummeln müssen, die schlechter verdienen und in niedrigerem Stand geboren wurden: wir alle.