20. Mrz 2007 11:32
«Es muss ehrlich zugehen», fordert der niederländische RTL-Direktor Westerloo. Dies sieht er bei der Produktionsfirma Endemol nicht immer gegeben. Bei TV-Spielen würden Zuschauer in die Irre geführt.
RTL in den Niederlanden hat der Produktionsfirma Endemol Betrug bei Fernseh-Telefonspielen vorgeworfen. Die Spiele seien nicht immer ehrlich und Zuschauer würden in die Irre geführt, sagte RTL-Direktor Fons van Westerloo laut Zeitungsberichten in Hilversum. Wenn Endemol diese Praxis fortsetze, werde RTL die Geschäftsbeziehungen lösen. «Es muss ehrlich zugehen», so van Westerloo.
Die niederländischen RTL-Sender (RTL4, RTL5 und RTL7) zeigen wie alle kommerziellen Sender des Landes Telefonspiele, bei denen Zuschauer eine meist simple Frage beantworten sollen und dafür hohe Preise gewinnen können. Endemol produziert diese Spiele für das Vormittagsprogramm der RTL-Sender. Der niederländische RTL-Chef bezog sich kritisch auf zwei Fälle: Einmal seien Zuschauer aufgefordert worden, weiter anzurufen, obwohl der Preis bereits vergeben war. In einem anderen Fall sei nicht mitgeteilt worden, dass die Zuschauer noch eine weitere Frage beantworten müssen, um den Preis zu gewinnen.
Endemol-Direktor Paul Römer wies die Vorwürfe zurück. «Das ist absolut unwahr. Von strukturellem oder bewusstem Betrug kann keine Rede sein», sagte er. Die Zuschauer würden umfassend informiert, und jeder Anrufer, der die richtige Antwort nenne, gewinne einen Preis. Nur wer den Jackpot gewinnen wolle, müsse eine weitere Aufgabe lösen. Endemol zahle jährlich «ein paar Millionen Euro» an Preisgeldern aus.
In der vergangenen Woche hatte die niederländische Staatsanwaltschaft gegen Anbieter von Telefonspielen Ermittlungen aufgenommen. Das Justizministerium hatte Anzeige erstattet, weil Anbieter gegen neue gesetzliche Regeln für Werbespiele verstießen. Die Regeln sollen verhindern, dass Telefonspiele irreführend und zu teuer sind.
Verbraucher klagen, dass die Leitungen auch nachts ständig besetzt seien. Wie viel Geld mit den Spielen verdient wird, ist unklar. Die Kontrollkommission für Glücksspiele schätzt, dass die Niederländer pro Jahr zwischen 59 und 298 Millionen Euro für telefonische Glücksspiele ausgeben. (epd)