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Vor Islam-Fixierung in Medien gewarnt

16. Mrz 2007 15:23
Maria Böhmer
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Medienexperten kritisieren die Debatte über Internet-Angebote für Muslime als «Scheindiskussion». Die Bundesregierung fordert, sich bei der Integration in den Medien nicht nur auf den Islam zu fixieren.

Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), hat davor gewarnt, sich in der Debatte über Integration und Medien auf den Islam zu fixieren. Internet-Angebote von TV-Sendern für Muslime seien nur ein Element, daneben müsse «die gesamte Bandbreite der Integration» in den Medien abgebildet werden, sagte Böhmer am Freitag bei den 26. Tutzinger Medientagen. Außerdem müssten Migranten bei der Programmgestaltung sowie in der Aus- und Fortbildung im Rundfunk stärker vorkommen, forderte Böhmer.

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Auch der Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals Arte, Gottfried Langenstein, plädierte für eine «Einbindung von Menschen aus allen Erdteilen».«Wir müssen uns mehr mit denen beschäftigen, die zu uns kommen», sagte er. «Die Deutschen haben mittlerweile die größte Containerflotte und wollen mit der ganzen Welt Handel treiben, aber sie fürchten sich vor Menschen aus anderen Kulturen.»

Dabei sei auch ein Dialog mit dem aufgeklärten Islam erforderlich, ergänzte Langenstein. Durch Web-Angebote für Muslime von ZDF oder SWR werde «nicht der Untergang des christlichen Abendlandes eingeleitet», so der Arte-Präsident. Anlass der Debatte waren Pläne der beiden Sender, ab Sommer im Internet Ansichten und Kommentare aus muslimischer Sicht anzubieten. Die redaktionelle Verantwortung dafür liegt bei den Fernsehsendern.

Kopfschütteln über Diskussion

Der Rundfunkbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernd Merz, sagte, die Debatte über Internet-Angebote für Muslime habe Züge einer «Scheindiskussion». Ein Dialog zwischen den Religionen sei gerade auf neuen Plattformen enorm wichtig.

Die Islamwissenschaftlerin und WDR-Redakteurin Isabel Schayani bezeichnete die Debatte über das vom ZDF geplante «Forum zum Freitag» als unverständlich. Es gehe hier nur um ein Angebot unter zahllosen weiteren im Internet. Die öffentliche Erregung habe damit zu tun, «dass der Islam hier wohl an einer Tür geklopft hat, die das christliche Selbstverständnis berührt», sagte Schayani.

Wolfgang Schäuble
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Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüßte die Absicht mehrerer Fernsehsender, im Internet spezielle Angebote für Muslime bereitzuhalten. «Das ist ein richtiger Ansatz, gerade um jüngere Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen», sagte Schäuble bei den Tutzinger Medientagen. Er kritisierte aber, dass das ZDF bei der Ankündigung seines neuen Internetangebots zunächst von einem «Wort zum Freitag» gesprochen hatte: «Es war kommunikativ unglücklich, dies sprachlich in eine Analogie zum 'Wort zum Sonntag' zu stellen», so der Minister.

Schäuble gegen Integrationskanal

Schäuble sagte, bei der ursprünglichen Ankündigung des ZDF hätten «99 Prozent der Leute gedacht, dies ist etwas fürs Fernsehen». Jedoch seien Plattformen im Internet zu diesem Thema womöglich wichtiger, weil die öffentlich- rechtliche Fernsehnutzung junger Menschen sehr gering sei. Eine Absage erteilte Schäuble dagegen der Idee eines deutsch-türkischen Integrationskanals. Stattdessen müsse die Vielfalt auch des religiösen Lebens in den «Alltagsmedien» stärker abgebildet werden.

Bei den 26. Tutzinger Medientagen diskutierten am Donnerstag und Freitag Journalisten, Medienexperten und Politiker über das Thema «Ganz nah, ganz fremd? Migration, Integration und Fernsehen». Veranstalter der Tagung waren die Evangelische Akademie Tutzing und das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik. (nz/epd)

 
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