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Blogger-Journalisten (II): Die Leuchte aus dem Osten
13.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bunz ist die Theoretikerin unter den Bloggern. Sie verfasste ihre Disseration zum Thema «Geschichte des Internet». Bei «De:bug» war sie Spezialistin für die politischen und gesellschaftlichen Aspekte des Netzes, schrieb aber auch über elektronische Musik und natürlich über Kulturtheorie. Über den «Mutti-Backlash», der jetzt gerade wieder die Gemüter erhitzt, machte sie sich schon 2001 lustig, voller Sorge. Nach Beendigung der Promotion und Ablauf eines Post-doc-Stipendiums arbeitete Bunz freischaffend als Journalistin und Dozentin. In ihrem Lebenslauf bezeichnet sie diese Phase als prekär.
Von Juli 2005 bis Anfang diesen Jahres amtete sie dann als Chefredakteurin des Berliner Stadtmagazins «Zitty», das im selben Verlag wie der «Tagesspiegel» erscheint. «Zitty» ist das etwas unkonventionellere der beiden großen Berliner Stadtmagazine. Nirgends kann man soviel über Subkultur und kulturelle Strömungen erfahren. Bunz erschrieb sich mit ihren gleichermaßen feinfühligen und meinungsfreudigen Betrachtungen, zum Beispiel über die eigene Welt «urbaner Penner», eine Fangemeinde.
Im Interview nannte sie das 2006 «öffentliches Brainstorming». Da wird schon mal gewarnt: «Achtung: es wird schwierig» und ein Rohentwurf für einer neue Kulturtechnik unter dem provisorischen Namen «Amalganisierung» vorgestellt. Das Bild für diesen Vorgang: die Discokugel.
Da wird nicht schnodderig glossiert und kommentiert, sondern richtig gearbeitet. Klar, ein wenig riecht es nach Wichtigtuerei, manches ist recht abgehoben. Aber es sind schon spannende Gedankenspiele, die da zu ganz unterschiedlichen Themen entwickelt werden.
Der Hinweis auf den Text als «lesenswert» liest sich dann fast, als wolle sie sagen 'Hallo, in der Liga spiele ich jetzt'. Ihre Leser nehmen Allgemeinplätze auch sofort übel und kommentieren entsprechend.
Schön wäre, wenn die spannenden theoretischen Diskurse noch verständlicher abgefasst würden. Immerhin sind sie leuchtende Beispiele dafür, dass Kultur auch ganz anders diskutiert werden kann, als die eindimensionale Werte-Debatte derzeit erfolgreich suggeriert. Vor Jahren schrieb sie über den kulturellen Impact von Computerspielen. Jetzt erst wird einer weiteren Öffentlichkeit bewusst, wie politisch solche Fragestellungen sind.
Hoffentlich betreibt Bunz das «öffentliche Brainstorming» weiter und nimmt die eine oder andere entwickelte These mit in ihren neuen Job. Die eingeborene Ossi hat durchaus das Zeug, den hoch politischen Pop-Theoretiker Diedrich Diederichsen zu beerben.
Hier gehts zum dritten Teil der Serie
