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Blogger-Journalisten (III): Der Gutmenschen-Fighter
14.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Furor teutonicus
Als Broder in den 70ern die Szene betrat, war er ein linker Sponti. Er selbst zählte sich zur APO. Der atheistische Spross einer polnisch-jüdischen Familie lebte eine Weile in Israel, zu einer Zeit, als der Kibbuz die Aussteiger aus aller Welt anzog. Deutschland verließ er wegen der unsäglichen deutschen Geschichte und aus genau demselben Grund kam er zurück.
Von Anfang an brillierte er als treffsicherer Analytiker deutscher Befindlichkeiten. Mit dem Sammelband «Die Schere im Kopf» über journalistische Selbstzensur fiel er erstmals auf. «Fremd im eigenen Land» und «Der ewige Antisemit» etablierten ihn. Broder lebt aus dem Widerspruch. Sein Movens ist der Furor teutonicus. Nur wenn er angreifen kann, ist er gut.
Hohe Trefferquote
Zu seinen Standardthemen gehören der Nahostkonflikt und USA. Seit dem 11.9.2001 ist er zum militanten Pro-Amerikaner mutiert. Auf seiner Homepage nimmt er keinerlei Blatt vor den Mund. Irgendeiner Israel-kritischen Transsexuellen werden permanent ihre umgewandelten Geschlechtsteile um die Ohren gehauen. Eine «Nutte» hat kein Meinungsäußerungsrecht. Homosexualität ist schimpflich. Daneben arbeitet Broder sich aber auch mit unermüdlichem Eifer am Mahnwesen von Kleinunternehmen ab und stellt schon mal einen privaten Rechtsstreit ins Netz.
Dass Broders Fallbeil-Rhetorik oft genau ins Schwarze trifft, zeigt die eigentliche intellektuelle Leistung des gelernten Juristen. Sprachwitzige Ironie und funktionierende Polemik setzen zunächst einmal ein tieferes Verständnis der zu unterlaufenden Argumentation voraus. Das wird von vielen Kritikern übersehen, die Broder zu Unrecht schlichtweg Demagogie und damit Unredlichkeit - unterstellen.
Allerdings wirkt der 60jährige in seinen Texten für «SpiegelOnline» merkwürdig gebremst. In einem Debattenbeitrag zu den Thesen des «Spiegel»-Kulturchefs Matthias Matussek zum neuen deutschen Patriotismus wird zwar klar, dass Broder sie nicht teilt. Aber Matusseks heikles Bonmot, Hitler sei «ein Freak-Unfall der deutschen Geschichte», löst bei ihm keinen Furor aus. Jeden anderen hätte Broder vermutlich provokativ gefragt, ob dann die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden auch als 'Freakunfall' zu werten sei.
Achsenmächte
Broder hat damit auch das kommerzialisierte Weblog «Die Achse des Guten» bestückt, das er mit dem Autorenteam Maxeiner&Miersch betreibt. Die Achse trägt akribisch zusammen, was die katastrophalen Folgen von Gutmenschentum und Political Correctness für die zivilisierte Welt beweist. Die wirklich «Guten» munitionieren sich hier für ihre Schriften. Aktivster Sammler: Hendryk M. Broder.

