23.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Das Spiel «Call of Duty» sei ein Treffpunkt für Neonazis und «GTA San Andreas» belohne Vergewaltigungen mit Punkten. Diese Vorwürfe werden in einem Fernsehbeitrag erhoben.
Kaum hat sich die Debatte um so genannte «Killerspiele» einigermaßen beruhigt, da legt ein Fernsehmagazin nach. Anlass der Erregung ist nach monatelanger Diskussion in Politik und Spielergemeinde ein Bericht, den die ARD-Sendung «Panorama» am 22. Februar sendete. Es ging um das Spiel «Call of Duty 2». Statt Medienwissenschaftlern und Psychologen ließ der NDR jedoch den Geschäftsführer der Security-Firma PanAmp, Bert Weingarten, zu Wort kommen. Dieser habe, so der Beitrag, «die Call-of-Duty-Szene monatelang im Netz beobachtet».
Weingarten hält das Spiel für besonders gefährlich, da es unter anderem die Möglichkeit biete, Nazi-Symbole wie die SS-Rune oder das Hakenkreuz durch Downloads einzubauen. Der NDR wies zwar darauf hin, dass dies illegal sei, aber nicht auf die Tatsache, dass diese in Deutschland verbotenen Symbole nicht vom Hersteller des Spiels, sondern von Privatpersonen stammen.
Weingartens Firma PanAmp hat die Studie «im Auftrag einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt» durchgeführt, wie einer Pressemitteilung der Firma zu entnehmen ist. Eine Definition von «Killerspielen» liefert PanAmp gleich mit: «Killerspiele beinhalten die Jagd und das Töten von Menschen oder menschenähnlichen Avataren in mehrdimensionalen Welten.»
Sex grundsätzlich möglich«Panorama» zeigte neben «Call of Duty 2» Szenen aus «Der Pate», «Doom 3» und «GTA San Andreas». Bei letzterem Titel wurden Ausschnitte aus dem «Hot Coffee Mod» - das erst durch umständliche Patches freigeschaltet werden muss - durch einen geradezu haarsträubenden Text unterlegt: «Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.»
Dies entspricht genau dem Gegenteil der dargestellten Szene. Zwar ist Sex zwischen Spielfiguren in dem für Erwachsene bestimmten Spiel «GTA» grundsätzlich möglich. Jedoch geht dem stets eine Verabredung voraus, nach der die weibliche Figur ihren Verehrer «auf einen Kaffee» einladen kann. Von Vergewaltigung kann hier keine Rede sein. «Panorama» unterlegte dennoch die in ihr Gegenteil verkehrte Spielhandlung mit dem Song «Rape Me» der Band Nirvana. Dieser Musiktitel wird mit dem Spiel jedoch nicht ausgeliefert.
Zu restriktiv gehandhabtZur Debatte um einen von Bayern im Bundesrat eingebrachten Gesetzesentwurf für ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von «Killerspielen» zitierte «Panorama» die Innenminister von Niedersachsen und Bayern. Auch die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die diesen Entwurf ablehnt, kam in einem Ausschnitt aus der Bundespressekonferenz zu Wort: «Wir haben die Killerspiele im Paragraf 131 verboten, mir hat noch niemand erklärt, was er besser machen will als das, was im Moment im Strafgesetzbuch steht.»
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) hingegen vertritt in dem Beitrag seine Haltung, der bisherige Paragraf 131 reiche nicht aus, «weil die Anwendung des Gesetzes von Staatsanwaltschaft und Gerichten so restriktiv gehandhabt wird, dass es faktisch nicht zu einem Verbot von Killerspielen ausreicht».
Dem Innenminister stärkt in seiner Studie der vom NDR berufene Experte Bert Weingarten den Rücken: «Jeder Innenminister, der Killerspiele nicht unmittelbar in die rechtlichen Schranken verweist, versündigt sich an den Online-Spielern und an der kulturellen Harmonie in Europa.» (Golem/nie)