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Vanity Fair ist da: Til Schweiger erlöst Deutschland

07. Feb 2007 09:55, ergänzt 10:23
Etwas scheint den Helden zu blenden.
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Ein neues Magazin, das unser Land verändern soll, kommt heute an die Kioske. Netzeitung.de testete die 328 Seiten im Schnelldurchlauf.

Eine zweistellige Millionensumme investierte der Condé Nast-Verlag in die deutsche Ausgabe von Vanity Fair, des erfolgreichsten amerikanischen Glamour-Magazins. Die Konkurrenz zittert, die Werbeindustrie jubelt. Netzeitung.de lud vier Medienprofis zu einer ersten Sichtung ein. Leitet das neue Wochenmagazin eine Zeitenwende ein? Zora del Buono (stellvertretende Chefredakteurin «Mare»), Oliver Gehrs (Herausgeber «Dummy»), Gerd Brendel (Podcaster-Ikone Cindy, Küchenradio.org) und Sophie Albers (NZ-Entertainment-Redakteurin) sondierten im Gespräch mit der NZ-Chefredaktion die veränderte Lage.


Netzeitung.de: Das Wichtigste an einem neuen Magazin ist der Titel. Seid Ihr überrascht vom Titel?

Zora del Buono: Ja, er ist schwarz.

Sophie Albers: Nein, das ist Werbung und verdeckt nur den eigentlichen Titel, nämlich Til Schweiger.

Z.B.: (klappt die Titelseite um) Oh Gott! Schweiger mit Ziege.

Oliver Gehrs: Wahnsinn - wie in den 90ern. «Deutschlands größter Kinoheld. Intim».

Z.B.: Intim, damit ist wohl die Ziege gemeint?

O.G.: Also geht es um Sodomie.

Z.B.: Stimmt die Ziege ist sehr, sehr jung.

Gerd Brendel: Nein, das ist keine Ziege, sondern ein Lamm. Das muss man anders deuten, Til Schweiger, Deutschlands Erlöser. Das ist super.

NZ: Würdet Ihr es wegen des Titels kaufen?

G.B.: Klar, kostet ja nur einen Euro.

NZ: Das ist billiger als die Bravo, die kostet 1 Euro 30.

O.G.: Ein Kampfpreis wie bei einem TV-Magazin! Eigentlich sollte es ja mehr kosten, weil Vanity Fair großartigen Journalismus verheißt.

NZ: Der Fairness halber hätte man schon Einführungspreis dazu schreiben können. In den nächsten Monaten soll es ja teurer werden. Wie gefällt euch die Top-Story auf dem Titel?

S.A.: Also ich sehe ganz oben: «Extrem. Michel Friedman bei der NPD». Also ist Friedman der neue Starreporter der Vanity Fair.

O.G.: Das muss so eine Wallraff-Nummer sein. Friedman undercover bei der NPD.

Z.B.: Ich habe gehört, die waren zusammen auf der Grünen Woche.

NZ: Waren seine fünf Personenschützer auch verkleidet?

O.G.: Nein, die sehen ja schon aus wie von der NPD.

Zu Gast bei der NPD

NZ: Weiter. «Genial: Robert de Niro zürnt. Besuch beim stillen Helden Hollywoods» ist der nächste Appetitmacher.

O.G.: Das ist ein bisschen kryptisch. Was ist daran genial, wenn de Niro sauer ist auf Hollywood?

S.A.: Genial meint: «genial, dass wir es haben»!

O.G.: Ja, stimmt.

NZ: Auffällig ist: keine einzige Frau hat es auf den Titel geschafft, dabei sind Frauen doch gerade die umworbenste Zielgruppe der Medien.

Z.B.: Mit dem Starreporter Friedman macht man Frauen sicher keine Freude.

O.G.: Ich finde die Titelseite insgesamt enttäuschend. Ich dachte, die rocken, die machen einen zum Star, die wagen etwas.

Z.B.: Wieso, Ziegensodomie ist doch gewagt?

S.A.: Für mich ist die einzige Info des Titels, dass Til Schweiger sich noch immer die Brust epiliert.

G.B.: Dabei ist das total out. Brusthaar ist bei uns Schwulen total angesagt. Und wir sind die Trendsetter.

Z.B.: Aber der Body sieht schon gut aus.

G.B.: (blättert) Wie sind die anderen Schweiger-Fotos? (hält inne bei Seite 72, wo Schweiger einen Gartenschlauch penisartig zwischen seinen Schenkeln festklemmt) Huii! Das sieht ja aus, als würde er pinkeln. Ein Golden-Shower-Bild! Genial!

O.G.: Aber wo ist jetzt das neue Deutschland? Vielleicht hier: Britta Steffen. Die Schwimmerin, auf die wir seit Franzi von Almsick warten.

NZ: Wow! Die kleine Doppelfalte auf der linken Arschbacke unter dem goldenen Schwimmanzug ist schon sehr heiß.

G.B.: Ich hätte das wegretouchiert.

NZ: Nein, das ist sehr sexy.

O.G.: Was fragt man die nur? Gute Lösung: «Frau Steffen, Sind Van Almsick-Fragen gestattet?» – Antwort: «Waren immer gestattet.»

S.A.: Prima.

Die neue Franzi

G.B.: (blättert ungeduldig weiter) Was kommt dann? Service: «So überleben Sie die Berlinale».

NZ: Geht doch eh keiner hin von den Lesern.

G.B.: Aber für Vanity Fair ist das schon ein Thema. Ich kenne sie nur wegen der Oscar-Partys. Dadurch sind sie in Amerika richtig groß geworden. Gibt es eigentlich auch eine Vanity-Fair-Berlinale-Party?

Alle: Bestimmt. Garantiert.

G.B.: Aber Ihr wisst nichts drüber?

NZ: Wenn es sie gäbe, müsste hier eigentlich etwas darüber stehen. Da steht aber nichts.

S.A.: (hat sich zwischen vorgearbeitet auf Seite 148.: Hier, das gefällt mir richtig gut. Eine Karte über die Liebschaften der französischen Politiker. Liaisons Dangereuses.

Alle: Das ist cool!

O.G.: Da zeigt sich, wie toll es wäre, wenn eine Zeitschrift so über deutsche Verhältnisse schreiben könnte.

NZ: Ja, zum Beispiel würden wir gerne wissen, wie es der Geliebten von Horst Seehofer gerade geht.

Z.B.: (blättert um auf Seite 150) Schön, schon wieder Tiere. Sind die Rehe gemalt oder echt? Und soll die Überschrift »Tempo 200 – dem Wald zuliebe« ironisch sein?

NZ: Das erfordert mitdenken vom Leser. Nicht Verlangsamung, sondern Beschleunigung rettet die Umwelt. Tempo ist hier reine Metapher, wir müssen uns mehr beeilen bei der Rettung der Umwelt.

Z.B.: Das versteht doch kein Mensch.

NZ: Du vielleicht nicht, aber die Leistungselite schon.

O.G.: Hier auf Seite 170, endlich die Friedman-Geschichte. Bei der NPD.

NZ: Wie kommt der nur dazu sowas zu machen?

O.G.: Gnadenloser Ehrgeiz.

G.B.: Also, ich fand den Friedman immer gut in seinen Talkshows, der ist schon geistreich und schnell.

NZ: Aber hat er den Text auch selbst geschrieben?

O.G.: Ja doch, der war wirklich da und hat denen auf den Zahn gefühlt.

Z.B.: Dass er mit diesen Leuten, mit denen sonst keiner was zu tun haben will, über die Grüne Woche spaziert, ist schon grausam.

G.B.: Ok, aber das muss man mal in Ruhe lesen.

O.G.: Kommt, weiterblättern! Hier: «Der Mann hinter dem Bart». Da geht es um den Anwalt von Kurnaz. Gute Überschrift, gute Geschichte. Muss man lesen. Und auch die Obama-Story.

NZ: Fassen wir zusammen, ab Seite 178 kommen die richtig guten Geschichten: Kurnaz' Anwalt, Obama und Zennström, der jetzt das Internet-Fernsehen revolutionieren will.

Baselitz in Adidas

Z.B.: Lasst uns mal über das Layout sprechen. Das sieht schon sehr nach Frauenzeitschrift aus, das ist schon ein bisschen Brigitte.

O.G.: Stimmt, aber die Typo ist mehr Amica oder Allegra. Ah, endlich Kultur! Was macht die Schweizer Flagge dort, bei Alexander Kluge?

S.A.: Er macht Urlaub im Engadin vom Geldverdienen.

NZ: Noch ein altersloser deutscher Held. Baselitz – der Maler. Gibt es denn etwas Neues bei Baselitz?

G.B.: Er lebt noch! Und der Unterschied zu dem anderen Großmaler ist, er scheint auch Koks zu nehmen, wenn man die Aufnahmen mit der Adidas-Jacke sieht. Aber man hat ihn noch nicht erwischt.

Z.B.: Wo bleibt eigentlich die geniale de Niro-Story?

O.G.: Hier Seite 244. De Niro kommt zur Berlinale. Er mag Berlin, aber er mag keine Fragen.

NZ: Was kriegt man denn, wenn man Vanity Fair abonniert?

S.A.: Einen Füllfederhalter.

G.B.: Was für eine Marke? Das ist wichtig wegen der Patronen.

O.G.: No name.

G.B.: Bei der Goldenen Kamera gab's auch Füller für jeden. Von Waterman. Aber Waterman-Patronen kriegt man echt scheiße schwer.

NZ: Letzte Frage: Mit wem rechnet ihr in der nächsten Ausgabe auf dem Titel?

O.G: Ich wette eine Flasche Champagner auf Heike Makatsch.

Alle: Aber nur mit Baby.

 
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