Verleger Schumann ist tot
WAZ-Miteigentümer und Geschäftsführer Erich Schumann ist tot. Er starb am Sonntagabend im Alter von 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit im Krankenhaus, wie die WAZ Mediengruppe am Montag in Essen mitteilte
Erich Schumann war zuletzt der dienstälteste Geschäftsführer der Essener WAZ Mediengruppe. Trotz schwerer Krankheit dachte der Senior im Konzern nicht daran, seine Arbeit aufzugeben: Er stand vom Krankenbett aus in Kontakt mit dem Verlag, der ihm zu 20 Prozent gehörte.
Schumann hatte die WAZ-Gruppe zusammen mit dem ebenfalls geschäftsführenden Gesellschafter Günther Grotkamp in den 80er und 90er Jahren ohne großes Aufsehen ausgebaut. Nach dem Rücktritt von Grotkamp 1999 wurde es lauter um Schumann und den Konzern. Mit seiner 800.000 Mark-Spende an den in die Bredouille geratenen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) zog er sich den Zorn seiner Genossen aus der SPD zu. Schumann verteidigte die Gabe an Kohl mit «demokratiepolitischen Gründen». Es half nichts: Die SPD warf ihn aus der Partei.
In die eher konservativ handelnde Konzernspitze wollte der Manager Schumann nach der Jahrtausendwende frischen Wind bringen und groß investieren. Zusammen mit dem in die WAZ-Führung geholten Ex- Kanzleramtsminister Bodo Hombach (SPD) versuchte sich Schumann an einem Einstieg beim insolventen Kirch-Imperium. Zuerst sollten es die ProSiebenSat.1-Gruppe und der Sportrechtehandel sein, danach der 40- Prozent-Anteil Kirchs beim WAZ-Konkurrenten Springer. Beides scheiterte an Widerständen aus dem eigenen Haus - die WAZ-Gruppe gehört zu gleichen Teilen den Familiensträngen Brost und Funke.
Während Schumann und Anneliese Brost von der Brost-Holding als einig galten, herrschte bei der Funke-Familien-Gesellschaft eher Uneinigkeit. Bei dem WAZ-Geschäftsmodell mit zwei Gesellschafter- Stämmen muss bei Zukäufen Einigkeit herrschen. Der Stamm des Mitbegründers Jakob Funke winkte ab. Eher vorsichtigen Gesellschaftern war ein Sportrechtehandel mit zu großen Risiken behaftet. Schumann und Hombach waren die Hände gebunden.
Im Blickpunkt wird die Funke-Gruppe bald wieder stehen. Das Geld aus dem Verkauf des 7,4-Prozent-Anteils an der RTL Group wollten sich Mitglieder der Funke-Gruppe auszahlen lassen. Petra Grotkamp möchte das Geld im Konzern belassen. An diesem Mittwoch wird eine Entscheidung am Oberlandesgericht Hamm erwartet. Es geht um rund 400 Millionen Euro.
Zur WAZ-Mediengruppe zählen nach dem Ausstieg aus dem TV-Geschäft heute vor allem über 500 Publikationen, darunter als Herzstück die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» und 37 weitere Tageszeitungen in Europa mit einer Gesamt-Tagesauflage von mehr als vier Millionen Exemplaren.
Schumann wurde am 13. Dezember 1930 in Nürnberg geboren. Er war der Adoptivsohn von WAZ-Gründer Erich Brost und studierte Jura. 1978 wurde er WAZ-Geschäftsführer. Er engagierte sich unter anderem als Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe und im Präsidium des Nationalen Olympischen Komitees und erhielt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Schumann war verheiratet und hat keine Kinder. (dpa)

