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Medienexperte sieht ARD an sich selbst gescheitert

12. Jan 2007 07:50, ergänzt 15:48
Günter Jauch am Boden
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Die ARD ist nach Ansicht des Medienexperten Groebel bei der Entscheidung über RTL-Moderator Jauch an sich selbst gescheitert. Den Vorschlag von Nachfolger Plasberg hält er für «keine besonders mutige Idee».

Für den Medienexperten Jo Groebel liegt die Ursache für das Scheitern der ARD-Verhandlungen mit RTL-Stars Günther Jauch in dem Senderverbund selbst. «Die ARD ist an ihrer Vollmundigkeit gescheitert, immer am Markt reüssieren zu müssen und sich Stars zurückzuholen, die sie einst aufgebaut hat», sagte der Direktor des Deutschen Digital-Instituts der Netzeitung. Ein Talent sei für die ARD «nur akzeptabel, wenn es sich anderswo bewährt hat».

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Der Rückzug Jauchs «ist Beleg dafür, dass die Entscheidungs- Infrastruktur der ARD so hochkomplex ist, dass der angreifbare Mut von Programmdirektor Günter Struve zwischen Gremien und Pluralismus zerrieben wird.» Struve hatte angekündigt, seinen Posten zu räumen, sollten für die ARD durch Jauchs Werbeverträge Probleme entstehen. Zuvor hatte es Forderungen an Jauch gegeben, mit der Übernahme der Moderation in der ARD seine Werbeaktivitäten ruhen zu lassen.

Jauch bestätigt das Bild, das Groebel von der ARD zeichnet: «Es war wie eine Mischung aus Gesundheits- und Föderalismusreform», so Jauch im Gespräch mit dem «stern». Ulf Birch, Programmausschuss- Vorsitzender des NDR-Rundfunkrats, bemängelte, ARD-Chef Fritz Raff und die neue WDR-Intendantin Monika Piel hätten den Vertrag mit Jauch torpediert hätten. «Dieser Club der Heckenschützen hat der ARD einen Bärendienst erwiesen», empörte sich Birch, dessen Sender für den Programmplatz am Sonntagabend zuständig ist. Raff hatte nach der Absage des RTL-Stars angemerkt, ohne Jauch gehe die ARD-Welt nicht unter. Piel hatte ganz allgemein darauf hingewiesen, dass TV-Stars sich entweder ganz für die ARD oder ganz für die privaten Sender entscheiden müssten.

Plasberg nicht besondern kühn

Groebel bemängelte Entwicklungen in der Strategie des Senderverbunds. Die ARD habe «einst für Innovation und mutige Entscheidungen» gestanden. «Heute ist das Hauptargument nur die Quote.» So dürfe man mit öffentlichen Geldern nicht umgehen.

Plasberg
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Für Groebel ist der von SWR-Intendant Peter Voß ins Spiel gebrachte Christiansen- Nachfolger Frank Plasberg «keine kühne, keine besonders mutige Idee». Der Moderator des WDR-Polit-Talks «Hart, aber fair» stehe «für den gewissenhaften, nachfragenden Moderationsstil», sagte Groebel. «Am Ende dieses von der kommunikativen Seite her wieder mal peinlichen Prozesses halte ich diese Idee für eine Gute.» Er selbst habe sich ein jüngeres Gesicht als Plasberg gewünscht. «An Talenten scheitert es wahrlich nicht.»

SWR-Intendant Voß hatte nach der Absage von Günther Jauch für die Polit-Talkshow «Sabine Christiansen» gesagt, er verkenne nicht, dass Jauch über einen besonderen Charme verfüge. Aber auch Plasberg sei längst ein besonderes Markenzeichen und passe bestens zwischen «Tatort» und «Tagesthemen».

Schon nächste Woche

Favorit Frank Plasberg wollte sich am Freitag nicht mehr äußern. Tags zuvor hatte er der «Rheinischen Post» gesagt, es liege noch keine Anfrage der ARD vor.

Die ARD wird möglicherweise schon in der nächsten Woche einen Nachfolger für Talkshow-Moderatorin Sabine Christiansen benennen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Freitag aus ARD-Kreisen. Das Gremium soll einen personellen Vorschlag für die Intendantentagung am 5. Februar in Frankfurt erarbeiten.

 
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