17.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Kasparow kritisiert «Christiansen»- Ausladung
Der russische Oppositionelle Kasparow durfte nicht bei Sabine Christiansen auftreten und sieht darin einen Schaden für die russische Demokratie-Bewegung. In der ARD fürchten nun einige um den Ruf der Talkshow.
Der Ex-Schachweltmeister und russische Oppositionelle Garri Kasparow hat sich schockiert über seine Ausladung aus der ARD-Sendung «Sabine Christiansen» geäußert. Dies werde der Demokratie-Bewegung in Russland schaden, sagte er: «Da wir Demokraten in den russischen Medien nicht zu Wort kommen, ist es doch umso wichtiger, im Westen Gehör zu finden», sagte Kasparow der «Bild am Sonntag».
Moderatorin Sabine Christiansen verteidigte das Vorgehen ihrer Redaktion und kündigte eine Sendung mit Kasparow im März an. Nach Darstellung des Oppositionellen wurde er am Freitag vor gut einer Woche und damit zwei Tage vor Ausstrahlung der Sendung mit dem Titel «Die Russen kommen» ausgeladen. In der Sendung ging es um den Polonium-Mord an Ex-Spion Alexander Litvinenko.
Auftritt im MärzDer Sender habe auf ein Problem mit der Satelliten-Leitung verwiesen. «Das war eine völlig eigenartige Ausladung», wurde hingegen der Politiker zitiert. Er sieht einen Zusammenhang mit dem Auftritt des russischen Botschafters in Deutschland, Wladimir Kotenew, in der Sendung. Kritische Stimmen aus Russland habe man nicht hören wollen.
Nach Christiansens Worten war es kein Fehler, Kasparow auszuladen. «Bei der Sendung am vergangenen Sonntag hätten wir nur ein kurzes Interview mit ihm einspielen können», sagte sie dem Blatt. Im März könne er als Gast in einer ganzen Sendung teilnehmen. «Ich freue mich auf die Diskussion mit ihm.»
Reputation beschädigtKritik am Vorgehen von «Sabine Christiansen» kam auch aus der ARD selbst. «Durch die Ausladung von Kasparow und die Zusammensetzung der Gäste ist die Reputation der Sendung und der ARD beschädigt worden», sagte «Monitor»-Chefin Sonia Mikich der «Bild am Sonntag». Es seien nicht die bestmöglichen Leute eingeladen worden. WDR-Intendant Fritz Pleitgen sagte dem Blatt: «Ich hätte Kasparow und einen Korrespondenten, der aktuell in Moskau lebt, in dieser Runde für notwendig erachtet.»
An der Diskussion hatten neben Kotenew unter anderem der hessische Innenminister Volker Bouffier, die frühere Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz und Groß- und Außenhandelspräsident Anton Börner teilgenommen.
Volker Beck, der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, nannte die Ausladung einen «skandalösen redaktionellen Fehlgriff». Russland sei «eine stark defizitäre Demokratie» in einer «eigentümlichen politischen Rückwärtsentwicklung». (nz)