17. Nov 2006 17:26
Der Springer Verlag verzahnt noch enger sein Print- und Internetangebot. Die in einer Nachrichtenzentrale produzierten Titel sollen aber «ihr je eigenes Temperament und ihre Seele» bewahren.
Vorstandschef Mathias Döpfner sprach von völlig neuen Wegen der Zeitungsproduktion, «Wams»-Chefredakteur Christoph Keese von einem wirklichen Umbruch. In der neuen Nachrichtenzentrale gilt laut Döpfner die Devise «online first». Jeder der insgesamt 400 Journalisten soll also zuerst an die Online-Medien denken und seine Texte möglichst früh bereitstellen, um sie umgehend im Internet veröffentlichen zu können.Intern sind auch die Ressorts der Zeitungen fusioniert. Es gibt also etwa nur noch eine Politikredaktion, in der alle Nachrichten und Informationen gebündelt, bewertet und für die einzelnen Titel aufbereitet werden. Keese sagte, Doppelarbeit solle vermieden werden, in Konkurrenz trete man nur noch zu anderen Medien. Die Chefredakteursrunde treffe ihre Entscheidungen in punkto Personal, Ausgaben und Produktion gemeinsam.
Das journalistische Profil der einzelnen Titel soll dem Konzept zufolge nicht verwässert werden. Doch nannte Keese als Beispiel für Synergieeffekte einen Opernkritiker, der verschiedene Texte für die gesamte Gruppe erstelle. Auf die Frage, ob infolge gestraffter Abläufe Arbeitsplätze in Gefahr seien, antwortete Keese, der «Saldo-Effekt» in punkto Jobs sei noch unklar. «Es gibt die Absicht, schlank zu bleiben.»
Der seit zwei Tagen amtierende neue «Welt»-Chefredakteur Thomas Schmid sagte, in der Praxis des Newsrooms bestehe die Kunst darin, drei Zeitungstitel verschränkt und parallel zu erstellen, «aber ihr je eigenes Temperament und ihre Seele zu bewahren».
Die erste Schicht in dem rund 400 Quadratmeter großen Newsroom beginnt ihren Dienst um sechs Uhr morgens, die letzten Redakteure packen um 23:30 Uhr zusammen. Ein Einstieg der Springer-Boulevardblätter «Bild» und «B.Z.» ist derzeit nicht geplant. (nz)