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Medienschelte nach Dachflucht in Dresden

10. Nov 2006 15:53
Immer von der Kamera verfolgt: Mario M.
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Bei der Flucht von Mario M. auf das Dach eines Dresdner Gefängnisses hätten sich die Medien instrumentalisieren lassen, rügt ein Theologe. Die Beamten kommen bei ihm gut weg – weil sie trotz «stärksten öffentlichen Drucks» gewaltfrei agierten.

Die Medien haben bei der Flucht des im Fall der entführten und vergewaltigten Stephanie Angeklagten auf das Dach der Justizvollzuganstalt (JVA) Dresden ungeschickt agiert: Sie seien zu «Instrumenten des Selbstdarstellungsdrangs des Häftlings geworden», rügte der Theologe Ulfried Kleinert am Donnerstag in der sächsischen Landeshauptstadt. Der frühere Rektor der Evangelischen Fachhochschule für Soziale Arbeit sitzt dem Beirat der Anstalt vor.

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Es sei der Eindruck erweckt worden, Justiz und Polizei seien durch Mario M. der Lächerlichkeit preis gegeben, rügte Kleinert. Zugleich hätten verschiedene Medien so getan, als wachse die Gefahr durch gewalttätige Straftäter: «Das ist nachweisbar nicht der Fall», stellte der Theologe klar.

M. war am Mittwochmorgen seinen Bewachern entkommen und hatte sich auf das Dach der JVA geflüchtet. Dort harrte er etwa 20 Stunden aus. Der Prozess wegen der Taten an der 14-Jährigen wurde daraufhin bis Ende November unterbrochen: Nach der Dachflucht wurde M. für nicht verhandlungsfähig erklärt.

Sowohl Polizei als auch die Vollzugbeamten ernteten bei Beiratschef Kleinert dagegen Lob: Trotz «stärksten öffentlichen Drucks» hätten sie sich nicht zu einer gewaltsamen Lösung hinreißen lassen, sondern besonnen abgewartet. Es habe keine Fluchtgefahr bestanden, hob der Theologe hervor.

Er räumte zugleich ein, dass es unter anderem «personelle Engpässe» bei der Bewachung sowie «Schwachstellen» am Gebäude gebe, durch die das Entkommen M. möglich geworden sei. Solche «innerbetrieblichen» Fehler, die sich überall ereigneten, müssten nun korrigiert werden, forderte er. Der zuständige Justizminister Geert Mackenrodt (CDU) hatte bereits bauliche Veränderung an der JVA angekündigt, ohne Details zu nennen. Der Politiker kündigte zugleich eine Untersuchung der Vorgänge an und wollte seinen Rücktritt nicht ausschließen. (nz)

 
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