netzeitung.deBoßdorf muss die ARD doch verlassen

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Hagen Boßdorf (Foto: ARD<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hagen Boßdorf
Foto: ARD
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Vertrag von ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf wird nicht verlängert. Grund ist ein weiterer Fall von Schleichwerbung: Ein Verstoß gegen die ARD-Werberichtlinien, den Boßdorf nicht erkannt habe.

Die ARD trennt sich nun doch von ihrem Sportkoordinator Hagen Boßdorf. Die Intendanten der Sender beschlossen, den Vertrag mit ihm nicht weiter zu verlängern, teilte die ARD am Mittwochabend in München mit.

Damit endet die Zusammenarbeit der ARD mit Boßdorf aller Voraussicht nach am 31. März 2007. An diesem Tag läuft der jetzige Vertrag des ARD-Sportkoordinators aus.

Themen-Placements
Als Hintergrund für die Entscheidung führte die ARD an, im Werberahmenprogramm des Ersten Fernsehens für eine Nordic-Walking-Veranstaltung unter dem Namen «Becel Deutschland Walk» sei es in einzelnen Fällen zu so genannten Themen-Placements gekommen. Das redaktionelle Konzept für die Berichterstattung habe eine Integration von «markenrelevanten Themen im Umfeld des Produkts Becel wie Gesundheit, Ernährung, Cholesterin und Herz-Kreislauf» vorgesehen. Dieses Konzept sei von einer Agentur entwickelt und von Boßdorf in die ARD eingebracht worden.

Neben Boßdorf dürfte es damit auch Ärger für weitere Redakteure geben: Wie es in der Pressemitteilung der ARD hieß, lag die Verantwortung der im Rahmen des Konzepts entstandenen Beiträge beim Bayerischen Rundfunk, der «arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen die redaktionell Verantwortlichen» einleiten werde.

Fehlende Professionalität
In dem Beschluss der Intendanten, die Zusammenarbeit mit ihrem Sportkoordinator nicht weiter zu verlängern, heißt es, Boßdorf hätte schon davor einen Konflikt mit den ARD-Werberichtlinien erkennen müssen. Er trage zwar keine redaktionelle Verantwortung, doch habe er «die in seiner Position notwendige journalistische Professionalität vermissen lassen».

Der ARD-Vorsitzende und Intendant des Bayerischen Rundfunks, Thomas Gruber, sagte dazu: «Es handelt sich aus unserer Sicht um einen klaren Verstoß gegen die Richtlinien zur Trennung von Werbung und Programm. Die ARD wird Sorge tragen, dass der komplette Vorgang in seinen Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten vollständig aufgeklärt und dokumentiert wird.»

Boßdorf war erst kürzlich sowohl wegen angeblicher Kontakte zur DDR-Staatssicherheit sowie wegen umstrittener Exklusivvereinbarungen mit Radprofi Jan Ullrich in die Kritik geraten. Deshalb hatte die ARD die Vertragsverlängerung mit einer Sicherungsklausel für den Fall verbunden, dass es zu einer Verurteilung Boßdorfs kommt. Dies hatte jedoch auf die von den Intendanten am Mittwoch getroffene Entscheidung keinen Einfluss. (nz)